Polizei-Einsatz bei G7-Demonstration Betreuungsschlüssel von fünf zu eins

Sitzblockaden, Sprechchöre, Sternmarsch: Der Anti-G7-Protest ist über das Wochenende deutlich abgeflaut. Die Übermacht der Polizei hat den Gipfel-Gegnern kaum Raum gelassen, auf einen Aktivisten kamen mindestens fünf Beamte.

Von , Garmisch-Partenkirchen


Im Camp der G7-Gegner bricht am Sonntag für einen Augenblick Jubel aus. Eine Aktivistin erzählt per Megafon, dass es einigen Demonstranten gelungen sei, die Bundesstraße B2 bei Garmisch-Partenkirchen zu blockieren. "Die sitzen jetzt da, und die Polizei ist ziemlich nervös", ruft die Frau. Im Camp wird diese Nachricht gefeiert.

Es sind bestenfalls kleine Augenblicke des Triumphs, die die G7-Gegner an diesem Sonntag für sich reklamieren können. Am Ende dürfte allerdings die Erkennntnis stehen, dass sie mit ihrem eigentlichen Plan gescheitert sind. "Unser Ziel ist der G7-Gipfel" hatte das Bündnis "Stop G7 Elmau" in seinen Aktionskonsens geschrieben.

Die Aktivisten wollten das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrienationen stören - aber US-Präsident Barack Obama und die anderen Gäste im Schloss Elmau bekamen keinen Demonstranten zu Gesicht. Es dürfte auch kein einziger ihrer A-Anti-Anticapitalista-Rufe bis in das luxuriöse Tagungshotel vorgedrungen sein. (Lesen Sie hier den Verlauf des Tages im Newsblog.)

Das lag zum einen an den strikten Auflagen der Behörden: So gab es etwa deutliche Einschränkungen für die Streckenführung des Sternmarsches am Sonntag Richtung Schloss Elmau.

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Proteste gegen G7-Gipfel: Übermächtige Polizei
Es lag aber auch daran, dass sich die G7-Gegner nicht darauf einlassen wollten, maximal 50 ihrer Demonstranten von der Polizei in Sicht- und Hörweite zum Tagungshotel bringen zu lassen, um dort ihren Protest zu artikulieren: "Einen Transport von Versammlungsteilnehmern durch Polizeifahrzeuge haben die Veranstalter des Sternmarsches gegenüber dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof jedoch als unerträglich abgelehnt und an einem Fußmarsch festgehalten", heißt es in einer Erklärung des Gerichts - einen solchen Fußmarsch in die unmittelbare Nähe des Hotels ließ das Gericht nicht zu.

Die Demonstranten hatten es in Garmisch-Partenkirchen und Umgebung aber auch wegen der massiven Präsenz der Sicherheitskräfte schwer. Bereits am Samstag war das zahlenmäßige Übergewicht der Polizei klar erkennbar: Rund 3500 Aktivisten waren nach Angaben der Behörden ins Werdenfelser Land gekommen, die Polizei hatte für ihren Gipfel-Einsatz rund 20.000 Beamte bereitgestellt - das wäre ein besserer Betreuungsschlüssel als in jeder Kita: fünf Polizisten für einen Demonstranten. Das Aktionsbündnis schätzte die Zahl der Protest-Teilnehmer auf 7500.

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Anti-G7-Protest: Putin-Versteher, Pazifisten, Politikverdrossene
An diesem Sonntag fiel die Dominanz der Polizei sogar noch stärker auf: Den Behörden zufolge waren lediglich mehrere hundert Aktivisten zum Sternmarsch aufgebrochen, auch die spätere Demonstration lockte demnach nicht mehr als 300 G7-Gegner an. Manche von ihnen waren möglicherweise bereits nach der unangenehmen Nacht mit heftigem Regen aus ihrem Protest-Camp abgereist.

Der Polizei erleichterte dies ihre Arbeit. Entsprechend entspannt wirkten viele Beamte beim Einsatz. Möglicherweise hat bereits die Ankündigung eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte dazu geführt, dass weniger G7-Gegner nach Bayern kamen.

Politiker aus dem Freistaat dürften sich nach dem vergleichsweise friedlichen Verlauf der Proteste in der Null-Toleranz-Linie der bayerischen Sicherheitskräfte bestätigt fühlen. Rätselhaft bleibt allerdings, warum sich der CSU-Politiker und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt laut Nachrichtenagentur dpa in einer Weise äußerte, die hämisch klingt: "Das muss man erst hinkriegen: gestern die Demonstranten wegschwemmen und heute so ein Wetter."

Für manche G7-Gegner steht fest: Nach der Demo ist vor der Demo - ein Aktivist empfahl am Sonntag seinen Weggefährten, am 20. Juni nach Frankfurt zu kommen, "da ist mehr drin". An dem Tag ist auf dem Roßmarkt eine Großkundgebung von Rechtsextremisten geplant, und im Lager der Gegner von Rassismus und Rechtsextremismus wird bereits für eine Gegendemonstration mobilisiert.

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Merkel und Obama ganz harmonisch: Die G7-Gaudi

Mit Material von dpa

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axelmueller1976 07.06.2015
1. Ruhig stellen
Bayern hat einmal wieder bewiesen ,wie man mit Überlegung und Gelassenheit Aktivisten die Grenzen aufzeigt. Lasst die Leute demonstrieren aber friedlich und das ist gelungen. Bravo.
JK60 07.06.2015
2.
Da man getrost davon ausgehen kann das auch eine erhebliche Anzahl von V-Leuten unter den Demonstranten war, liegt das Verhältnis wohl eher bei 10:1!!!
rockwater 07.06.2015
3. Beifang
Haufenweise Kriminell sind durch die weiträumigen Kontrollen bisher aufgeflogen. Die meisten aus befreundeten EU-Grenzländern. Dafür fast keine bewaffneten Demonstranten. Davon liest man hier allerdings nix.
moneysac123 07.06.2015
4.
da hilft nur, sowas über die wahlurne zu entscheiden, wenn der deutsche pöbel blind cdu/spd wählt, dann ändert sich die politik nicht. Wer die politik des establishment ablehnt, der muss eben mal was neues wählen und sei es afd, pds, rep, etc. denn erst wenn sich da was tut, ändert sich auch die politik. den meisten leuten ist es einfach egal was in ihrem land passiert und deshalb sind die g7 gegner nur eine minderheit. leider oder zum glück, das man ich nicht beurteilen.
sbv-wml 07.06.2015
5. Atemberaubend
Da sichern umgerechnet auf Bundeswehr mehr als zwei Divisionen Polizei eine Veranstaltung von sechs Männeken und einer Frau. Und auf der Straße bei der Verbrechensbekämpfung fehlen die.
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