Geheimdienste Aufregung um vermeintliche CIA-Enthüllung

Die CIA habe Deutschland aufgefordert, Kritik der EU an den umstrittenen Geheimtransporten zu verhindern, berichtet die britische Zeitung "Guardian". Doch neu sind diese Enthüllungen nicht. Der SPIEGEL berichtete schon im März über die Vorgänge um den inhaftierten Deutsch-Syrer Mohammed Zammar.


London - Die CIA habe die Bundesregierung ersucht, im Zusammenhang mit den umstrittenen Geheimflügen jeglichem "Druck der EU" wegen Menschenrechtsverletzungen entgegenzuwirken, berichtet der "Guardian" unter Berufung auf einen im Februar für den Bundestag erstellten Geheimdienstbericht. Im Gegenzug sei den deutschen Behörden Zugang zu einem im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September 2001 in Marokko festgenommenen Verdächtigen zugesagt worden.

Bei diesem Verdächtigen dürfte es sich um den Deutsch-Syrer Mohammed Zammar handeln, auch wenn dessen Name in dem Artikel nicht ausdrücklich genannt wird. Zammar befindet sich weiterhin in Syrien in Haft.

Doch dass deutsche Stellen auf Bitten der USA zu Menschenrechtsverhandlungen schweigen sollten, ist nicht neu. Der SPIEGEL berichtete bereits Anfang März darüber: Im Juni 2002 habe sich Berlins US-Botschafter Wolfgang Ischinger in Washington nach dem Verschwundenen erkundigt.

Zammar, vertraute Elizabeth Jones, Abteilungsleiterin im US-Außenministerium, ihrem Kollegen damals an, sei tatsächlich auf Betreiben der USA in Marokko verhaftet und verhört worden. Die CIA habe anschließend dafür gesorgt, dass er nach Syrien ausgeflogen worden sei. "Warum haben Sie uns nicht gleich unterrichtet?", fragte der deutsche Botschafter, verblüfft über so viel Offenheit.

Die USA seien davon ausgegangen, dass seitens Deutschlands "kein großes Interesse an Zammar" bestehe, entgegnete Jones knapp - dabei ist der Exil-Syrer seit 1982 deutscher Staatsbürger. Das diskrete Treffen endete mit einer dringlichen Bitte der Amerikanerin: Deutschland möge Marokko wegen der Menschenrechtsverletzung nicht anprangern, sondern den Fall geheim halten. Der Diplomat folgte dem Wunsch, ebenso seine Berliner Vorgesetzten.

als/AFP



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