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01. September 2014, 17:43 Uhr

Gauck bei Weltkriegsgedenken

"Auch Europa könnte zum Ziel von Angriffen werden"

Auf der Westerplatte bei Danzig erinnert Joachim Gauck an den deutschen Überfall auf Polen vor 75 Jahren. Zur aktuellen Krise in der Ukraine und zum "Islamischen Staat" findet der Bundespräsident klare Worte.

Danzig - Am 1. September vor 75 Jahren fielen auf der Halbinsel Westerplatte bei Danzig die ersten Schüsse des Zweiten Weltkriegs. Zweiten Weltkriegs. Diesen Anlass hat Bundespräsident Joachim Gauck an diesem Montag genutzt, um die Freundschaft mit Polen zu betonen: "Niemand sollte daran zweifeln: Deutsche und Polen stehen beieinander und ziehen am selben Strang", sagte er laut vorab verbreitetem Redetext bei der zentralen polnischen Gedenkfeier zum Jahrestag. Von Moskau verlangte er bei dem gemeinsamen Auftritt mit seinem polnischen Amtskollegen Bronislaw Komorowski auf der Westerplatte, sich wieder an das Völkerrecht zu halten.

"Gemeinsam nehmen wir die besondere Verantwortung an, die uns in den Konflikten in unserer Nachbarschaft zugewachsen ist", lobte Gauck die Zusammenarbeit mit Polen. "Wir handeln entsprechend und engagieren uns für friedliche Lösungen." Auch die Europäische Union müsse angesichts der neuen Herausforderungen zusammenstehen. Der Jahrestag zum Kriegsausbruch 1939 zeige deutlich, wozu Menschen fähig seien, wogegen Europa sich auch heute verteidigen müsse.

Die "Erosion alter Ordnungen und das Aufflackern neuer Formen von Gewalt" gerade im Nahen Osten oder Nordafrika seien Herausforderungen für die westliche Gemeinschaft: Deutschland und die EU strebten eine deeskalierende Außen- und Sicherheitspolitik an, die imstande sei, "einer Aggression Einhalt zu gebieten, ohne politische Auswege zu verstellen".

Kämpfer wie die der Miliz "Islamischer Staat" (IS) im Irak seien radikal und zielten auf die Errichtung eines terroristischen Kalifats im arabischen Raum. "Fanatisierte und brutalisierte Männer und Frauen aus unterschiedlichen Ländern missbrauchen die Religion und die Moral, um alle zu verfolgen und unter Umständen zu ermorden, die sich ihnen widersetzen - Muslime ebenso wie Andersgläubige."

Dieses Vorgehen zu verhindern, liege im gemeinsamen Interesse des Staatenbündnisses, denn Europa sei wegen der geografischen Nähe bedroht, auch "weil der Konflikt unsere europäischen Länder erreichen kann. Nicht auszuschließen ist, dass auch europäische Staaten zum Ziel islamistischer Angriffe werden", sagte Gauck.

Bundestag stimmt über Waffenlieferungen ab

Im Reichstagsgebäude in Berlin hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert bereits am Nachmittag an den Beginn des Zweiten Weltkrieg erinnert: "Wir würden uns wünschen, dass aggressive, militärische Gewalt aus dem Repertoire der Politik verschwunden wären", sagte Lammert vor der Regierungserklärung Angela Merkels. "Tatsächlich machen wir die bittere Erfahrung, dass weltweit Kriege geführt werden, Waffenstillstände unterbrochen, Menschen verfolgt, terrorisiert und getötet werden."

Im Anschluss an die Debatte stimmte der Bundestag für die Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak, um sie im Kampf gegen die IS-Miliz zu stärken. Damit unterstützten die Fraktionen von Union und SPD den Beschluss der Bundesregierung vom Vorabend.

vek

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