Demos zum G7-Gipfel Polizei rechnet auch in München mit Krawallen

Rockfestival, Fronleichnams-Prozession, reisende Staatsoberhäupter und Massenproteste gegen den Wirtschaftsgipfel: Mitten in den Pfingstferien befindet sich die bayerische Landeshauptstadt im Ausnahmezustand.
Polizeieinsatz in München (Archivbild): Angst vor Ausschreitungen

Polizeieinsatz in München (Archivbild): Angst vor Ausschreitungen

Foto: Tobias Hase/ dpa

"Der FC Bayern", sagt Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle, "hat es uns leichter gemacht". Ein Glück für seine Behörde, dass der Fußball-Rekordmeister aus dem DFB-Pokal und aus der Champions League geflogen ist. Was bedeutet: kein Finale, keine Siegesfeier in der Innenstadt und kein nächtlicher Autokorso durch Schwabing. Sonst, vermutet der oberste Ordnungshüter Münchens, wäre das alles kaum mehr zu schaffen gewesen, was in den letzten Mai- und ersten Junitagen auf die Sicherheitskräfte zukomme.

Die erste Massenveranstaltung startet am 29. Mai im Olympia Park. Wenn am Alpenrand in Garmisch-Partenkirchen und Elmau bereits Tausende Polizisten und Rettungskräfte aus dem ganzen Bundesgebiet zur Sicherung des G7-Gipfels am 7. und 8. Juni zusammengezogen werden, treffen sich 60.000 Rock- und Metal-Fans zum dreitägigen Musikfestival. Wo sie ihr Lager aufschlagen, weiß niemand. Das Campen im Park wurde untersagt.

In den Tagen danach werden sich nach Erkenntnissen des Münchner Polizeipräsidiums nicht nur friedliche Gipfel-Gegner auf den Weg nach München machen. Denn für den 4. Juni, wenn Bayern Fronleichnam feiert und Tausende Gläubige an einer Prozession in der Innenstadt teilnehmen, ist ein Protestmarsch angemeldet. 10.000 Teilnehmer prognostizieren die Veranstalter. Die Polizei fürchtet, dass die Zahl steigen wird. "Bei schönem Wetter rechne ich mit 30.000, es können auch mehr werden", sagt der Vizepräsident der Münchner Polizei, Robert Kopp.

"Mobilisierungen auch im Ausland"

Die Behörden erwarten Demonstranten aus dem ganzen Bundesgebiet. Dass zudem wie bei den jüngsten Blockupy-Protesten in Frankfurt gewaltbereite Gegner aus Italien und Frankreich anreisen, muss zumindest befürchtet werden. "Wir haben Mobilisierungen auch im Ausland wahrgenommen", so Kopp, "aber ob die Leute dann wirklich losfahren, wissen wir nicht." Momentan gelte es eher als wahrscheinlich, dass Krawallmacher und Gewaltbereite direkt nach Garmisch reisen.

Am Abend des 4. Juni wird sich auch ein großer Teil der Münchner Demonstranten mit Fahrrädern Richtung Berge auf machen. Für den 6. Juni ist als Mahnung an die G7-Staaten auf dem Königsplatz in München eine Kulturveranstaltung gegen Armut und Hunger geplant, zu der rund 17.000 Besucher erwartet werden. Daneben muss die Polizei den Transfer von Regierungsmitarbeitern sichern, die vom Flughafen nach Elmau fahren und abends zurück in die Hotels nach München.

Man sei sehr gut vorbereitet, versichert Kopp. Wie viele Beamte in der Ausnahmewoche in der Stadt im Einsatz sind, bleibt geheim. Für die Münchner jedenfalls wird es eng. Je nach Menge der Demonstranten und je nach Sicherheitslage wird es Straßensperren geben, auch auf den Hauptverkehrswegen.

In der Innenstadt und entlang der Route zur Garmischer Autobahn A95 wird die Polizei fast tausend zusätzliche Halteverbotsschilder aufstellen, um Platz zu schaffen für die Busse der Einsatzkommandos. Wenn Autos nicht rechtzeitig umgeparkt werden, holt sie der Abschleppwagen. Die Behörden raten den Münchnern, bis zum Ende der Tagung in Elmau nur U- und S-Bahnen zu benutzen. Abiturienten, die am 8. Juni in Bayern ihre letzte mündliche Prüfung ablegen, müssten dann eben besonders früh los.

cnm