G20-Krawalle in Hamburg "Die wollen nur Terror"

Am Tag nach den schweren Krawallen blicken die Bewohner des Hamburger Schanzenviertels auf die Trümmer im Viertel. Sechs berichten über ihre Eindrücke der Chaosnacht.

Polizeieinheit vor dem Flying Tiger
Chris Grodotzki/ jib collective

Polizeieinheit vor dem Flying Tiger

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Sie bücken sich nach den Pflastersteinen, wieder und wieder, sammeln sie zusammen. Und dann setzen sie die Steine, so gut es geht, wieder ein ins Pflaster am Rande der Susannenstraße in Hamburg. Hier, wo in der Nacht zu Sonntag der Mob wütete. "Wir wollen irgendetwas Positives tun, zeigen, dass wir das hier nicht mittragen", sagt eine etwa 40-jährige Steinesammlerin, die gleich um die Ecke lebt. Seit dem frühen Morgen räumen Hunderte Anwohner ihr Schanzenviertel auf, gemeinsam mit der Stadtreinigung.

Aufräumarbeiten vor der Roten Flora.
Chris Grodotzki/ jib collective

Aufräumarbeiten vor der Roten Flora.

Schon um zehn Uhr sehen die meisten Straßenzüge auf den ersten Blick wieder einigermaßen heil aus. Die ersten Straßencafés öffnen. Aber es gibt nur ein Thema: Die Krawalle der vergangenen Nacht. Wir haben mit fünf Bewohnern des Viertels gesprochen. Sie sind schockiert und wütend - vor allem über die Randalierer, aber auch über Polizei und Politik. Sechs Eindrücke über die Ausschreitungen der vergangenen Nacht.

Horst Bernhard, 61, Zimmermann

Horst Bernhard
Chris Grodotzki/ jib collective

Horst Bernhard

"Es war heftig heute Nacht. Diese Leute haben die Verkehrsschilder rausgerissen und damit die Schaufenster kaputtgehauen. Und dann haben sie Pflastersteine durch die Gegend geschmissen. Die wollen nicht die Welt verbessern, die wollen nur Terror. Ich bin dann ein bisschen zur Seite gegangen, mir ist nichts passiert. Bei den Randalierern waren viele Franzosen und Italiener dabei, ich glaube nicht so viele von hier. Die Anwohner räumen jetzt alles auf. Und die Stadtreinigung arbeitet hier schon seit dem frühen Morgen. Man muss die mal loben, wie fleißig sie sind."

Hasan Polat, 39, Angestellter

Hasan Polat
Chris Grodotzki/ jib collective

Hasan Polat

"Diese Leute waren vorbereitet, die hatten sich ein richtiges Lager hinter einem Gebäude angelegt. Da haben sie einiges gesammelt: Paletten, Kisten, Reifen, Pappe - alles, was brennbar ist. Um etwa 20 Uhr haben die dann richtig angefangen mit dem Abbrennen, sie haben Vogelschreck-Böller gezündet und alles Mögliche kaputt gemacht. Wenigstens haben sie die meisten kleinen Geschäfte geschont. Die Polizei hatte das hier nicht unter Kontrolle. Die kam erst, als das meiste vorbei war. Ich lebe seit 1988 hier, und wir haben ja schon einiges erlebt, am 1. Mai beispielweise. Aber so heftig war es noch nie. Die Leute hier im Viertel wollen das nicht, die räumen jetzt schnell auf. Aber viele glauben, dass es heute Nacht noch schlimmer wird. Das macht mir schon etwas Sorgen."

Erika Walter, 78, Rentnerin

Erika Walter
Chris Grodotzki/ jib collective

Erika Walter

"Ich bin geboren, als der Zweite Weltkrieg anfing, und mir sind in der Nacht einige Kindheitserinnerungen hochgekommen. Wissen Sie: Ich habe in Hamburg ganz viele normale, friedliche Demonstranten gesehen, die völlig zu Recht protestieren gegen den Gipfel. Aber hier drinnen im Viertel waren gestern Nacht Hooligans. Mein Schwiegersohn hat sich einen von den Vermummten gepackt und gefragt: 'Was wollt ihr überhaupt? Was sind eure Ziele?' Der Vermummte wusste gar nicht, was er sagen sollte. Ich frage mich, was G20 in Hamburg soll. Herr Scholz weiß doch vorher, dass so etwas passieren wird. Und was erreichen die denn hier auf dem Gipfel? Mein Sohn hat mich gebeten, kommende Nacht bei ihm in einem anderen Viertel Hamburgs zu übernachten. Aber ich lasse mich hier nicht vertreiben. Ich habe mich informiert, wie ich in der Not aufs Dach komme."

Katalina Kapp und Annkathrin Müller, beide 18, Schülerinnen

Katalina Kapp und Annkathrin Müller
Chris Grodotzki/ jib collective

Katalina Kapp und Annkathrin Müller

Katalina Kapp: "Wir waren gestern Abend beim Bildungsstreik in St. Pauli, und als ich davon gehört habe, was hier passiert, habe ich mich nicht nach Hause getraut. Jetzt ist zum Glück alles halbwegs wieder aufgeräumt. Es gibt viele Gründe, hier gegen diesen Gipfel auf die Straße zu gehen, zum Beispiel Trump. Aber die Krawalle überschatten all die Demos, die wirklich etwas aussagen sollen."

Annkathrin Müller: "Die Eskalation ging auch von der Polizei aus. Die haben am Freitag die 'Welcome to Hell'-Demo ohne triftigen Grund angegriffen, und sie haben tagelang die Camps verboten."

