Wahlkämpfer Gauweiler und Scharnagl Angriff der Super-Grantler

Sie präsentieren Bayern als Insel der Glückseligen: Peter Gauweiler und Wilfried Scharnagl starten für die CSU in den Landtagswahlkampf. Angriff statt Verteidigung ist das Credo der beiden Parteiveteranen.

Gauweiler (Archivaufnahme): Breitseiten gegen Brüssel und Berlin
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Gauweiler (Archivaufnahme): Breitseiten gegen Brüssel und Berlin

Von Michael Stürzenhofecker, Augsburg


Bei den Euro-Skeptikern wäre er nicht gut aufgehoben, will Peter Gauweiler gleich zu Beginn klarstellen. "Das ist nicht das einzige Thema", ruft der CSU-Politiker in den mit gut 200 Anhängern bis auf den letzten Platz besetzten, prunkvollen Theatersaal im Kurhaus Göggingen in Augsburg. Doch dann ledert er, immer wieder unterbrochen von Beifall und Zwischenrufen, fast eine halbe Stunde gegen die Krisenpolitik der EU und die Euro-Rettung.

Gauweiler trägt einen grauen Anzug und eine silberne Krawatte. Er kommt direkt aus Karlsruhe, wo das Bundesverfassungsgericht eine Klage gegen Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank und den Europäischen Stabilitätsmechanismus verhandelt, die er mit angestrengt hat. Im barocken Kurhaus, "der Augsburger Version vom Schloss Neuschwanstein", wie der Münchner Politiker befindet, startete er am Abend zusammen mit Wilfried Scharnagl die Veranstaltungsreihe "Bayern zuerst - Reden über das eigene Land". Zunächst viermal wollen die beiden am "veredelten Stammtisch", so nennt es Gauweiler, Wähler und Parteibasis auf die Landtagswahl im September einschwören.

Doch auch Scharnagl, der zuletzt mit seinem Buch "Bayern kann es auch allein" für Aufregung sorgte, wettert offenbar lieber gegen die anderen als über den Freistaat zu diskutieren. "Denen in Brüssel geht die Wasserversorgung in bayerischen Kommunen einen Scheißdreck an", schmettert er den Zuhörern entgegen, wohl mit Blick auf eine geplante EU-Richtlinie zu dem Thema. Dafür erntet er von den meist in blasse Hemden in Karo- oder Streifenmuster gekleideten älteren Herren regen Beifall. Der ein oder andere erhebt sich kurz aus einem der mit rotem Samt beschlagenen Stühle.

Lederhosen sucht man beim edlen Stammtisch in Bayerisch-Schwaben vergebens. Ganze zwei Herren mit Tiroler Hut und Gamsbart fanden sich ein - zogen es dann jedoch vor, im Innenhof ein Bier zu trinken. Gauweiler und Scharnagl haben es mit dem Publikum nicht schwer. Von Dissens in der Partei keine Spur. Nur kurz wird der Skandal um eine Leserbriefschreiberin angesprochen, die von Augsburger CSU-Politikern mundtot gemacht werden sollte. Mit Tränen in den Augen habe Scharnagl darüber gelesen, sagt er. Zu der Verwandtenaffäre fällt kein Wort.

Lästern über die große Schwester CDU

Stattdessen setzen die beiden CSU-Granden auf Angriff. Nicht nur die EU bekommt dabei ihr Fett weg: "Berlin ist schon schlimm, aber Brüssel und Berlin ist unerträglich", schimpft der ehemalige Strauß-Spezl Scharnagl. Er hätte eine Sondersitzung des bayerischen Landtages und eine "Intervention des bayerischen Kabinetts" erwartet, als der Bund seine "gierigen Hände" nach der Bildungspolitik ausstreckte, die nun einmal das "Kronjuwel" der Länder sei. Und überhaupt, der "Skandal Länderfinanzausgleich": Alles werde der "Gleichmacherei" unterworfen. Nachdem Baden-Württemberg den Grün-Roten in die Hände gefallen sei, habe man den letzten Verbündeten und Konkurrenten in den Rankings der Bundesländer verloren. Scharnagl hat sich jetzt in Rage geredet und schnappt nach Luft.

