Gammelfleisch Seehofer fordert schärfere Kontrollen

Nach erneuten Gammelfleisch-Funden verlangt Minister Horst Seehofer eine bessere Überwachung des Fleischhandels - eigene Kontrolleure will der Bund aber nicht einstellen. Kontrollen helfen nach Meinung von Verbraucherschützer nichts, sie fordern härtere Strafen.


München - "Stichproben von Belegen reichen nicht", sagte Seehofer. Notwendig seien mobile Einsatzkräfte, die unangemeldet in die Betriebe gingen und das Fleisch unter die Lupe nähmen. Um Routine und Korruption vorzubeugen, müssten die Kontrolleure dem Rotationsprinzip unterworfen werden. "Die Qualität der Kontrolle, die Kontrolldichte bedarf dringend der Verbesserung", sagte der CSU-Politiker.

Gammelfleisch-Razzia in München: Kontrollen ausreichend
DPA

Gammelfleisch-Razzia in München: Kontrollen ausreichend

Dass die 80 Tonnen Gammelfleisch in den Kühlhäusern in München und Niederbayern nicht von Kontrolleuren, sondern nur durch Zufall und einen anonymen Hinweis entdeckt worden seien, belegt nach den Worten Seehofers den Verbesserungsbedarf. "Das gilt für die meisten Bundesländer", sagte der CSU-Politiker.

Der Bund wolle aber keine eigenen Fleischkontrolleure einstellen. "Die Dezentralität der Kontrolle ist richtig. Aber das muss nach bundeseinheitlichen Standards erfolgen." Bedauerlicherweise lehnten die Länder dies jedoch ab.

Ähnlich äußerte sich der bayerische Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU). Er forderte den Bund auf, durch eine rasche Gesetzesänderung die Nennung der Täter zu ermöglichen. Das werde die Abschreckung deutlich erhöhen.

Unterdessen sind Hunderte Kilogramm des in Bayern entdeckten Gammelfleischs auch in Hessen aufgetaucht. Nach Angaben des Umweltministeriums in Wiesbaden sind zwei Asia-Shops und ein Zwischenhändler im Rhein-Main-Gebiet betroffen. Es handelt sich um 13 Kilogramm Hähnchenfleisch, 150 Kilogramm Ente sowie um 64 Kilo Schweine- und 206 Kilo Rindfleisch. Derzeit wird untersucht, inwieweit die Ware verdorben und möglicherweise gesundheitsgefährlich sei.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch äußerte dagegen erhebliche Zweifel an der Wirksamkeit von Kontrollen. Denn es handele sich keineswegs um Einzelfälle, "sondern um einen Teil des Systems". Foodwatch-Chef Thilo Bode sagte im Norddeutschen Rundfunk, man habe es mit einem "flächendeckenden Missbrauch" zu tun: "Das System lädt zum Betrügen ein, es ist relativ leicht, nicht erwischt zu werden, und die Gewinnspannen sind hoch. Das heißt, es wird massenhaft betrogen."

Angesichts dieser Tatsache seien auch zusätzliche und verschärfte Kontrollen nicht wirklich erfolgversprechend, sagte Bode. Vielmehr müssten die Namen der einschlägig bekannten Betriebe endlich veröffentlicht werden, um sie zu einer Verhaltensänderung zu zwingen. Auf diese Weise habe man in Dänemark und England Fortschritte erzielt. "Wenn es eben diese Transparenz gibt, und wenn es härtere Strafen gibt, dann würde so etwas auch nicht mehr vorkommen", sagte Bode.

Bode warnte auch vor der Annahme, dass teures und deshalb vermeintlich hochwertiges Fleisch von vornherein als sicher anzusehen sei. "Sie haben am Preis nicht die Möglichkeit zu entscheiden, wie die Qualität ist", sagte Bode.

jaf/AP/rtr



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.