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11. Juli 2013, 13:51 Uhr

Steinbrück meets Göring-Eckardt

"Da muss ich erst mal meine Frau fragen"

Von und

Ein paar Frotzeleien, ein bisschen Angriff und viel Mindestlohn: Mit einem rot-grünen Familientermin wollen Katrin Göring-Eckardt und Peer Steinbrück zeigen, dass sie noch an den Wahlsieg glauben. Aber so langsam müsste die Aufholjagd dann mal beginnen.

Berlin - Frau Steinbrück sitzt diesmal nicht an seiner Seite. Aber was die Frotzeleien zwischen dem SPD-Kanzlerkandidaten und der grünen Spitzenfrau Katrin Göring-Eckardt angeht, können sie fast schon mithalten mit dem Ehepaar Steinbrück. Ein Journalist in der Bundespressekonferenz scheint bereits etwas verwirrt, als er seine Frage mit den Worten einleitet: "Herr Göring-Eckardt, ich meine Frau Steinbrück…" Da lacht Peer Steinbrück laut auf und meint: "Da muss ich erst mal meine Frau fragen." Und die Grüne sagt: "Wir müssen erst mal regieren."

So geht es immer mal wieder hin und her zwischen den beiden. Als Steinbrück auf sein früheres Image als Grünen-Fresser angesprochen wird, beugt sich Göring-Eckardt zu dem Sozialdemokraten und raunt: "Echt, kann ich mir bei dir gar nicht vorstellen." Und als jemand von der Grünen-Politikerin wissen will, ob Göring-Eckardt den alten Klartext- dem zunehmend weichgespülten Kanzlerkandidaten vorziehe, fragt Steinbrück sie: "Wie bin ich gespült?"

So viel darf man nach dem ersten gemeinsamen Auftritt der rot-grünen Spitzenleute wohl sagen: Es hat in den vergangenen Monaten schon schlechtere Termine für die Wunsch-Koalitionäre gegeben. Das mit dem unterhaltsamen Frotzeln kennt man ja auch von Kanzlerin Angela Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer zur Genüge - aber Steinbrück und Göring-Eckardt sind sich auch inhaltlich sehr einig an diesem Tag.

Um es nicht wie einen reinen Show-Termin aussehen zu lassen, haben die beiden ein sehr, sehr grundsätzliches Thema mitgebracht: den Mindestlohn.

Rot-Grünes Lieblingsprojekt

Das ist so etwas wie das Lieblingsprojekt von Rot-Grün, und damit auch überall ankommt, für wie wichtig die beiden Spitzenkandidaten das Vorhaben erachten, wollen sie noch einmal ausführlich darüber sprechen. Es geht um einen "konkreten Fahrplan", wie Steinbrück sagt. Bis spätestens zum 1. Februar werde man einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt haben, verspricht der Kanzlerkandidat.

Vorausgesetzt man gewinne die Wahl.

In der Europäischen Union sei Deutschland eines der letzten Länder ohne eine solche Untergrenze - und damit in Gesellschaft von Staaten wie Rumänien, Polen und Lettland, wie Göring-Eckardt weiß. Das sei auch aus ökonomischen Gründen absurd, argumentiert der Kanzlerkandidat: Ein Mindestlohn entlaste den Staat von Transferleistungen, stärke die Kaufkraft und lasse das Steueraufkommen steigen. "All dies ist ökonomisch vernünftig." Göring-Eckardt sagt: "Der Mindestlohn ist auch eine Frage der Würde."

Das klingt alles ziemlich gut und richtig, aber es dürfte auch jetzt wieder so laufen, wie es zuletzt häufig lief: Wirklich durchdringen wird Rot-Grün mit der Initiative wohl nicht. Es ist eine der schwer erklärbaren Besonderheiten in diesem Wahlkampf, dass eine Opposition, die inhaltlich in vielen Fragen die Debatte dominiert und eine gesellschaftliche Mehrheit hinter sich hat, davon kaum profitieren kann. Merkel scheint, trotz aller inhaltlichen Beliebigkeit, unangefochten. Und jetzt ist auch noch Sommerpause.

Steinbrück schimpft auf die Kanzlerin

Da kann Steinbrück sich noch so echauffieren, wenn er von dem rhetorischen Trick Merkels mit ihrem Vorschlag von Lohnuntergrenzen spricht. "Klingt faszinierend", sagt er - aber die Folge sei "ein Flickenteppich in Deutschland mit Hunderten von Mindestlöhnen". Und für viele Geringverdiener werde sich dadurch gar nichts verbessern. Das sei wieder eine dieser "Merkeleien", schimpft der Kanzlerkandidat: "Hohle Schachteln, in denen nichts drin ist."

Und wenn es so wäre: In den Umfragen ist Merkel ihrem Herausforderer weit enteilt, genau wie die Union der SPD.

Das mit den Demoskopen kümmert Steinbrück und Göring-Eckardt nicht. Sagen sie jedenfalls. Er kenne mehrere Wahlkämpfe in letzter Zeit, in denen die Umfragen drei Monate vor Schluss "nichts mit dem Ergebnis zu tun hatten", sagt Steinbrück. Alles noch offen, so die Botschaft. Aber klar ist: So langsam sollte die Wende dann mal beginnen. Viel Zeit bleibt nicht mehr für die Aufholjagd. In gut zwei Monaten wird im Bund gewählt. Und der Trend spricht dieser Tage eher dafür, dass die ungeliebte schwarz-gelbe Koalition weiterregieren kann.

Aber wer weiß, vielleicht wird ja das neue Traumpaar Steinbrück/Göring-Eckardt die Wende bringen? Weitere gemeinsame Auftritte werde es geben, "wo es sich anbietet", sagt Steinbrück. Na dann.

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