SPON-Wahltrend G20-Aufwand steht für Deutsche in keinem Verhältnis zum Nutzen

Die Deutschen haben eine klare Meinung zum G20-Gipfel in Hamburg und zu den möglichen Konsequenzen. Das zeigt der SPON-Wahltrend. Lesen Sie hier die Ergebnisse und stimmen Sie selbst ab.

Polizisten beim G20-Gipfel in Hamburg
DPA

Polizisten beim G20-Gipfel in Hamburg


Tausende Polizisten, Millionenkosten, Ausschreitungen und eine lahmgelegte Stadt: Die Mehrheit der Deutschen findet, dass der Aufwand des G20-Gipfels in Hamburg nicht im Verhältnis zu dessen Nutzen steht. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hervor.

Auf die Frage "Denken Sie, der Aufwand des G20-Gipfels stand im Verhältnis zu dessen Nutzen?", antworteten 25 Prozent der Befragten mit eher Nein. Mehr als 40 Prozent sagten sogar: "Nein, auf keinen Fall". Noch nicht einmal jeder Zehnte sagte: "Ja, auf jeden Fall."

Den Polizeieinsatz beurteilen die Befragten deutlich unterschiedlicher. Mehr als ein Drittel der Befragten hält das Verhalten für angemessen, je ein Viertel findet es hingegen (eher) zu hart. Genauso viele sagen jedoch, dass die Einsatzkräfte (eher) zu zurückhaltend waren.

Bei der Frage nach den politischen Konsequenzen gehen die Meinungen ebenfalls stark auseinander. Mehr als die Hälfte der Befragten findet nicht, dass Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz wegen der Krawalle zurücktreten sollte. 37,3 Prozent sehen das anders.

Wir wollten wissen: Welche Partei würden Sie wählen? So haben Sie abgestimmt.

Wie sich die Ereignisse rund um den G20-Gipfel auf das Wahlverhalten auswirken, wird sich erst in der kommenden Woche zeigen - viele der mehr als zehntausend Befragten beteiligten sich noch vor Beginn des Treffens am SPON-Wahltrend.

Die SPD hat ihren Gewinn aus der Vorwoche zum Teil bereits wieder eingebüßt. Sie verliert 0,9 Prozentpunkte und kommt auf 24,3 Prozent. Die Union liegt fast unverändert bei 38,6 Prozent der Stimmen - das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als vergangenen Dienstag.

Auch bei den kleineren Parteien tut sich derzeit nur wenig: Mit 9,0 Prozent wäre die Linke derzeit drittstärkste Kraft - FDP und AfD holen jedoch leicht auf und kommen auf 8,6 beziehungsweise 8,2 Prozent. Die Grünen bleiben unverändert bei 6,9 Prozent der Stimmen.

Die AfD kann vor allem bei den jüngeren Wählern punkten: Das Plus von 0,7 Prozent zur Vorwoche liegt vor allem daran, dass mehr 18- bis 39-Jährige die Rechtspopulisten wählen würden.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 4. bis 11. Juli 2017 online erhoben. Die Stichprobe umfasste mehr als 10.000 Befragte. Der statistische Fehler lag bei 2,5 Prozent.

Im Wahljahr befragen SPIEGEL ONLINE und Civey regelmäßig Leserinnen und Leser zu aktuellen politischen Themen. Stimmen Sie hier ab - den aktuellen Stand sehen Sie sofort, wenn Sie teilgenommen haben.



Sie wollen die Sonntagsfrage für den Bund beantworten? Stimmen Sie hier ab:


Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.
Wer steckt hinter Civey?
Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

