Führungsstreit in der Union Seehofer knöpft sich Stoiber und Merkel vor

Die Union kommt nicht zur Ruhe. Der stellvertretende CSU-Chef Horst Seehofer hat der Führung von CDU und CSU "Missmanagement" vorgeworfen.


Kritiker: Seehofer (l.) tadelte auch seinen Parteichef Stoiber
AP

Kritiker: Seehofer (l.) tadelte auch seinen Parteichef Stoiber

Saarbrücken - Wenn die politische Fehlsteuerung und die Uneinigkeit an der Spitze der Union nicht aufhöre, "fliegt uns der Laden um die Ohren", sagte Seehofer nach einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" am Montagabend auf einer Sitzung der CSU- Landesgruppe in Berlin. Die Kritik und der Vorwurf des "Missmanagements" habe insbesondere dem anwesenden CSU-Chef Edmund Stoiber und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel gegolten, hätten Teilnehmer berichtet. Stoiber habe auf die Ausführungen seines Stellvertreters aber nicht reagiert, hieß es.

Unter dem Beifall der CSU-Abgeordneten habe Seehofer außerdem eine "Rückbesinnung" auf das Jahr 2002 gefordert. Im Wahlkampf habe sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU bestens funktionieren könne. Damit die Einigkeit an der Spitze wieder hergestellt werde, müssten sich die beiden Parteivorsitzenden "wieder vertragen", verlangte Seehofer.

Hintergrund der Debatte ist der unionsinterne Streit um die Neuausrichtung der Sozialpolitik, die Stoiber kürzlich mit seinem zuvor nicht abgesprochenen "Sanierungsplan für Deutschland" bereichert hatte. Darin hatte der bayerische Ministerpräsident unter anderem die Reduzierung der Sozialhilfe für Problemfälle auf 75 Prozent gefordert. Auch in der Bewertung der amerikanischen Kriegspolitik im Irak hatte Stoiber andere Akzente als Merkel gesetzt.



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