Geheimdienste Staatsanwaltschaft untersucht rätselhaften Tod eines BND-Agenten

Der Tod eines hochrangigen BND-Beamten gibt der Staatsanwaltschaft München Rätsel auf. Seine Familie vermutet eine mögliche Vergiftung - die Ermittler sind skeptisch, in frühestens zwei Wochen sollen Untersuchungsergebnisse vorliegen.


Berlin - Die Familie des Verstorbenen habe einen Verdacht auf Vergiftung geäußert, sagte der Münchner Oberstaatsanwalt Anton Winkler. "Es gibt aber keine konkreten Hinweise", fügte er hinzu. Die Staatsanwaltschaft untersuche den Fall. Winkler sagte, nach dem Tod des BND-Mitarbeiters im Dezember habe dessen Familie zunächst die Vermutung geäußert, der 57-Jährige sei an einem ärztlichen Kunstfehler gestorben. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren eingeleitet.

Als die Untersuchungen der Gewebeproben bereits liefen, habe die Familie den Verdacht geäußert, der Verstorbene könne vergiftet worden sein. Die Angehörigen hätten sich an entsprechende Äußerungen des Mannes kurz vor seinem Tod erinnert. Dabei werde auch nach Giftspuren gesucht, unter anderem auf nukleare Stoffe wie Polonium. Mit diesem Stoff war im vergangenen Jahr der russische Ex-Agent Alexander Litwinenko ermordet worden. Die Ergebnisse des Gutachtens könnten in zwei bis drei Wochen vorliegen.

Laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" galt der Unterabteilungsleiter beim Bundesnachrichtendienst (BND) als wichtiger Zeuge im BND-Untersuchungsausschuss. Ende vergangenen Jahres sei der Mann mit rätselhaften Lähmungserscheinungen in eine Münchner Klinik eingeliefert worden. Nachdem er schon auf dem Wege der Besserung schien, sei er kurz vor Weihnachten gestorben.

Nach Angaben des Blattes war der Tote nicht nur ein wichtiger Zeuge im BND-Untersuchungsausschuss, sondern auch eine zentrale Figur in vergangenen Affären um den BND. Der Ausschuss soll unter anderem klären, ob Außenminister Frank-Walter Steinmeier die Freilassung des Deutsch-Türken Murat Kurnaz aus Guantanamo hintertrieben hat.

Der BND wies den Bericht als völlig abwegig zurück: "Stillos, niveaulos und substanzlos", kommentierte ein Sprecher. "Die Geschichte ist von vorn bis hinten an den Haaren herbeigezogen." Auch die Verbindung zum BND-Untersuchungsausschuss sei völlig unzulässig. Der Mitarbeiter sei bisher nicht als Zeuge im Ausschuss geladen gewesen und auch für die Zukunft sei nach Informationen des BND keine Ladung beabsichtigt gewesen.

ler/Reuters/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.