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18. März 2012, 08:45 Uhr

Nächste First Lady

Daniela wer?

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Auch sie hat nun Gewissheit: Mit der Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten ist seine Partnerin Daniela Schadt Deutschlands First Lady. Dafür gibt sie ein erfolgreiches Berufsleben als Journalistin auf.

Hamburg/Berlin - Sie fremdelt noch mit ihrer künftigen Rolle. First Lady - das ist ja auch nicht irgendwas. "Eine große Portion Anspannung und eine große Portion Neugier halten sich noch die Waage", sagt Daniela Schadt, 52. Mit der Wahl Joachim Gaucks zum elften Staatsoberhaupt der Republik hat auch seine Lebensgefährtin Gewissheit. Ihr Leben als Journalistin in Nürnberg ist dann vorüber.

"Viel, viel Kraft" - das waren vor 20 Monaten die Wünsche, die Daniela Schadt Bettina Wulff mit auf den Weg gab, als sie die damals frischgebackene First Lady auf der Besuchertribüne des Bundestags umarmte. Da stand nach drei langen Wahlgängen endlich fest: Christian Wulff ist neuer Bundespräsident, Gauck der Wahlverlierer. Schadt sagte später dazu: "Mit so vielen zusätzlichen Stimmen für Jochen hätte ich nicht gerechnet." Und gab zu: "Als Privatmensch bin ich mehr erleichtert als traurig."

Nun braucht Schadt selbst eine Menge Kraft.

"Erwachsene, politikerfahrene Frau"

Eines war ihr vom Tag der erneuten Gauck-Nominierung durch eine Art All-Parteien-Koalition an klar: Sie wird ihren Beruf ruhen lassen. Zwar habe sie sich kurz überlegt, bei der "Nürnberger Zeitung" zu bleiben. "Es wäre aber von der Sache her kaum möglich. Meine Artikel oder Kommentare wurden bislang alle mir zugerechnet; wenn aber dann immer geguckt wird, ob durch die Zeilen der Bundespräsident durchscheint, wird das nicht mehr gehen", sagte sie ihren ehemaligen Kollegen im Interview.

Dabei ist ihr diese Entscheidung sicher nicht leicht gefallen. Seit 26 Jahren arbeitet Schadt bei der "Nürnberger Zeitung". Sie habe nie etwas anderes machen wollen als Zeitung, verriet Gaucks Partnerin im Wahlkampf 2010. Chefredakteur Raimund Kirch sagt: "Wir schwanken zwischen Stolz und Bedauern, Frau Schadt ist unsere wichtigste Kommentatorin."

Schadt stammt aus Hessen, studierte nach dem Abitur in Frankfurt am Main Germanistik, Politik und französische Literatur. Für das Volontariat wechselte sie nach Franken. Ihre Kollegen schildern sie als fröhliche und charmante Frau, die herzlich lachen kann, als liberale Konservative, die "keine Scheuklappen hat", als "kämpferische und hartnäckige Journalistin". Chefredakteur Kirch sagt: "Wenn ihr ein Thema am Herzen liegt, dann ficht sie es durch." Schadt wird nach Meinung ihrer Kollegen vermutlich mehr sein als nur die Frau an Gaucks Seite: Schadt sei ein politischer Kopf, sie schalte sich gerne in Diskussionen ein.

Jetzt plant Schadt, sich - ähnlich wie die früheren Präsidentenpartnerinnen - sozial zu engagieren: "Es gibt ja schon sehr schöne und sinnvolle Projekte, die von Frau Wulff und ihren Vorgängerinnen wahrgenommen wurden. Ich werde womöglich ein paar neue Aktzente setzen, aber keine großen Umstürze planen", sagte sie der "Nürnberger Zeitung".

Zwölf Jahre mit Gauck zusammen

Seit 2000 ist die 52-jährige Journalistin mit dem 20 Jahre älteren Gauck liiert. Kennengelernt haben sich die beiden in Nürnberg bei einem seiner Vorträge als Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Ihr Privatleben behandelt Daniela Schadt stets diskret. Über ihren Lebenspartner sagte sie 2010: "Das Schöne an Joachim Gauck ist, dass er wirklich mutig ist und dass er nicht flau ist, dass er sehr begeisterungsfähig ist."

Daniela Schadt fährt gern Bahn - und bei Wind und Wetter Fahrrad. Sie liest viel und hört klassische Musik. Anders als Bettina Wulff wird sich ihre Nachfolgerin wohl kaum vom Boulevard inszenieren lassen. Homestorys in Illustrierten sind mit Schadt kaum denkbar, sie gilt als bescheiden. "Frau Schadt ist eine Frau frei von jedweden Allüren, sie will nicht immer in der ersten Reihe stehen", sagt Siegfried Zelnhefer, Vorsitzender des Nürnberger Presseclubs, in dessen Vorstand sich Schadt seit Jahren engagierte.

Bisher haben sie und Gauck eine Wochenendbeziehung geführt, pendelten zwischen Berlin und Nürnberg hin und her, wo Schadt in einer Wohnung im Stadtzentrum lebt. Noch ist offen, ob sie die Dienstvilla des Bundespräsidenten in Berlin-Dahlem beziehen. "Wahrscheinlich mach es Sinn, dass wir sie nutzen", zitiert die "Bild am Sonntag" Daniela Schadt. "Für unsere Nachbarn in Schöneberg ist es nicht besonders lustig, dass sie durch die Sicherheitsvorkehrungen nicht mehr vorm Haus parken können." Klar ist, dass sie und Joachim Gauck nun zusammenleben werden. "Das wird etwas anderes sein", sagte Schadt der "Nürnberger Zeitung". "Aber wir sind schließlich schon ein bisschen erprobt. Wir denken, dass es genauso passen wird, wie es dann ist." Eine schnelle Heirat hatte Gauck vor zwei Jahren ausgeschlossen, "eine spätere nicht unbedingt".

Nun wurde wieder über eine Hochzeit der beiden spekuliert. Doch fürs erste wird das wohl nicht passieren. Nicht nur, weil Gauck sich dafür erst von der Mutter seiner vier Kinder scheiden lassen müsste, von der er seit 1991 getrennt lebt. Sondern weil der neue Präsident erstmal anderes zu tun haben wird.

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