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11. Juli 2017, 16:12 Uhr

Scholz über G20-Krawalle

"Ja, ich schäme mich"

Vor dem Gipfel strahlte er Zuversicht aus - G20 in Hamburg, kein Problem, schaffen wir. Nun gibt sich Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz reumütig. Die Ausschreitungen seien schwer auszuhalten gewesen.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat nach den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels ein bitteres Fazit gezogen. "Da gibt es nichts zu beschönigen, das waren schlimme Tage für Hamburg", sagte er dem "Stern". Er bestritt allerdings, dass die Behörden die Kontrolle über die Lage verloren hatten. "Der Staat hat nicht versagt." Einen Rücktritt lehnt der SPD-Politiker ab.

Es gehe jetzt darum, nach möglichen Fehlern zu suchen, die nötigen Lehren für die Zukunft zu ziehen und mit aller Konsequenz gegen die Straftäter vorzugehen. "Die Strafen setzen die Gerichte fest", sagte Scholz. "Ich hoffe, es werden harte sein."

Der Erste Bürgermeister von Hamburg galt bislang als Vorzeigepolitiker, der in der SPD auch nach der Bundestagswahl eine führende Rolle spielen wird. Die schweren Krawalle mit knapp 500 verletzten Polizeibeamten haben dieses Bild von Scholz beschädigt. Seine Glaubwürdigkeit hat gelitten. "Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist", hatte er vorher gesagt. Für diese Fehleinschätzung steht er nun in der Kritik.

"Größter Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte"

Scholz bestritt, dass die Polizei nicht ausreichend vorbereitet gewesen sei. Es seien auch nicht zu wenig Polizisten in der Stadt gewesen. "Es war der größte Polizeieinsatz der Nachkriegsgeschichte, vom Bund und aus allen Ländern war in Hamburg, was irgendwie zu entbehren war", sagte er dem "Stern". Die Polizei habe getan, was getan werden konnte, um einen sicheren Ablauf des Gipfels in der Stadt zu gewährleisten. "Gerade deshalb ist es so sehr bitter, dass man nicht vermeiden konnte, was am Ende passiert ist."

Er verteidigte die Entscheidung, den G20-Gipfel in Hamburg abzuhalten. Kurz vor dem Gipfel habe es noch einmal ein Gespräch mit der Kanzlerin und den Chefs aller Sicherheitsbehörden gegeben. "Niemand von denen hat gewarnt, der Gipfel könne in Hamburg nicht stattfinden. Im Gegenteil, alle waren beeindruckt von der Professionalität der Vorbereitung", so Scholz.

Der Bürgermeister gab zu, dass die Situation am zurückliegenden Freitag, als die Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel ihren Höhepunkt erreicht hatten und die Polizei mehrere Stunden lang nicht eingriff, "für uns alle schwer erträglich" gewesen sei. Scholz räumte ein: "Ja, ich schäme mich für das, was passiert ist."

mho

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