Bayern steht ganz allein da, umgeben von Krisenländern im In- und Ausland, die im Chaos zu versinken drohen. Diesen Eindruck vermitteln die beiden ihren Zuhörern. An der Zuwanderung könne man das ablesen, doziert Scharnagl. Aus allen anderen Bundesländern kämen in Scharen Menschen, die in Bayern ihr Glück suchten. Diese "Gesinnungsbayern" oder "Überzeugungsbayern" gelte es für die Christsozialen als neue Wähler zu erschließen. Denn die CSU sollte sich nicht in den glänzenden Umfrageergebnissen sonnen, warnt er.

Und auch die Bayern hätten zu kämpfen, mahnt Gauweiler. Doch für die Flutkatastrophe würden gerade einmal acht Milliarden Euro lockergemacht, während allein 22 Milliarden als Barzahlung in den Euro-Rettungsschirm flossen. Solidarität sei ihm ja wichtig. Aber "wer rettet die Retter?", fragt er in die Runde und erntet Beifall als Antwort. Stabilität sei jetzt gefragt, weiß er, und gemeint ist damit die CSU. Denn die regiert seit 1957 im Freistaat, und "noch nie ging es Bayern so gut wie heute". Außer vielleicht in der Endphase der Wittelsbacher, schiebt er hinterher.

Ganz anders sehe es bei der großen Schwester CDU aus, die in den Ländern zuletzt herbe Niederlagen einstecken musste. "Die Leute sagen: Merkel ist ja gut, aber dahinter kommt ja nichts", erklärt Gauweiler. "Was nicht nur falsch ist", fügt er leise hinzu. Diesmal ist das Lachen lauter als der Applaus.

insgesamt 69 Beiträge
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TGX 14.06.2013
1. Man ...
... soll ja Politik immer an deren Ergebnis festmachen. Festzuhalten bleibt daher, dass Bayern das industriestärkste Bundesland mit dem besten Bildungssystem und nebenbei bemerkt saubersten Innenstädten ist und dies der CSU zu verdanken hat. Prinzipientreue zahlt sich also aus. Wenn die in meinem Bundesland auch anträten (ich komme somit nicht aus Bayern und bin auch kein selbiger, hätten sie meine Stimme. An deren Renommee kommt keine der linken Parteien und übrigens auch nicht die CDU heran.
niska 14.06.2013
2.
Zitat von sysopDPASie präsentieren Bayern als Insel der Glückseligen: Peter Gauweiler und Wilfried Scharnagl starten für die CSU in den Landtagswahlkampf. Angriff statt Verteidigung ist das Credo der beiden Partei-Veteranen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gauweiler-und-scharnagl-fuer-die-csu-im-wahlkampf-a-905670.html
Dem gemeinen Bayuvaren einzureden er sei der Nabel der Welt war schon immer eine der großen Stärken der CSU. Neben Gschaftlhuberei, Spetzlwirtschaft und Populismus.
derbochumerjunge 14.06.2013
3. Einreden
Der Gauleiter - Pardon, Gauweiler - konnte das schon zu Zeiten seines Übervaters FJS gut - das Einreden, meine ich.
RenegadeOtis 14.06.2013
4.
Zitat von TGX... soll ja Politik immer an deren Ergebnis festmachen. Festzuhalten bleibt daher, dass Bayern das industriestärkste Bundesland mit dem besten Bildungssystem und nebenbei bemerkt saubersten Innenstädten ist und dies der CSU zu verdanken hat. Prinzipientreue zahlt sich also aus. Wenn die in meinem Bundesland auch anträten (ich komme somit nicht aus Bayern und bin auch kein selbiger, hätten sie meine Stimme. An deren Renommee kommt keine der linken Parteien und übrigens auch nicht die CDU heran.
Ich würde das nicht rein auf die CSU abwälzen. Bayern hat dank Tourismus und einiger sehr potenter Wirtschaftsunternehmen durchaus einen Standortvorteil.
grunzbichler 14.06.2013
5. Gauweiler und Scharnagl
Der eine ist der Koch-Mehrin des Bundestages, als Rekordhalter im Schwänzen für seine fetten Diäten. Der andere ist der ehemalige Hofnarr und Hofschreiberling von FJS. Beide in der Liste der peinlichsten Deutschen in den Top 100. Mehr ist zu diesen beiden und deren Publikum nicht zu sagen.
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