Zauderer Friedrich Merz Die eeeeewige Mär vom Comeback

Immer wieder derselbe Unsinn: Friedrich Merz täuscht ein Comeback an - und die Republik ist schier aus dem Häuschen. Doch am Ende will sich der frühere CDU-Spitzenpolitiker nicht nass machen.

Friedrich Merz: Genug Platz in der CDU
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Friedrich Merz: Genug Platz in der CDU

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Wann immer der Name Friedrich Merz fällt, geht ein Raunen durch die CDU. Der Mann mit der Bierdeckel-Steuer kommt zurück! Eine Wiederkehr der Ordnungspolitik steht bevor! Endlich, endlich lässt sich in der Merkel-CDU mal wieder jemand mit Wirtschaftskompetenz blicken! Viele Medien machen bei diesem Spiel der Ausrufezeichen kräftig mit.

Am vergangenen Wochenende beispielsweise reichte schon die Nachricht, Merz werde als einer von rund 120 Mitgliedern in vier Parteikommissionen an einigen Sitzungen teilnehmen. Die Blätter gerieten umgehend in Aufregung. Von einem "Parteiamt" war die Rede, das Merz jetzt habe, natürlich, vom "Comeback" des ewigen Merkel-Widersachers.

Friedrich Merz könnte für ein paar Stunden hinter der Pförtner-Theke im Konrad-Adenauer-Haus Platz nehmen, und die Zeitungen würden von einem Comeback schreiben. Der Mann, der 2002 im Machtkampf mit Angela Merkel um den Fraktionsvorsitz unterlag und später der Politik ganz den Rücken kehrte, macht immer wieder mit solchen Stippvisiten zurück ins Rampenlicht von sich reden.

Einmal besuchte er Merkel im Kanzleramt, um mit ihr über die Eurokrise zu reden. Und als der damalige Umweltminister Norbert Röttgen 2012 seinen glücklosen Versuch startete, Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen zu werden, stand Merz als Berater für Industriepolitik zur Seite. Ganz gesprungen ist Merz freilich damals nicht, und auch heute ist es wieder so.

Nein, natürlich habe er nicht die Absicht, in einer möglichen Röttgen-Regierung Landesminister zu werden, gab Merz 2012 im NRW-Wahlkampf zu Protokoll. Und jetzt? Am Montag hielt er in der CDU-Kommission eine kurze Rede mit sieben Stichworten, das wars. Die Deutschen dürften nicht zu technologiefeindlich sein, war einer der Punkte, die Merz in der internen Runde ansprach. Na dann.

Heute würde Merz Merkel nützen

Wenn Merz wirklich in die Politik zurückstrebt, sollte er kandidieren. Platz dafür gibt es in der CDU genug. Und auch Merkel könnte wohl damit leben, wenn ihr Widersacher von einst ein echtes Comeback anstreben würde.

Damals war Merz eine Bedrohung für ihren Aufstieg an die Parteispitze, heute sind die Machtverhältnisse klar, und Merz' Expertise in Wirtschaftsfragen würde ihr nur nützen. Zudem stehen 2017 nicht nur die nächsten Bundestagswahlen an, sondern im Frühjahr auch die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen.

Wenn es Merz so wichtig ist, politisch eine Rolle zu spielen, könnte er doch antreten. Eine bessere Chance als mit Armin Laschet hätten die Christdemokraten an Rhein und Ruhr mit Merz allemal. Der Chef der NRW-CDU tingelt zwar fleißig durch die Berliner Talkshows, doch als echte Alternative zu NRW-Regentin Hannelore Kraft nimmt man ihn nicht war.

Kraft gegen Merz dagegen, das wäre ein reizvolles Duell. Die Schuldenkönigin gegen den Ordnungspolitiker. Die Steuererhöhungs-Ministerpräsidentin gegen den Mann mit dem Bierdeckel, die Landesmutter gegen den Beinahe-Neoliberalen. Den Vorwurf, die großen Parteien seien nicht mehr unterscheidbar, könnte man in so einem Wahlkampf getrost vergessen.

Natürlich, es wird so nicht kommen. Laschet will selbst antreten, Merz weiter gutes Geld als Anwalt verdienen. Und sicher, auch das Risiko einer Niederlage wäre enorm. Doch so bleibt eben ein schaler Nachgeschmack der vermeintlichen Comebacks: Da will einer schwimmen, ohne sich nass zu machen.



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
bin verwirrt 14.10.2014
1. klare Kante
Bei Merz weiß man wenigstens für was er steht. Sympathisch ist er mir vielleicht nicht wirklich, aber das war Kohl nicht und ebenso Merkel.
dr.schnabel 14.10.2014
2. Merz
ist lediglich ein bisschen auf Sinnsuche, nachdem er in der freien Wirtschaft nicht so reüssierte, wie die Superspitzenwirtschaftsfachleute der Union es eigentlich spielend können sollten. http://juve.de/nachrichten/namenundnachrichten/2014/02/mehr-zeit-fur-aufsichtsratsmandate-merz-wechselt-bei-mayer-brown-in-senior-counsel-rolle Mal sehen, wann Roland Koch wieder politisiert.
WolfHai 14.10.2014
3. Politik ist menschlich brutal
---Zitat--- Doch am Ende will sich der frühere CDU-Spitzenpolitiker nicht nass machen. ---Zitatende--- Das klingt doch arg abfällig von diesem Journalisten. Und vielleicht sind es genau diese Abfälligkeiten, die Herrn Merz davon abhalten, sich in der Politik zu engagieren. Es ist für einen überdurchschittlich intelligenten Menschen, jedenfalls einen mit einem Normalmaß an Sensibilität, schlichtweg eine Zumutung, sich in einen gesellschaftlichen Raum wie die Politik zu begeben, wo man sich von dümmeren Leuten wild anpöbeln lassen muss, weil man gerade etwas sehr Vernünftiges gesagt hat, was nur gerade nicht in die Landschaft passt. Vor einiger Zeit war ein Aufsatz eines Professors aus Oxford oder Cambridge zu lesen, der über die brillanten deutschen Studenten schrieb, die er dort betreuen durfte. Studenten mit Engagement, Einsicht, politischem Verständnis. Auf die Frage, ob sie sich in der Poliik in Deutschland engagieren wollten, hätten die alle leicht angewidert abgewunken. Das hat seine Gründe. Deutschland kriegt die Politiker, die es im politischen Biotop der Republik aushalten. Keine besseren.
LinkesBazillchen 14.10.2014
4. Kohl hatte wohl recht: ein politisches Kleinkind
Vielleicht sollte der Merz der AfD Paroli bieten. Besser wäre es irgendjemand würde der Merkel Paroli bieten. Aber da hat er gekuscht und sich kuschen lassen. Tatsächlich ein politisches Kleinkind. Eigentlich auch Schade. Das konservative Element kommt ja in der CDU kaum noch vor. Aber Merz packt's wohl nicht.
magier 14.10.2014
5. überschätzt
F. Merz gehört zu den überschätzten Politikern der Republik. Der Hype, der jetzt in der Presse wieder ausbricht, obwohl er nur die Mitarbeit in einem Arbeitskreis signalisiert hat, zeigt, dass die Mainstreammedien ihn am liebsten wieder zum großen Heilsbringer der CDU stilisieren möchten. Das erinnert mich an den Hype um den Baron von und zu Guttenberg. Aber auch der Versuch ist kläglich gescheitert. Inhaltsleere mit Show zu füllen, mag im Showbusiness auf Dauer erfolgreich sein, in der Politik hoffentlich nicht.
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