Gipfel in Hamburg So soll der erste G20-Tag ablaufen

Es kam wie befürchtet: Die ersten großen Proteste endeten in Gewalt. Dabei beginnt der G20-Gipfel offiziell erst heute. Was an diesem Freitag im Klub der Mächtigen passiert.

Durchatmen bei der Polizei. Die Anti-G20-Großdemo unter dem Motto "Welcome to Hell" ist gelaufen. Oder eher: Sie ist nicht gelaufen. Schon nach wenigen Metern stoppten Einsatzkräfte den Zug Tausender Demonstranten - es kam zu Gewaltausbrüchen, die Krawalle zogen sich bis in die Nacht hinein. Polizei und Gipfelgegner beschuldigen sich gegenseitig, für die Eskalation verantwortlich zu sein.

Politisch geht es in Hamburg an diesem Freitag erst richtig los: Nach den Vorgesprächen, die Kanzlerin Angela Merkel am Donnerstagabend unter anderem mit US-Präsident Donald Trump und dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan führte, landen am Morgen die letzten G20-Teilnehmer.

Was bringt der erste Gipfeltag? (Lesen Sie hier die Ereignisse des Tages im Newsblog.)

  • Ab 10 Uhr findet die offizielle Begrüßung der Gipfelteilnehmer statt. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt die Staats- und Regierungschefs sowie die Teilnehmer der übrigen Institutionen der Reihe nach an der Hamburger Messe inmitten der Stadt.

  • Im Anschluss startet eine erste Gesprächsrunde im großen Kreis. Es geht um den Kampf gegen den Terrorismus und internationale Krisen. Dass man gemeinsam den "Islamischen Staat" bekämpfen will, darüber dürfte Einigkeit bestehen. Ungewiss ist, ob sich die unterschiedlichen Interessen in Syrien oder der Ukraine annähern lassen. Auch die Nordkorea-Krise dürfte zur Sprache kommen.

  • Am Mittag stellen sich die Gipfelteilnehmer zum traditionellen Familienfoto auf. Die Beobachter werden genau hinsehen, an wem sich US-Präsident Trump diesmal vorbeidrängelt.

  • Es folgt ein sogenanntes Arbeitsmittagessen. Dabei soll über Wirtschaft und Handel gesprochen werden - ein heikles Thema. Hier gilt Trump als größter Unsicherheitsfaktor. Macht er seine Drohung mit Strafzöllen wahr? Die Kanzlerin hat die amerikanischen Abschottungstendenzen wiederholt kritisiert, sie will, dass vom Gipfel ein Signal für freien Handel ausgeht. Ungewiss, ob Trump sich darauf in der Abschlusserklärung noch einmal einlässt - so wie jüngst beim G7-Gipfel auf Sizilien.

  • Bei der folgenden Arbeitssitzung am Nachmittag steht der nächste schwierige Punkt auf der Tagesordnung: die Klima- und Energiepolitik. Nachdem Trump angekündigt hat, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, geben sich Deutschland und die europäischen Staaten zwar entschlossen, an dem Vertrag ohne Neuverhandlungen festzuhalten. Die Sorge ist allerdings groß, dass nun auch andere Länder Paris infrage stellen könnten. Wie der Dissens im Gipfelkommuniqué aufgefangen wird, ist noch unklar.

  • Bemerkenswert: Ausgerechnet wenn die G20 über den Klimaschutz reden, will sich Trump ausklinken, um sich erstmals mit Russlands Präsident Wladimir Putin zum persönlichen Austausch zu treffen. Kommt es zu einer Annäherung? Vor dem Treffen sendete der US-Präsident unterschiedliche Signale: Er warf Moskau "destabilisierendes Verhalten" vor - was von dort umgehend zurückgewiesen wurde. Auf der anderen Seite bot Trumps Außenminister Rex Tillerson Russland eine Zusammenarbeit im Syrienkrieg an.

  • Nach der Arbeit kommt das Vergnügen: Am Abend besuchen die Gäste Hamburgs neues Konzerthaus, die Elbphilharmonie. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Stardirigent Kent Nagano. Weil die Kulisse so schön ist, stellt man sich vorher noch einmal zum Familienfoto auf.

  • Der Tag klingt aus mit einem gemeinsamen Abendessen, ebenfalls im Konzerthaus, bei dem auch die Partner der Politiker dabei sind.

Erklärvideo: Was passiert beim G20-Gipfel?

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Jenseits des politischen Gipfelprogramms wird am Freitag auch wieder demonstriert. Zahlreiche kleinere und größere Versammlungen sind vorgesehen. Im besonderen Fokus der Polizei dürften zum einen die für den ganzen Tag geplanten Blockadeaktionen von Gipfelgegnern stehen. Das Motto lautet in Anspielung auf den Hochsicherheitsbereich rund um die Messehallen: "Colour the red Zone".

Zum anderen ist für den Abend auf der Reeperbahn eine "Revolutionäre Demo" mit dem Titel "G20 entern - Kapitalismus versenken!" angemeldet. Schon am frühen Morgen wollen mehrere Protestzüge die Zufahrtswege zum Hafen lahmlegen - Slogan: "Shut down the logistic of capital".

Die Behörden erwarten zu den diversen Veranstaltungen mehrere zehntausend Menschen. Die Teilnehmer des Gipfels sollen diese nach Möglichkeit nicht persönlich zu Gesicht bekommen.

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