Geburtsprämien Tausend Euro für ein Baby

Mit Geld gegen Deutschlands Babymangel: Immer mehr Städte und Gemeinden buhlen um junge Familien und belohnen Nachwuchs. Sie locken mit Prämien beim Wohnungskauf, der Kinderbetreuung - oder Barem.

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Hamburg - "Hier hat sich die Atmosphäre geändert", sagt Ortsbürgermeister Dietmar Tuldi. "Allein im Moment sind sechs Frauen schwanger." Und das ganze Dorf freue sich mit.

Vor kurzem war das in der abgelegenen 850-Einwohner-Gemeinde im Hunsrück noch ganz anders. Der Nachwuchs blieb aus - die Zukunft für das Fachwerkhaus-Idyll schien düster. Früher kamen hier im Jahresschnitt zehn Babys zur Welt, 2004 dann nur noch vier. "Man redet immer von der demografischen Entwicklung. Aber was das heißt, sieht man erst, wenn der Kindergarten fast leer steht."

Sehr begehrt: Nachwuchs im Kindergarten
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Sehr begehrt: Nachwuchs im Kindergarten

Bei dem Anblick kam Bürgermeister Tuldi die Erkenntnis, dass es Zeit ist für radikales Umdenken. Es kostete den 57-Jährigen viel Überredungskraft und lange Debatten mit den Gemeinderatsmitgliedern. Am Ende setzte er sich durch: Im Sommer 2005 führte Ellern eine Babyprämie für Neugeborene ein. Pro Geburt stellt der Ort tausend Euro zur Verfügung.

250 Euro bekommt das Kind auf ein Sparbuch überwiesen, 250 Euro erhalten die Eltern als Gutschein für den Kindergarten und 500 Euro investiert die Gemeinde in den Ausbau der Betreuung und Freizeitmöglichkeiten für Kinder – zuletzt wurde eine Skateboardbahn angeschafft.

Wie Ellern buhlen inzwischen viele Gemeinden in Deutschland um das begehrte Gut "Familie mit Kindern". Die Einwohnerzahlen sinken, immer weniger Kinder, immer mehr Alte. In den Gemeinden heißt das: Die Infrastruktur passt nicht mehr. Steuereinnahmen gehen zurück, Schulschließungen drohen, Schwimmbäder lohnen nicht mehr, Gebäude stehen leer.

Auch die Bundesregierung hat als Mittel gegen die Kinderlosigkeit auf Geld gesetzt. Auf Druck von Familienministerin Ursula von der Leyen wurde vor einem Jahr das Elterngeld eingeführt. Mit Erfolg, verkündete die CDU-Politikerin am Freitag: "Das Elterngeld wird in der Bevölkerung immer beliebter." Inzwischen wünschten sich wieder mehr junge Paare Kinder. Erstmals seit zehn Jahren ist die Geburtenzahl leicht gestiegen.

Ob die Entwicklung anhält oder nur ein einmaliger Ausrutscher nach oben ist, wird sich zeigen. Klar ist: Das Beispiel des Bundes macht Schule - auch immer mehr Kommunen setzen auf Geld gegen den Geburtenschwund.

Hamburg zahlt seit zwei Jahren die sogenannte Kinderzimmerzulage: bis zu zehntausend Euro steuerfrei beim Kauf einer Eigentumswohnung. Meißen überreicht seit vergangenem Sommer hundert Euro für jedes Neugeborene. Die ostholsteinische Gemeinde Gremersdorf hat gerade beschlossen, tausend Euro zur Geburt zu zahlen und drei Jahre lang 200 Euro im Monat als Baukostenzuschuss.



insgesamt 111 Beiträge
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Seite 1
Hardliner 1, 14.12.2007
1. "Die Falschen"
Zitat von sysopMit dem Elterngeld, das der Bund seit einem Jahr gewährt, will die Große Koalition jungen Paaren das Kinderkriegen schmackhaft machen. Nun buhlen immer mehr Städte und Gemeinden mit lukrativen Angeboten um die jungen Familien. Würden Sie für dafür die Stadt wechseln?
Ich befürchte, dass Fertilitätprämien wieder "die Falschen" dazu anregen, Nachwuchs zu zeugen.
guybrush, 14.12.2007
2.
Zitat von sysopMit dem Elterngeld, das der Bund seit einem Jahr gewährt, will die Große Koalition jungen Paaren das Kinderkriegen schmackhaft machen. Nun buhlen immer mehr Städte und Gemeinden mit lukrativen Angeboten um die jungen Familien. Würden Sie für dafür die Stadt wechseln?
Ein unattraktives Kaff wird auch durch ein paar Tausender nicht besser. Da ziehe ich doch die von selbst florierende Großstadt vor.
Roter Stern, 14.12.2007
3.
Zitat von sysopMit dem Elterngeld, das der Bund seit einem Jahr gewährt, will die Große Koalition jungen Paaren das Kinderkriegen schmackhaft machen. Nun buhlen immer mehr Städte und Gemeinden mit lukrativen Angeboten um die jungen Familien. Würden Sie für dafür die Stadt wechseln?
Viele Eltern wechseln Ort oder Umgebung für die Erziehung der Kinder. Aber Geld allein ist nichts wert, wenn nicht auch schöne Wohnungen mit Garten, genügend gut bezahlte Arbeitsplätze, reichlich Sport- und Freizeitangebote für Kinder und Familien, gute Einkaufsmöglichkeiten und gute Kitas und Schulen in der Nähe angeboten werden. Ich denke, die buhlenden Gemeinden sollten da vorher dringend etwas unternehmen. Die Altstadt zu restaurieren reicht nicht.
DJ Doena 14.12.2007
4.
Wer kann denn mal eben so umziehen, weil er/sie sowieso nichts besseres zu tun hat? Doch nur Leute, die dort wo sie derzeit wohnen, eh keine Arbeit haben. Also werden Hartz-4-Empfänger bestochen, mehr Kinder zu bekommen (Kindergeld, Elterngeld) und auch noch umzuziehen (Babyprämie). Aber sind das wirklich die Kinder, die die Gesellschaft im Allgemeinen und diese Städte im Speziellen wirklich haben möchte?
Morotti 14.12.2007
5.
Zitat von Hardliner 1Ich befürchte, dass Fertilitätprämien wieder "die Falschen" dazu anregen, Nachwuchs zu zeugen.
Wer ist falsch und wer ist richtig ? Sollen die Leute sich bei Ihnen vorstellen?
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