"Wir brauchen die nicht mehr" Merz wegen Geringschätzung klassischer Medien in der Kritik

Friedrich Merz ist froh über die Digitalisierung - Politiker könnten so kritische Medien umgehen und Bürger direkt ansprechen, sagte der CDU-Politiker. Der Journalistenverband ist "in hohem Maße irritiert".
CDU-Politiker Merz: "An keiner Stelle die Bedeutung der freien Presse in Frage gestellt"

CDU-Politiker Merz: "An keiner Stelle die Bedeutung der freien Presse in Frage gestellt"

Foto: Christian Charisius / DPA

Friedrich Merz, früherer CDU-Fraktionschef und ein aussichtsreicher Kandidat auf den Parteivorsitz nach dem Rückzug von Annegret Kramp-Karrenbauer, ist mit dem Deutschen Journalisten-Verband (DJV) aneinandergeraten.

Auslöser war eine Aussage von Merz bei einer Karnevalsveranstaltung in Aachen, die schon einige Wochen zurückliegt. Dort hatte Merz über klassische Nachrichtenmedien und deren Wichtigkeit pauschal gesagt:

"Im Augenblick gibt's hier eine richtige Machtverschiebung, zwischen denen, die Nachrichten verbreiten und denen, die Nachrichten erzeugen. Und zwar zugunsten derer, die die Nachrichten erzeugen. Wir brauchen die nicht mehr. Und das ist das Schöne."

Friedrich Merz, Aachen am 21. Januar

Über eigene Social-Media-Kanäle wie YouTube könnten Politiker ein Publikum ansprechen, das öffentlich-rechtliche und private Medien nicht mehr erreichten. So könnten Politiker ihre eigenen Interessen wahrnehmen und "ihre eigene Deutungshoheit auch behalten", sagte Merz. Das sei "die gute Nachricht der Digitalisierung" (Video am Textende).

DJV "in hohem Maße irritiert"

Der DJV zeigte sich am Montag in einem offenen Brief an Merz "in hohem Maße irritiert". Sollte der potenzielle künftige CDU-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidat Journalisten und Medien "als vierte Säule des Staats aushebeln wollen", werde der Journalisten-Verband "erbitterten Widerstand" leisten, kündigte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall an.

Er fragte Merz nach seinem "Verständnis von der Rolle der Medien im demokratischen Rechtsstaat" und ob er Journalisten für eine "überflüssig gewordene Berufsgruppe" halte.

Inzwischen hat Merz auf den Brief geantwortet  und versucht, die Bedenken des DJV zu zerstreuen. An den Verbandsvorsitzenden Überall schrieb Merz, er habe mit seinen Aussagen in Aachen "an keiner Stelle die Bedeutung der freien Presse in Frage gestellt". Vielmehr betone er immer wieder "die Bedeutung und Notwendigkeit der Pressefreiheit". "Widerstand" zu organisieren, sei nicht notwendig.

Der Satz "Wir brauchen die nicht mehr" habe "ausschließlich und erkennbar im Zusammenhang mit der Verbreitung von Nachrichten über die social media Kanäle" gestanden, so Merz.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von YouTube, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

cht/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.