Gebärmaschinen-Streit Bischof verbittet sich Maulkorb für Mixa

Empörung und Widerstand bei Politikern und vielen Geistlichen über den Angriff auf Ministerin von der Leyen - nun steht der Regensburger Bischof Müller seinem Amtsbruder Mixa bei. "Wir lassen uns von der Politik nicht den Mund verbieten", donnert der Hirte.


Hamburg - "Als Kirche sind wir nicht das fünfte Rad am Wagen und lassen uns von der Politik nicht den Mund verbieten", sagte Regensburgs Bischof Gerhard Ludwig Müller in seiner Bischofsstadt. Mixa hatte gestern die Politik von Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" bezeichnet und war dafür parteiübergreifend heftig kritisiert worden. Bischof Mixa hatte die Pläne der Bundesfamilienministerin zum Ausbau der Kleinkindbetreuung als "schädlich für Kinder und Familien" bezeichnet. Von der Leyens Politik sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräftereserve für die Industrie zu rekrutieren" und zu "Gebärmaschinen" zu degradieren. Inhaltlich äußerte sich Bischof Müller allerdings nicht konkret zu Mixas Äußerungen.

Bischof Müller: Beistand für den Amtsbruder
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Bischof Müller: Beistand für den Amtsbruder

Im Bistum Regensburg schwelt seit langem ein Konflikt zwischen Müller und seinen Kritikern, nachdem dieser dem höchsten deutschen Laiengremium, dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, die übliche Zahlung verweigert hatte. Dem Bischof wird Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die Wortführerin der Bewegung "Wir sind Kirche" in Regensburg, die Ethnologin Sigrid Grabmeier, rief vor einem Jahr alle Katholiken auf, "künftig zu verhindern, dass der derzeitige Bischof von Regensburg weiter die Kirchensteuergelder, die er treuhänderisch von den Laien erhält, gegen diese einsetzt und ihnen vorenthält". Müller dürfe nicht "aufgrund eines persönlichen Gekränktseins die Machtinstrumente seines Amts missbrauchen für Aggressionen gegen die seit Jahrzehnten bewährten Laienstrukturen". Der Regensburger Oberhirte wehrt sich seit langem gegen zu viel Mitwirkung von Laien in seinem Bistum.

Auch das Erzbistum Köln stellt sich hinter Mixa. Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner sagte heute, es sei eine "Fehlentwicklung", wenn man Kinderkrippen als permanente Einrichtung gleichsam als Alternative zur Familie ansehe. "Ich habe das am eigenen Leib und bitter in der DDR erfahren müssen", sagte Meisner im Kölner domradio. "Wir müssen klar und eindeutig sagen, dass die Familie der natürliche Raum ist, in dem sich Kinder entfalten können, so dass sie in ihrem Leben wirkliche Persönlichkeiten sind", betonte der Kardinal. Unter diesen Vorzeichen könnten die Kinder auch den Anforderungen des Lebens positiv entsprechen. Krippenplätze seien nötig "für den Ernstfall, für den Ausnahmefall".

Der Sprecher des Erzbistums München und Freising, Winfried Röhmel, nahm Mixa gegen die heftigen Attacken von SPD- und Grünen-Politikern in Schutz: "Das sind schlicht Äußerungen, die der Sache überhaupt nicht mehr dienen, sondern zurückgewiesen werden müssen." Röhmel verwies auf das "erwiesenermaßen reiche" Engagement der Kirche in der Kinderbetreuung. Entscheidend sei für die Kirche dabei, die Familie zu begleiten und zu unterstützen und nicht sie zu ersetzen. "Allen Tendenzen, die Familie mit solchen Einrichtungen zu ersetzen, werden auf unseren energischen Widerstand stoßen", betonte Röhmel. Grundsätzlich befürworte man eine Wahlfreiheit für Familien.

