Zum Inhalt springen

Ex-Linkenchef Riexinger über Zoff mit Wagenknecht »Ein Teil der Fraktion sitzt auf gepackten Koffern«

Ist die Linke noch zu retten? Laut dem früheren Parteichef Bernd Riexinger ist der Bruch bei den Genossen jedenfalls schon längst vollzogen. Das Verhalten der Wagenknecht-Anhänger sei fast »ein bisschen erbärmlich«.
Bernd Riexinger: Der frühere Parteichef rät den Linken, konsequent ohne Wagenknecht zu planen

Bernd Riexinger: Der frühere Parteichef rät den Linken, konsequent ohne Wagenknecht zu planen

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Linke steckt seit Monaten in der Krise. Nun hat sich der frühere Parteichef Bernd Riexinger geäußert. Er rät der Partei, konsequent ohne die Abgeordnete Sahra Wagenknecht zu planen. »So können wir wieder eine Partei werden, die gegen die soziale Krise und die Klimakrise Lösungsvorschläge unterbreitet und eine kohärente Friedenspolitik vertritt«, sagte Riexinger der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. »Das kann die Linke wieder stark machen.«

Der Bruch des Wagenknecht-Flügels mit der Partei sei längst vollzogen, sagte Riexinger weiter. »Ein Teil der Fraktion sitzt deswegen auf gepackten Koffern. Aber diese Abgeordneten müssen warten, bis Frau Wagenknecht bei ihrer möglichen Parteigründung den Daumen rauf oder runter zeigt. Das ist nicht gerade eine selbstbewusste Vorgehensweise. Es ist fast eher ein bisschen erbärmlich.«

Wagenknecht hat sich mit der Parteispitze um die Bundesvorsitzenden Janine Wissler und Martin Schirdewan überworfen und will bis zum Jahresende entscheiden, ob sie eine eigene Partei gründet . In dem Fall werden wohl einige Unterstützerinnen und Unterstützer mit ihr die Bundestagsfraktion verlassen, sodass diese die nötige Mindestgröße verlöre.

»Ich bin der Meinung, dass die Fraktion so nicht weiter machen kann«, sagte Riexinger. Der Fraktionschef Dietmar Bartsch habe es zur Hauptaufgabe erklärt, »die Fraktion vier Jahre zusammenzuhalten. Aber er hat es gar nicht in der Hand, ob Wagenknecht und ihre Unterstützer bleiben oder gehen.«

Riexinger sieht wenig Potenzial bei Wagenknecht-Partei

Bei der Fraktionsklausur Ende August stehe eine Grundsatzdebatte an, forderte Riexinger, der die Linke von 2012 bis 2021 gemeinsam mit Katja Kipping führte. »Es geht um die Frage, ob die Fraktion weiter bestehen kann – das wäre dann der Fall, wenn Sahra Wagenknecht doch keine Partei gründet. Andernfalls müssen wir uns darauf vorbereiten, dass wir als Gruppe weiterarbeiten.«

Einer neuen Partei gibt Riexinger kaum Chancen: »Aus meiner Sicht hätte eine Wagenknecht-Partei kein nennenswertes Potenzial und wäre zum Scheitern verurteilt. Aus der Linken würden nur wenige mitgehen.« Die jetzige Linke habe indes ein Potenzial von bis zu 18 Prozent und könne auch in Wahlergebnissen wieder deutlich über den 4 bis 6 Prozent landen, die sie derzeit in Umfragen habe.

asc/dpa