G20-Proteste Dutzende Polizisten und Demonstranten verletzt

In Hamburg endete eine Großdemonstration gegen den G20-Gipfel in Gewalt. Die Polizei wirft den Demonstranten Angriffe mit Steinen, Flaschen und Laserpointern vor. Sie selbst setzte Wasserwerfer und Tränengas ein.

Ausschreitungen in Hamburg
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Ausschreitungen in Hamburg


Der Beginn des G20-Gipfels in Hamburg wird durch gewaltsame Proteste überschattet: Dutzende Polizisten und linksgerichtete Demonstranten wurden am Donnerstagabend in Hamburg verletzt, nachdem etwa 12.000 Menschen an dem Protestmarsch "Welcome to hell" gegen den G20-Gipfel teilgenommen hatten. Erst nach Mitternacht beruhigte sich die Lage.

Die Polizei wurde nach eigenen Angaben mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern sowie mit Latten angegriffen. Sie hatte den am Fischmarkt in der Nähe der Reeperbahn gestarteten Aufmarsch am frühen Abend nach wenigen Metern mit Polizeiketten gestoppt und etwa 600 Autonome aufgefordert, ihre Maskierungen abzulegen. Als die Einsatzkräfte versuchten, diesen Schwarzen Block vom Rest der Kundgebung zu trennen, eskalierte die Lage. Die Polizei setzte Wasserwerfer sowie Pfefferspray ein.

Pressesprecher der Hamburger Polizei musste in Rettungswagen flüchten

Danach zogen verschiedene Gruppen von Linksautonomen durch St. Pauli und Altona, setzten Barrikaden und Autos in Brand und attackierten immer wieder Beamte, wie die Polizei mitteilte. Die Polizei sprach von mindestens 111 verletzten Polizisten, von denen fünf ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Die meisten Beamten wurden nur leicht verletzt. Über den Onlinedienst Twitter berichtete die Polizei, dass auch Piloten eines Polizeihubschraubers durch einen Laserpointer geblendet worden seien.

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Auch Einsatzkräfte, die die Wohnung des Hamburger Innensenators Andy Grote (SPD) bewachten, seien attackiert worden. Sie blieben unverletzt. Mit dem Schrecken kam auch der Pressesprecher der Hamburger Polizei davon, der sich in einen Rettungswagen flüchten musste. "Die Täter versuchten immer wieder, die Tür des Rettungswagens aufzureißen und schlugen auf diese ein", erklärte die Polizei. Der Rettungswagen fuhr daraufhin mit dem Sprecher ab.

Linksradikale sprechen von mehr als hundert Verletzten

Vertreter des linksradikalen Protestspektrums sprachen im Onlinedienst Twitter dagegen von "Polizeiterror". Sprecher Georg Ismael erklärte, die Polizei habe die Demonstranten angegriffen. Er gehe von mehr als hundert verletzten Demonstranten aus. Der Staat lasse "null Demokratie für alle jene" zu, "die gegen Kapitalismus und Krieg kämpfen". Die globalisierungskritische Initiative Attac sprach von einer "Eskalation mit Ansage", für die die Sicherheitskräfte verantwortlich seien.

Der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Steffen Seibert, machte deutlich, dass es keine Rechtfertigung für gewalttätigen Protest gebe. Er verwies am späten Abend im Onlinedienst Twitter auf ein Interview der Kanzlerin vor dem G20-Gipfel. Daraus zitierte er: "Vor den friedlichen Demonstranten habe ich Respekt, sie nehmen ihr demokratisches Grundrecht war. Wer gewalttätig wird, der verhöhnt die Demokratie."

Schon im Vorfeld der von Mitgliedern des linksradikalen Spektrums angemeldeten "Welcome to hell"- Demonstration waren Ausschreitungen befürchtet worden, sie galt als eine der krawallträchtigsten Protestaktionen während des am Freitag offiziell beginnenden G20-Gipfels der Staats- und Regierungschefs der großen Industrie- und Schwellenländer. Ab Freitagmorgen wollen Aktivisten die Abläufe des Gipfels unter anderem durch Massenblockaden behindern. Am frühen Morgen war die Lage aber zunächst ruhig, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Mindestens 19.000 Polizisten sollen das internationale Spitzentreffen sichern.

anr/AFP



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