Fußball-WM 2010 Ein Traum für Südafrikas Polizeichef

Als hätte es die Unruhen nicht gegeben: Südafrika lädt zur fröhlichen WM-Präsentation in seine Botschaft. Das größte Interesse finden allerdings die Ausführungen des Polizeichefs, der verspricht, bis zur WM 2010 dafür zu sorgen, dass es keine Randale gibt. Wie? Er wird neue Wasserwerfer kaufen.

Von Martina Schrey


Berlin - Einwanderer, die in Panik durch die Straßen fliehen, brennende Geschäfte und Autos, ein plündernder, prügelnder Mob; Polizisten, die Leichen bewachen- das sind die Bilder der vergangenen zwei Wochen aus Südafrika.

Aber zwei Jahre bevor in dem Land die Fußball-WM startet, wird in der Berliner Botschaft der Südafrikaner Kontrastprogramm gezeigt: "Kein anderes Land bringt Ihnen solche Gastfreundschaft entgegen wie Südafrika", sagt da Nelson Mandela in einem kurzen Film, "wir empfangen Sie mit offenen Armen".

Und Botschafter George Johannes selbst erwähnt in seinem kurzem Statement die Unruhen erst gar nicht - denn schließlich sollte es in dieser lang vorbereiteten Veranstaltung darum nicht gehen. Eigentlich wollten er hier Projekten eine Bühne geben, die schon im Vorfeld der WM in Südafrika aktiv sind. Wie "streetfootballworld", das 2010 in Alexandra - ein Bezirk Johannesburgs - die Straßenfußball-WM ausrichten wird. Oder die Stiftung "team for africa",die soziale Fußballprojekte in der Region finanziell unterstützt.

Doch das größte Interesse im vollbesetztem Auditorium gilt dem Vize-Polizeichef von Südafrika, André Pruis, der noch eine Stunde vorher mit Südafrika telefoniert hat: "Die Lage ist stabil", verkündet er dem Publikum. Gemeinsam mit der Armee werde man nun alles tun, "bis der normale Zustand wieder hergestellt ist".

41.000 Sicherheitskräfte in den Stadien und auf den Straßen

André Pruis ist sichtlich froh, dass sich die Situation in seinem Land beruhigt hat. Auch Matthias Mülmenstedt, Beauftragter für Afrikapolitik im Auswärtigen Amt, das noch Ende letzter Woche davon abriet, "sich eigenständig oder im Rahmen von begleitenden Führungen in die betroffenen Gebiete zu begeben", gibt sich zuversichtlich: Natürlich sei er geschockt von den Ereignissen, man müsse nun vor Ort dringend nach Ursachen und Lösungen forschen, aber: "Ich bin überzeugt, die WM 2010 in Südafrika findet statt."

Und etwas Besseres als die WM, so Polizeichef Pruis, könne Südafrika gar nicht passieren. Ziel sei es, die Kriminalitätsrate bis dahin Jahr für Jahr um sieben bis zehn Prozent zu senken: "Eine WM ist ein Traum für jeden Polizeichef", sagt er und versucht, die Lacher auf seine Seite zu holen: "Ich kann alles fordern, und ich kriege es!"

Für das polizeiliche Sicherheitskonzept bei der WM, erklärt Pruis weiter, stehe ihm ein Budget von umgerechnet rund 122,5 Millionen Euro zur Verfügung. Er hat Wasserwerfer davon gekauft, Hubschraubern, mobile Büros mit air-condition. Und wird rund 41.000 Sicherheitskräfte aufbieten, um in den Stadien wie auf den Straßen Sicherheit zu garantieren. Wie die Deutschen 2006, sagt Pruis, werde auch er zusätzlich ausländische Beamte einsetzen - "allein schon wegen der vielen Sprachen, die wir nicht beherrschen".

Doch auch wenn sich der Südafrikaner in aller erster Linie um Zuversicht und Optimismus bemüht - ihm ist bewusst, dass sein Land bis zur WM noch viele Hausaufgaben zu erledigen hat. Nicht umsonst erwähnt er die Wahlen im nächsten Jahr, und dann findet ja auch schon der Confederation-Cup in Südafrika statt: "Wir müssen vorbereitet sein auf alles."

Schließlich "wollen wir in Südafrika auch keine randalierenden Hooligans", lenkt er dann wieder vom Ernst der Lage in seinem eigenen Land ab, auch dafür werde man Sorge tragen.

Die Beamten werden zahlreich im Einsatz sein, verspricht er - "aber nicht so präsent, dass nicht auch gefeiert werden kann". Denn auch in Südafrika stehe "die Party-Atmosphäre im Vordergrund".



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.