Brief an Merkel Papst schaltet sich in G20-Gipfel ein

In den Hamburger Messehallen haben die Staats- und Regierungschefs ihre G20-Beratungen begonnen. Papst Franziskus richtet einen dringenden Appell an Angela Merkel - und kritisiert indirekt Donald Trump.

Papst Franziskus (Archivaufnahme)
AFP

Papst Franziskus (Archivaufnahme)


Er nimmt zwar nicht in Hamburg teil, aber der Papst mischt trotzdem beim G20-Gipfel mit: Franziskus hat von den Staats- und Regierungschefs gefordert, die Armen in ihren Entscheidungen besonders zu berücksichtigen.

"Es ist (...) notwendig, dass (...) den Armen, den Flüchtlingen, den Leidenden, den Vertriebenen und den Ausgeschlossenen - ohne Unterschied von Nation, Volkszugehörigkeit, Religion oder Kultur - absoluter Vorrang eingeräumt wird und ebenso bewaffnete Konflikte abgelehnt werden", schrieb das Oberhaupt der Katholiken in einer Nachricht an Kanzlerin Angela Merkel, die Gastgeberin des Gipfels.

Merkel mahnt G20-Partner zu Kompromissbereitschaft

Der Papst appellierte an die Gipfelteilnehmer, sich ihrer Verantwortung als Repräsentanten von zwei Dritteln der Weltbevölkerung und 80 Prozent der globalen Wirtschaftskraft bewusst zu sein. "Die Staaten und Menschen, deren Stimme auf der weltpolitischen Bühne am wenigsten Gewicht zukommt, sind gerade diejenigen, die am meisten unter den unheilvollen Folgen der Wirtschaftskrisen leiden, für die sie kaum oder keine Verantwortung tragen."

Merkel gab diese Forderung zu Beginn des Gipfels an die teilnehmenden Staats- und Regierungschefs weiter: "Lösungen können oft nur gefunden werden, wenn wir kompromissbereit sind, wenn wir uns aufeinander zu bewegen", sagte sie in ihrem Eröffnungsstatement zur Arbeitssitzung, bei der es zunächst um die Fragen von Wirtschaftswachstum und Handel gehen sollte.

Die Kanzlerin erteilte einer gemeinsamen Lösung um jeden Preis aber eine Absage: Sie sage "ganz ausdrücklich", dass es nicht darum gehe, "uns zu sehr zu verbiegen". Unterschiede könnten auch benannt werden. Sie sei aber "ganz sicher, dass sich jeder hier anstrengt, um gute Ergebnisse zu erreichen". Besonders strittig sind auf dem G20-Treffen die Themen Klimaschutz und Handel.

Franziskus forderte die Regierenden zudem auf, sich der Hungerkrise in Teilen Afrikas und im Jemen zu stellen und betroffene Völker zu unterstützen. Die weltweiten Probleme insgesamt seien vielschichtig und stünden in wechselseitiger Verbindung zueinander, weshalb es für sie keine unmittelbaren und vollkommen zufriedenstellenden Lösungen gebe.

"Leider ist die Flüchtlingskrise, die vom Problem der Armut nicht zu trennen ist und durch bewaffnete Konflikte verschärft wird, ein Beweis dafür", schrieb der Papst. Die Staats- und Regierungschefs müssten Prozesse in Gang setzen, die "fortschreitende und nicht traumatisierende Lösungen" ermöglichten.

Der Pontifex attackierte indirekt auch US-Präsident Donald Trump: Internationale Verträge müssten geachtet und eingehalten sowie multilaterale Beziehungen weiter gefördert werden. Trump will aus dem Pariser Klimaschutzabkommen aussteigen, was in Hamburg eine einmütige Gipfelerklärung verhindern könnte.

als/apr/dpa/Reuters/AFP



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joG 07.07.2017
1. Seit den 1950er....
.....wurde zunehmend klar, dass die erfolgreichste Strategie zur Entwicklung armer Länder die ist, seiner eigenen reichen Bevölkerung alles zu kaufen aus anderen Ländern, das sie kaufen wollen. Damit haben die Amis zuerst die Bevölkerungen in Deutschland, Frankreich oder Japan und in Folge jene in Taiwan, Süd Korea, China usw usw aus der hungernden Armut in die Mittel oder Oberklasse gebracht. Es entstanden Industrien und wirtschaftliche Dynamik sowie zunehmend demokratischere Staatswesen. Allerdings ist das sehr teuer und Länder wie Deutschland schöpfen trotz ihres Wohlstands noch immer etwa 12 Prozent ihres BIP aus der Weltwirtschaft ab, statt wirklich zu helfen und versuchen das zu verbergen hinter den angeblichen 0,5 Prozent so genannter Entwicklungshilfe. Es ist wirklich peinlich.
sir_henry 07.07.2017
2. Uebersteigerter Geltungsdrang
Diesen Brief haette der Pontifex bereits vor einem halben bzw. einem Jahr abschicken koennen. Die Themen, die er anspricht waren damals sogar noch wichtiger. Allein der Gnatz eines alten Mannes nicht eingeladen zu sein, nicht zu den 20 fuehrenden und wichtigsten Staatslenkern zu gehoeren, hat sein gekraenktes Ego ihn veranlasst, genau jetzt auf seine Person aufmerksam zu machen. Wer fuer soetwas 7 % seines Bruttolohns abdrueckt, kann einem wirklich leid tun.
kochra8 07.07.2017
3. 2 Narrative sind eines zuviel!
Das Eine gilt den Geldverschleudernden, den Regimeverantwortlichen, den unerbittlich Unersättlichen bis zur dicken Luft. Das Diesseitige wohl den Verstehern, Masshaltenden und auch eher Konfliktscheuen. Doch dazwischen gäbe es ein funktionales Prinzip. Eines, das aus Erfahrungen lebt. Diesen Ringplatz sollte man auswendig wissen: Das Gemeinsame, die Fans waren die Sieger. Diese Gruppenorchestrierung ist's doch, welche das Rudelverhalten verantwortet. An sich ein Spektrum von Psychologen. Konfliktvermeidung sollte Hauptfach, nicht bloss ab dem Kindergarten, für's Leben sein!
thompopp 07.07.2017
4. 2,1 Milliarden Christen können sich doch nicht irren ...
das was der Pabst sagt ist doch konsistent mit der christlichen Lehre und da wir ja (habe bei Wiki nachgeschaut) 2,1 Milliarden Christen haben (und noch viele Milliarden Menschen anderen Glaubens, die das aber auch unterschreiben würden) frage ich mich wie die Mehrheit der Menschen mit ihrem christlichen Verständnis die Welt in diese miserable Lage bringen konnten in der wir global sind!?
shoper34 07.07.2017
5. omg
Stimmt ja ... Wieso wurde der Heilige Vater eigentlich zu G 20 nicht eingeladen ? Er gehört zu den einflussreichsten und reichsten Staatschefs der Welt und ist spiritueller Herrscher der Christenheit. Macht Frau Prof. Dr.ex Schavan ihre Arbeit auch im Vatikan nicht richtig, sie hätte doch bei Frau Kanzlerin Merkel ein gutes Wörtchen für Franziskus einlegen können. Dann wäre er bestimmt gekommen .
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