Katalina Kapp: "Ich verstehe auch nicht, warum sie bei einer Schülerdemo sechs Wasserwerfer auffahren. Die Polizisten können nichts dafür, aber die Politiker wollen alles im Keim ersticken. Das macht Leute wütender, gewaltbereiter."

Annkathrin Müller: "Wir wollen jetzt gleich wieder auf eine Demo gehen, aber nicht eine, wo der schwarze Block dabei ist. Es ist wichtig, dass viele Menschen jetzt friedlich gegen G20 demonstrieren und zeigen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen."

Nils Finkeisen, 34, Gitarrist von "Die Krupps"

Nils Finkeisen
Chris Grodotzki/ jib collective

Nils Finkeisen

"Ich bin für aktiven Protest mit Inhalt gegen diesen ganzen Gipfelwahnsinn. Aber das auf der linken Seite ist gestern nach hinten losgegangen, das ist völlig kontraproduktiv. Ich habe nicht so schnell Angst, aber gestern Nacht haben wir uns in der Wohnung verbarrikadiert und das Licht ausgemacht, damit sie keine Steine reinschmeißen. Die haben die Mülltonnen bei uns unten vorm Haus angezündet, zum Glück ist nichts passiert. Der Kern waren glaube ich Ultraautonome aus Hamburg, aber die hatten viel Zulauf von außerhalb. Da waren viele Gaffer dabei, die machen Selfies, und ein gewisser Prozentsatz macht dann auch mit. Und die Medien tragen auch ihren Teil dazu dabei, wenn sie alles filmen. Es ist falsch, G20 hier in Hamburg auszutragen. Wie ich gehört habe, waren etwa 70 Prozent der Hamburger dagegen. Bürgermeister Scholz wollte sich einen Orden an die Brust nageln, auf dem Rücken der Bürger. Er hat uns versprochen, dass das Leben ganz normal weiterlaufen wird. Aber ich rechne stark damit, dass heute Nacht wieder richtig was passiert."

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ruzorma 08.07.2017
1. wundere mich immer
wieder wieso die Politik hier in Hamburg gegenüber den Kriminellen so charmant war und ist. Ich habe es nie verstanden. Offenbar düngt die Politik eine Szene, aus der sich dann organisierbare Berufsschläger rekrutieren lassen. Dahinter stehen undurchsichtige geheime NGO, mit Verbindungen zu Nachrichtendiensten in Europa und den USA offensichtlich. Diese Art Krawall sollte Deutschlands Ansehen schaden sowie das Ansehen der berechtigten Kampitalismus kritik beschädigen. Dahinter stehen Milliardäre und Geheimdienste. Ich möchte endlich daß das ohne Rücksicht auf das Ansehen der Politik, die diese staatskriminellen Vorgänge abschirmt, aufgeklärt wird. Es handelt sich um Hochverrat und Verbrechen gegen unser Land und seine freundlichen Bewohner.
caty24 08.07.2017
2. Das war alles vorhersehbar
Hätte G20 im Urwald stattgefunden, hätte man mit Schlangenbissen rechnen müssen. In Hamburg eben mit Krawallmachern. Das war Alles vorhersehbar,deswegen sollten sich die Geschädigten an Merkel wenden.Die 2-3 Mios mehr zu den 500Mios, macht den Kohl auch nicht fetter.
joG 08.07.2017
3. Ich bin zwar der Meinung...
....dass die Demonstranten in den mir bekannten Punkten eher schädliche Politiklösungen verlangen. Aber in einigen Dingen sehen sie das schon richtig. Wir benehmen uns gegenüber den Armen weit schlimmer "Germany First" als das, was wir Trump vorwerfen. Die USA finanzieren die anderen Länder mit einem riesigen Handelsbilanzdefizit und schaffen auf der ganzen Welt Arbeit und Wohlstand, während wir riesige Gelder abschöpfen.
Marvel Master 08.07.2017
4. Solche Gipfel kann man nur noch in Ländern wie Russland, China etc. ..
... abhalten. In Ländern wie Frankreich, Deutschland usw. läuft das von den Kosten her einfach total aus dem Ruder. Was hätte man alles mit den Mio Euro machen können. Schulen bauen, Schwimmbäder sanieren und viele andere Sachen. Wenn es so 100 bis 200 Mio Euro kostet laut der Quelle: http://www.mopo.de/hamburg/g20/erste-gipfel-bilanz-hunderte-millionen-euro-fuer-die-katz--27921562 dann läuft da etwas gewaltig schief. Ca 100 Mio Euro für so eine Veranstaltung. Wahnsinn. Da kann man echt besser Dubai, die Türkei oder so nehmen. Oder auch in Kanadas Wäldern. Da kommt eh keiner hin. Gibt dort sicherlich auch Luxus Hotels für die 4500 Gäste in irgendeinem Skigebiet, was nur im Winter genutzt wird. Da dürfte jetzt im Sommer genug Platz sein. VG
gumpel82 08.07.2017
5. Und jetzt beschweren das keine Polizei kommt
Wir leben "noch" in einer Demokratie. Warum soll es nicht möglich sein dort einen Politiker Gipfel abzuhalten. Ich finde es heuchlerisch wenn diese Leute meinen sowas darf nicht in Hamburg stattfinden sondern am besten in Münschen. Es ist wirklich schade wenn es rechtsfreie Räume in Hamburg gibt wo nur "Gesinnungsbürger" leben dürfen. Von Rechter Seite würde man sowas zu Recht niemals akzeptieren. Richtig wäre es, jetzt alle Demos abzusagen unm den linken rechten Block zu esolieren.
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