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25. Februar 2007, 23:07 Uhr

Gebärmaschinen-Zitat

Bischof Mixa fühlt sich falsch verstanden

Deutschland diskutiert über das "Gebärmaschinen"-Zitat von Walter Mixa – jetzt weicht der Augsburger Bischof zurück: Der Begriff sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, sagte der Oberhirte.

Berlin - "Das Wort Gebärmaschine ist ganz eindeutig aus dem Zusammenhang meiner Stellungnahme herausgerissen", sagte Mixa in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". "Ich wollte damit ganz eindeutig eintreten für die Frau." Zum Beispiel sollten allein erziehende Mütter es sich erlauben können, in den ersten drei Jahren nach der Geburt zu Hause zu bleiben und nicht zu arbeiten. Dies könne man über eine Anhebung des Erziehungsgeldes erreichen. "Ich bin nicht gegen die Kinderkrippe – sonst wäre ich ja von vorgestern", sagte der Bischof.

Mixa hatte die Familienpolitik von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) als "kinderfeindlich und ideologisch verblendet" bezeichnet. Die Vorschläge zum Ausbau von Kindertagesstätten degradierten die Frau zur Gebärmaschine. Der Augsburger Oberhirte hatte in den vergangenen Tagen seine Äußerungen bekräftigt und eine Entschuldigung abgelehnt. Bis 2013 will von der Leyen die Zahl der Krippenplätze auf 750.000 verdreifachen.

Die Debatte um die Mixa-Zitate hatte Parteien und religiöse Institutionen erfasst. Zuletzt hatte SPD-Chef Kurt Beck für Furore gesorgt, weil er den Bischof mit einem kastrierten Kater verglichen hatte. Die Gruppierung "Forum Deutscher Katholiken" warf Beck nun vor Mixa "im Stil des Stürmers" zu diffamieren.

Kritik an Becks Vergleich vom "kastrierten Kater"

In einem offenen Brief schreibt die vor sieben Jahren in Fulda für papst- und kirchentreue Katholiken gegründete Organisation: "Das Forum Deutscher Katholiken ist betroffen über den Vergleich, den der SPD-Vorsitzende Kurt Beck in seiner Kritik an Bischof Dr. Walter Mixa gebraucht hat. Das Forum Deutscher Katholiken begrüßt das Engagement von Bischof Walter Mixa und allen Bischöfen, die sich mit ihm zum Schutz der Familie, zum Vorrang der Kindererziehung durch die Eltern und zum Schutz der Würde der Frau in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet haben."

Mit Blick auf Mixa hatte Beck einen Witz von einem Kater erzählt, der trotz seiner Kastration immer noch in der Gegend herumlaufe. "Wieso denn, der kann doch gar nicht mehr?", werde die Besitzerin gefragt, die daraufhin sagt: "Das nicht, aber er berät jetzt."

Auch andere Spitzenpolitiker von SPD und Union sowie Vertreter der beiden großen Kirchen wiesen Mixas Kritik zurück. Familienministerin von der Leyen hat unterdessen ihre Kritiker scharf in die Schranken verwiesen. Eltern seien nicht gezwungen, ein Angebot für einen Kinderbetreuungsplatz anzunehmen. Von der Leyen warnte vor einem Generationenkonflikt in der Union. "Ich finde es schon fast zynisch, wenn einige jetzt so tun, als ob ein freiwilliges Angebot für einen Kinderbetreuungsplatz ein Zwang sei, sein Kind auch dorthin zu geben", sagte von der Leyen der "Frankfurter Rundschau" (Montagausgabe). In der Familienpolitik sei es bereits fünf nach zwölf. "Wir sollten nicht versuchen, die 50er Jahre wieder auferstehen zu lassen im Jahr 2010", sagte die Politikerin, die selbst Mutter von sieben Kindern ist.

reh/dpa

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