brk

insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Steve1982 11.07.2017
1. Es ist tatsächlich ein sehr großer Aufwand...
...als Nutzen wird - zurecht - regelmäßig angeführt, dass die Staats- und Regierungschefs gemeinsam reden können müssen und dass sie unter dem Druck der Öffentlichkeit auch eher Entscheidungen für das (weltweite) Allgemeinwohl treffen. Warum nicht also einfach wieder eine Verkleinerung des Gipfels? Dann würde es alles etwas (!) geräuschloser ablaufen, man wäre bei der Wahl des Ortes nicht auf die Großstädte beschränkt und die Kosten wären letztlich geringer. Die oben beschriebenen Vorteile hätte man aber trotzdem....
SarahMue 11.07.2017
2. Fehler im Akkord
Der größte Fehler war es G20 in einer Großstadt stattfinden zu lassen. Der nächste größte Fehler war die harte Hamburger Linie die von Beginn an zu einer Eskalation geführt hat. Danach hat man Gewalttäter über 3 Stunden randalieren lassen - ein katastrophales Versagen der Polizeistrategie. Herr Dudde ist größtenteils für diesen Fehlschlag verantwortlich und sollte dieses Amt in Zukunft nicht mehr ausüben.
Johannes60 11.07.2017
3. Hallig Hooge
Die G20 Treffen als ein Forum, bei dem sich die Staatschefs der wichtigsten Industrienationen treffen, ohne dass daraus gleich Staatsbesuche werden, und miteinander auf eher informeller Ebene reden, ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Man sollte allerdings versuchen, die Delegationen der einzelnen Staaten klein zu halten und auch den Medienansturm zu begrenzen. Dann lässt sich eine solche Veranstaltung auch an anderen Orten realisieren, an denen es leichter ist für Sicherheit zu sorgen. Es muss ja nicht unbedingt gleich Hallig Hooge zum Tagungsort werden....
Berg 11.07.2017
4.
Zitat von SarahMueDer größte Fehler war es G20 in einer Großstadt stattfinden zu lassen. Der nächste größte Fehler war die harte Hamburger Linie die von Beginn an zu einer Eskalation geführt hat. Danach hat man Gewalttäter über 3 Stunden randalieren lassen - ein katastrophales Versagen der Polizeistrategie. Herr Dudde ist größtenteils für diesen Fehlschlag verantwortlich und sollte dieses Amt in Zukunft nicht mehr ausüben.
Erstens können Sie sich mal informioeren, wo bisher G20-Gipfel stattgefunden haben. Darunter sind "Großstädte" wie Petersburg, Antalya, Cannes, Seoul, Toronto, London, Ottawa, Melbourne, also nur Großstädte der beteiligetne Staaten. Da ist Hamburg nichts Ungewöhnliches. Es wird offenbar vergessen, dass die Gewalt, die Zerstörungen, die Angriffe auf den Staat, die Einbrüche, die Brandschatzungen NICHT von Scholz, seinen Beamten und nicht von Merkel und den Gipfelteilnehmern verübt wurden, sondern von angereisten Straftätern.Es wird vergessen dass 450 Polizisten verletzt wurden, die zu Beschützenden aber beschützt worden sind. Verletzte Gipfelteilnehmer oder verletzte Hamburger Bürger wurden jedenfalls nicht gemeldet. *Es ist eine neue falsche Logik, Ausschreitungen denen zuzuordnen, die sich für die Verhinderung eingesetzt haben.*
Steve1982 11.07.2017
5.
Zitat von SarahMueDer größte Fehler war es G20 in einer Großstadt stattfinden zu lassen. Der nächste größte Fehler war die harte Hamburger Linie die von Beginn an zu einer Eskalation geführt hat. Danach hat man Gewalttäter über 3 Stunden randalieren lassen - ein katastrophales Versagen der Polizeistrategie. Herr Dudde ist größtenteils für diesen Fehlschlag verantwortlich und sollte dieses Amt in Zukunft nicht mehr ausüben.
Es mag sein, dass das Isolieren / Einkesseln des Mobs durch die Polizei für einige provozierend war. Es mag auch sein, dass es nicht die beste Wahl der Polizei war. Aber die Vermummten müssen doch ein paar Dinge bedenken: 1) Die Staat als Gesetzgeber & die Polizei als ausführende Kraft haben in D. das Sagen. 2) Vermummung ist verboten, auch weil an der Staatbahn West in Frankfurt einst durch Vermummte Polizisten erschossen wurden. 3) Die Polizisten mussten auch die Interesse der zahlreichen nicht-vermummten Demonstranten schützen - deshalb die Isolierung. 4) Selbst wenn die Polizei kleine Fehler gemacht hat, wird das bedeutungslos angesichts des Werfen von Molotow-Cocktails, Steinen, Stahlkugeln, Steinplatten, Plünderungen. Jetzt groß die Polizei zu kritisieren, bedeutet deshalb sich mit - höchstens - Winzigkeiten zu beschäftigen. Das Wesentliche sind die Krawallmacher & dafür sind ausschließlich sie selbst verantwortlich. Die Polizei verdient einen Mega-Respekt, erst recht angesichts der Arbeitszeiten....!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.