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Urheberrecht Gemälde im Kanzleramt könnte ungewöhnliche Kosten verursachen

Fotos von Pressekonferenzen aus dem Kanzleramt könnten für Medienhäuser teuer werden. Schuld ist ein Kunstwerk im Hintergrund.
aus DER SPIEGEL 42/2022

Seit einigen Wochen wirken die Pressekonferenzen, die Kanzler Olaf Scholz in den Räumen seines Amtes gibt, bunter als zu früheren Zeiten. Grund ist ein Gemälde des Malers Ernst Wilhelm Nay (1902 bis 1968), das seit geraumer Zeit hinter den Tischen oder Pulten mit den Mikrofonen hängt. Das Bild ist Teil des dreiteiligen Werks »Augenbilder« und befindet sich seit über 20 Jahren auf vier mal vier Metern direkt hinter dem Podium.

Aus: DER SPIEGEL 42/2022

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Als dort noch Angela Merkel sprach, war das Gemälde durch einen blauen Hintergrund mit Bundesadler verdeckt. Laut einem Regierungssprecher habe man darauf nun verzichtet, »um einen anderen optischen Eindruck zu erreichen«.

Doch die Aktion könnte rechtliche Folgen haben. Laut der VG Bild-Kunst, die für die Wahrnehmung der Rechte zuständig ist, dürfen Fotos der Pressekonferenzen, auf denen »Augenbilder« zu sehen ist, im Rahmen aktueller Berichterstattung online nur sechs Wochen gezeigt werden. Anschließend müssten sie entweder käuflich lizenziert oder gelöscht werden.

Mit derartigen Fragen müssen sich Redaktionen immer wieder beschäftigen. So ließ sich Armin Laschet, der ehemalige Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, im Düsseldorfer Kabinettssaal gerne vor einem Bild des Fotokünstlers Andreas Gursky fotografieren.

Das Bundespresseamt teilte auf Nachfrage des SPIEGEL nun mit, es prüfe mögliche urheber- und lizenzrechtliche Fragen. Zumindest bis dahin können die Inhaber der Urheberrechte des Nay-Gemäldes also an jedem veröffentlichten Foto der Pressekonferenzen außerhalb der zeitlichen Frist mitverdienen.

red
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