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08. Juli 2017, 13:38 Uhr

Krawallnacht in Hamburg

Senator liefert Begründung für Taktik der Polizei

Warum hat die Polizei nicht eingegriffen, als Randalierer im Hamburger Schanzenviertel wüteten? Innensenator Andy Grote spricht von einer Gefahr für "Leib und Leben der Beamten".

In Hamburg gab es am Samstagvormittag an verschiedenen Orten Personenkontrollen und Hausdurchsuchungen. In St. Pauli durchsuchte die Polizei Veranstaltungsräume der linken Szene, zahlreiche Polizisten und ein Entschärferteam waren vor Ort.

Man sei einem Hinweis nachgegangen, dass hier gefährliche Gegenstände gelagert würden, die zur Herstellung von Brandsätzen genutzt werden könnten, hieß es von der Polizei. Das habe man aber nicht erhärten können. Die Beamten hätten lediglich "illegale Pyrotechnik" gefunden, die sichergestellt wurde.

Nach den schweren Randalen am Freitagabend rechnet die Polizei auch am Samstag mit gewaltsamen Protesten. Die Gewalttäter würden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit unter die Demonstration "Grenzenlose Solidarität statt G20" mischen, sagte ein Polizeisprecher. "Es ist davon auszugehen, dass erneut kein friedlicher Protest möglich sein wird."

Zu der Demonstration, die auch von autonomen und linksextremen Gruppen unterstützt wird, versammelten sich am Mittag mehrere tausend Menschen. Insgesamt werden bis zu 100.000 Menschen erwartet.

Die Aufräumarbeiten nach den Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel kommen schnell voran. Dort waren die Proteste am Freitagabend eskaliert. Zunächst konnten Randalierer mehrere Stunden lang an der Straße Schulterblatt frei gewähren. Ein Laden der Drogeriekette Budnikowsky und ein Rewe-Supermarkt wurden geplündert.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) begründete die Zurückhaltung der Polizei am Freitagabend im Schanzenviertel damit, Militante hätten "schwerste Gewalttaten gegen Beamte vorbereitet". So hätten sich Randalierer mit Gehwegplatten und Molotowcocktails auf den Dächern am Schulterblatt befunden. Darauf habe die Einsatzleitung sich einstellen müssen, "um nicht Leib und Leben von Beamten zu riskieren", so Grote.

Die Situation sei dann bereinigt worden und 13 Randalierer in einem Haus am Schulterblatt festgenommen worden. Danach ging die Polizei mit einem massiven Aufgebot und Spezialkräften gegen mehrere hundert Randalierer vor. Mit gepanzerten Fahrzeugen wurden brennende Barrikaden weggeschoben. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. (Lesen Sie hier eine ausführliche Zusammenfassung der Geschehnisse.)

Polizeisprecher im Video: "Neue Dimension der Gewalt"

Im Laufe der Nacht beruhigte sich die Lage. Vereinzelt kam es in den frühen Morgenstunden noch zu Flaschenwürfen auf Polizeifahrzeuge.

Ein Großteil der Warenhäuser und Geschäfte in der Hamburger Innenstadt blieb am Samstag geschlossen, wie City-Managerin Brigitte Engler sagte. Ladenschließungen seien von den Geschäftsleuten mit dem Schutz der Mitarbeiter angesichts der Bilder aus der Krawallnacht begründet worden.

Bei den gewaltsamen Protesten wurden nach Angaben der Hamburger Polizei bisher mindestens 213 Beamte verletzt. In der Krawallnacht zum Samstag seien 43 Menschen festgenommen und 96 in Gewahrsam genommen worden. Seit Beginn des Polizeieinsatzes wurden den Angaben zufolge bisher insgesamt 143 Menschen fest- und 122 in Gewahrsam genommen. Zur Zahl der verletzten Demonstranten konnten weder Polizei noch Feuerwehr Angaben machen.

cte/dpa

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