"Unerträglich und unchristlich"

Innerhalb Bayerns formiert sich der Widerstand gegen Mixa weiter. Der Protest ist parteiübergreifend. Der Fraktionschef der SPD im bayerischen Landtag, Franz Maget, kritisierte die Attacke Mixas auf die Familienpolitik der Bundesregierung scharf. "Als Vorsitzender des Vereins Kirche und SPD in München halte ich mich mit Kritik an kirchlichen Würdenträgern zurück, aber die Aussagen des Bischofs zur aktuellen Familienpolitik übersteigen für mich bei weitem das Maß des Erträglichen", sagte Maget in München.

"Frauen, die berechtigterweise Beruf und Familie vereinbaren wollen, als Gebärmaschinen zu bezeichnen, ist schlicht unerträglich und unchristlich," sagte Maget weiter. Der Wunsch von Eltern, ihre Kinder betreuen zu lassen, müsse respektiert werden, der Staat die dafür notwendigen und längst überfälligen Einrichtungen zur Verfügung stellen. "Kinderbetreuung ist nicht familienfeindlich, wie es auch die CSU jahrzehntelang behauptet hat, sondern eine sinnvolle und oft segensreiche Ergänzung zur Familie", argumentierte Maget.

Auch Bayerns Familienministerin Christa Stewens (CSU) wies den Angriff Mixas zurück. Für viele hochqualifizierte Frauen berge der Ausstieg aus dem Job für drei Jahre auch das Risiko, bei "Hartz IV" zu landen, sagte Stewens der "Augsburger Allgemeinen". Von der Leyen habe zwar öffentlich das Thema Kinderkrippen zu stark nach vorne gerückt. Doch sie wolle sicherlich nicht Frauen zu "Gebärmaschinen" degradieren, wie Mixa es formuliert hatte.

Die CSU-Politikerin sagte, einer Studie zufolge würden zwar 85 Prozent der Mütter während der ersten drei Lebensjahre ihrer Kinder gerne zu Hause bleiben und sich deren Betreuung widmen. "Allerdings lässt dies die finanzielle Lage in vielen Familien nicht zu", so Stewens. Die beiden Lebensentwürfe dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Von der Leyen: Kein Kommentar!

Mixa selbst hat sich heute erneut zu Wort gemeldet. Er forderte einen Ausbau des Erziehungsgeldes. Dem Sender N24 sagte er: "Wir brauchen eine familiengerechte Politik und nicht eine arbeitsgerechte Familienpolitik." Er verwies auf allein erziehende Mütter und solche, die ohne ein zusätzliches Familieneinkommen nur schwer auskämen. "Hier muss ernsthaft überlegt werden, solchen Frauen eine größere Unterstützung in Form des Kindergeldes zu geben und ihre Erziehungstätigkeit später für die Rente anzurechnen." Mixa sagte, 86 Prozent der Mütter in Deutschland erzögen ihre Kinder in den ersten drei Jahren selber. "Und diese Frauen und Mütter verdienen eine große Anerkennung und ein großes Lob."

Maria Böhmer, Vorsitzende der Frauen-Union, hielt Mixa, der zugleich katholischer deutscher Militärbischof ist, im ARD-Morgenmagazin entgegen: "Die Zeit, dass man Frauen ein schlechtes Gewissen einredet, muss endgültig vorbei sein. Wir brauchen die Unterstützung für Familien."

Von der Leyen unterdessen will die heftige Kritik Mixas an ihrer Politik "nicht kommentieren". Die Ministerin freue sich "über die große Welle der Zustimmung und Unterstützung", die sie für ihren Vorschlag zum Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland erhalten habe, sagte ein Sprecher des Familienministeriums in Berlin. Auch habe das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) erst vor wenigen Tagen in seiner Stellungnahme hervorgehoben, dass der Ausbau des Betreuungsangebots überfällig sei. Nur so lasse sich echte Wahlfreiheit für Eltern herstellen.

asc/AP/ddp/dpa



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