Fürther Landrätin Gabriele Pauli macht sich rar

Erst gab sie ein ebenso exklusives wie lukratives Interview, dann tauchte sie ab: Die Fürther Landrätin Pauli pflegt inzwischen einen eigenwilligen Führungs- und PR-Stil. Nun hat die ehemalige CSU-Politikerin Ärger mit den Medien, ihrer früheren Partei - und in ihrem Landkreis.


Hamburg - In der Politik ist vieles eine Frage des Preises - das scheint die Fürther Landrätin Gabriele Pauli inzwischen auf besondere Weise umzusetzen. Wer die ehemalige CSU-Rebellin interviewen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Denn seitdem die Landrätin exklusiv in "Vanity Fair" ihren CSU-Austritt verkündete, ist sie für andere Medien nicht mehr zu erreichen. Für SPIEGEL ONLINE zum Beispiel war heute weder sie noch ein Mitarbeiter zu sprechen.

Nach Informationen des SPIEGEL soll Pauli von "Vanity Fair" ein "unwiderstehliches finanzielles Angebot" für das Gespräch bekommen haben - eigentlich hatte sie ihren CSU-Austritt schon vorher mitteilen wollen. Dem "Focus" zufolge hatte ein Mitarbeiter Paulis dem Nachrichtenmagazin vor kurzem ebenfalls ein Interview angeboten - für 30.000 Euro. Ein entsprechender Vertrag sollte an die private Faxnummer von Pauli gehen, spezielle Themenwünsche seien anzugeben.

Beim Deutschen Journalistenverband ist man über Paulis PR-Arbeit empört: Der DJV sprach heute von "Scheckbuchjournalismus, den wir rundweg ablehnen".

Aber Pauli droht nun auch Ärger aus ihrem Landkreis. Laut "Fürther Nachrichten" zweifelt die heimische SPD-Kreistagsfraktion daran, dass Pauli ihre Aufgaben als Landrätin noch vollständig erfüllt. Durch ihre privaten Ambitionen und durch Geldzahlungen könne die Landrätin in der Ausübung ihrer Amtspflichten beeinflusst sein.

SPD erwägt Dienstaufsichtsbeschwerde

Für den Vorsitzenden der Sozialdemokraten im Landkreis, Michael Bischoff, liege der Verdacht nahe, dass sie mit ihrem Abtauchen nach Erscheinen des Interviews einer Klausel ihres Vertrags mit "Vanity Fair" genüge getan habe. Ihre Abwesenheit gehe zu Lasten des Landkreises, sagte Bischoff. Die SPD erwägt sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

Auch der CSU-Kreisrat Maximilian Gaul beklagte gegenüber der Nachrichtenagentur ddp, dass Pauli in den vergangenen Tagen repräsentativen Terminen auf Kreisebene ferngeblieben sei. Schul- und Kreisausschusssitzungen hätten verlegt werden müssen. Teilweise habe die Landrätin Talkshow-Termine als Begründung genannt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte sie in den vergangenen Tagen ihr Amt per Mail geführt, telefonisch war sie nicht erreichbar.

Gabriele Pauli kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. "Ich habe meine politische Arbeit bisher privat finanziert, das betrifft meine private Geschäftsstelle, Mitarbeiter und Gerichtskosten", schrieb sie gestern auf ihrer Internetseite. Um ihre politische Arbeit fortsetzen zu können, sei es "legitim, von denjenigen, die von meinem Engagement profitieren, einen Teil zu verlangen".

Bei einer Schulveranstaltung in Oberasbach sagte Pauli, sie werde sich durch das geflossene Geld nicht verbiegen lassen. Ihre Antworten in Interviews seien vom Geld unbeeinflusst: "Jeder kann von mir meine Meinung hören, die ist unverfälscht, ehrlich und wahr."

Viele Medien hätten damit "Millionenumsätze gemacht, meine politischen und privaten Handlungen und Meinungen darzustellen und zu kommentieren", behauptet die ehemalige CSU-Politikerin.

Auch von Seiten der CSU droht Pauli Ungemach: Die Partei hat laut "Süddeutscher Zeitung" angekündigt, die Auszahlung einer Pension von monatlich 3900 Euro nach dem Ausscheiden Paulis aus dem Amt im Mai 2008 nicht zu unterstützen.

flo/dpa/ddp



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