Merz über Sondierungsergebnis »Das hätten wir auch haben können«

Die Union ist sich gerade über wenig einig – auch nicht über das Ergebnis der Ampel-Sondierungen. Während andere Vertreter von CDU und CSU es scharf kritisieren, zollt Friedrich Merz den Verhandlern Respekt.
Friedrich Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union

Friedrich Merz beim Deutschlandtag der Jungen Union

Foto: Bernd Thissen / dpa

Der CDU-Politiker Friedrich Merz hat SPD, Grünen und FDP Anerkennung für ihr Sondierungspapier ausgesprochen, mit dem die Ampelparteien nun auf Koalitionsverhandlungen zusteuern. »Sie haben, wie ich finde, ein beachtliches Papier vorgelegt«, sagte Merz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Das ist ein Anlass zum Respekt und zur kritischen Selbstüberprüfung: Das hätten wir auch haben können.«

Merz äußerte sich damit in einem ganz anderen Tenor als Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU), der das Ampelpapier als »ungedeckten Scheck auf die Zukunft« kritisiert hatte. Auch CSU-Landesgruppenchef Dobrindt griff die Sondierer an und warf ihnen »Linksträumereien« vor.

Merz erwartet, dass es nun zu einer Ampelkoalition kommt. »Das Papier des heutigen Tages zeugt von Einigungswillen und auch von der Bereitschaft, gemeinsam zu regieren. Wir sollten uns darauf einrichten, Opposition zu sein.« Der Ex-Fraktionschef wird neben weiteren Spitzenpolitikern als möglicher Kandidat für die Nachfolge von CDU-Chef Armin Laschet gehandelt.

Laschet stellt sich knapp drei Wochen nach dem desaströsen Abschneiden der Union bei der Bundestagswahl am Samstag dem Parteinachwuchs. Beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Münster steht die personelle und inhaltliche Erneuerung der CDU im Mittelpunkt. JU-Chef Tilman Kuban hatte zum Auftakt des Deutschlandtags gesagt, die Union habe sich zuletzt benommen wie ein Hühnerhaufen. Merz bezeichnete die Schwesterparteien als »insolvenzgefährdeten schweren Sanierungsfall«.

In Münster wird auch Gesundheitsminister Jens Spahn reden und in einer Diskussion Stellung nehmen. Das mit Spannung erwartete Aufeinandertreffen von Laschet und CSU-Chef Markus Söder entfällt aber. Söder werde stattdessen an einer Basiskonferenz der CSU teilnehmen, hieß es kurzfristig am Donnerstag aus München. Der CSU-Vorsitzende war Laschet im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur der Union unterlegen, seine Querschüsse gegen Laschet hatten Kritik ausgelöst.

Söder plädiert nun für ein neues Miteinander der beiden Schwesterparteien. »In Stil und Inhalt sollten wir wieder enger zusammenrücken, anstatt öffentlich übereinander zu reden«, sagte Söder der »Welt am Sonntag«. »Die CSU wird daher keine öffentlichen Ratschläge erteilen, sondern – wenn es gewünscht ist – mithelfen, die Union zu stabilisieren.«

»Das war ein einzigartiger Wahlkampf, den wir alle noch gemeinsam aufarbeiten werden«, sagte Söder weiter. »Es ist aber wichtig, dass wir wegkommen von Schuldzuweisungen und wieder mehr miteinander reden.« Mit einer Ampelregierung könne es einen politischen Epochenwechsel geben, deshalb sei es wichtig, dass CDU und CSU eine neue Geschlossenheit zeigten. »Wir müssen das Bollwerk gegen einen Linksrutsch in Deutschland werden.«

dab/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.