Gebärmaschinen-Streit Bischof legt gegen von der Leyen nach

Mixa und die Gebärmaschinen: Der Augsburger Bischof lehnt es ab, sich bei Ursula von der Leyen für seine harsche Kritik zu entschuldigen. Im Gegenteil: Er legte gegen die Familienministerin nach. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers warf dem Geistlichen Realitätsverlust vor.


Hamburg - "Meine Kritik richtet sich gegen eine Politik, die es einseitig fördert, dass junge Mütter ihre kleinen Kinder kurz nach der Geburt in staatliche Fremdbetreuung geben sollen, statt sich ganz und gar ihren Kindern in den ersten drei Lebensjahren zu widmen", sagte der katholische Bischof der "Bild"-Zeitung. Wer den Müttern diesbezüglich keine Wahlfreiheit zugestehe und dennoch politisch mehr Geburten fordere, der degradiere Mütter, drastisch gesprochen zu Gebärmaschinen. "Dabei bleibe ich", sagte Mixa.

Der Bischof hatte behauptet, von der Leyens Vorschläge zum Ausbau von Kindertagesstätten seien kinderfeindlich, ideologisch verblendet und degradierten die Frau zur Gebärmaschine.

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Rüttgers warf Mixa mangelnden Realitätssinn vor. "Deutschland ist so lange kein kinderfreundliches Land, so lange junge Frauen ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie versuchen, Familie und Beruf miteinander zu verbinden", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Was der Bischof sage, habe wenig mit der Realität in Deutschland zu tun.

Rüttgers verteidigte von der Leyen auch gegen Kritik aus der eigenen Partei. "Es ist nicht Aufgabe von Politikern, den Menschen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Es ist die Entscheidung der Eltern, wie sie die Kinderbetreuung gestalten." Es gebe aber in Deutschland für Eltern keine Wahl, weil Krippenplätze fehlten. "Wir müssen die Kinderbetreuung für unter Dreijährige massiv ausbauen", wurde Rüttgers zitiert.

Der Sprecher der SPD-Linken in der Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, forderte den Rücktritt Mixas. "Die Denunzierung von Frauen als Gebärmaschinen ist sehr verletzend. Der Bischof muss in sich gehen und zurücktreten", sagte Rossmann der Tageszeitung "Welt". Ein hoher katholischer Würdenträger sollte Menschen nicht diskreditieren, die Beruf und Familie vereinbaren wollten.

Die Vorsitzende der Bundestags-Kinderkommission, Marlene Rupprecht (SPD), äußerte sich etwas zurückhaltender. "Bischof Mixa muss sich überlegen, wenn er so wenig die Realität wahrnimmt, ob er für sein Amt noch geeignet ist. Statt an die Kinder denkt er nur an seine Ideologie der Rollenverteilung", sagte Rupprecht. Rupprecht ist die Kinderbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion und ebenfalls Mitglied der Parlamentarischen Linken.

als/dpa/AP/Reuters

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