Gefahrenatlas Deutschland No-Go-Areas für Schwarze

Die afrikanische Gemeinde in Berlin will schwarze Besucher Deutschlands besser vor rassistischen Übergriffen schützen. Dafür entsteht derzeit eine Landkarte mit heiklen Zonen. Berlin-Köpenick, Magdeburg und Brandenburg sind demnach besonders gefährlich.


Potsdam - Die afrikanische Community in Berlin und Brandenburg fühlt sich von der Politik im Stich gelassen. "Seit Jahren fordern wir, dass in Deutschland gegen Angriffe auf Menschen mit dunkler Hautfarbe etwas getan wird", klagt das Vorstandsmitglied des Afrika-Rats, Moctar Kamara. Doch die Gefahr werde einfach nicht ernst genommen.

Nach dem mutmaßlich rassistischen Überfall auf einen Deutsch-Äthiopier in Potsdam setzt der Dachverband afrikanischer Organisationen und Initiativen in Berlin und Brandenburg jetzt auf Selbsthilfe. "Wir stellen eine Liste mit No-Go-Areas zusammen, die Schwarze zu ihrem eigenen Schutz besser meiden sollten", kündigt Kamara mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft an. Erfasst werden zunächst Kieze, Kneipen, Diskotheken oder auch ganze Orte in der Region, die für Nicht-Weiße gefährlich sein könnten. Anschließend will der Rat den Katalog gemeinsam mit seinen Partnerorganisationen auf ganz Deutschland ausdehnen.

Der Schwerpunkt liege jedoch im Osten, sagt Kamara, weil es dort die meisten fremdenfeindlichen Angriffe gebe. Er würde Menschen afrikanischer Herkunft zum Beispiel abraten, den Berliner Bezirk Köpenick - Sitz der NPD und Aufmarschgebiet der Rechtsextremen - oder Teile Pankows zu besuchen. Auch das Land Brandenburg oder die sachsen-anhaltische Landeshauptstadt Magdeburg gehören für ihn zu den so genannten No-Go-Areas im Osten. Der Afrika-Rat will aber ebenso Orte im Westen aufnehmen, in denen Menschen dunkler Hautfarbe "nicht willkommen sind".

Der Potsdamer Angriff, bei dem ein gebürtiger Äthiopier mit deutschem Pass schwer verletzt wurde, habe die schwarze Community in Berlin zusätzlich verunsichert, sagt Kamara: "Wir werden jetzt noch vorsichtiger sein als bisher." In der Bundeshauptstadt leben nach Angaben Kamaras rund 30.000 Menschen mit dunkler Hautfarbe, darunter 18.000 Afrikaner. In Brandenburg schätzt er deren Zahl auf rund 1000.

Die Liste mit den "No-Go-Areas" soll noch vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft fertig sein und dann ins Internet gestellt werden. Der Rat will sie aber auch direkt an afrikanische Fußball-Verbände schicken, damit diese ihre nach Deutschland reisenden Fans unterrichten können. Für das Sport-Event haben sich eine ganze Reihe Mannschaften vom schwarzen Kontinent qualifiziert, darunter Angola, Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Tunesien. Zugleich sollen die dunkelhäutigen Anhänger europäischer Teams wie Frankreich oder die Niederlande über diesen Weg gewarnt werden.

Christina Schultze, ddp



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