Gendebatte Mediziner wollen die PID in Deutschland

Deutsche Mediziner haben ein Fortpflanzungsmedizingesetz gefordert, das unter anderem die äußerst umstrittene und bisher verbotene Präimplantationsdiagnostik (PID) und das therapeutische Klonen in Deutschland zulässt.


Wissenschaftler fordern mehr Freiheit in der Fortpflanzungsmedizin
DPA

Wissenschaftler fordern mehr Freiheit in der Fortpflanzungsmedizin

Bonn - Die PID solle aber auf diejenigen Fälle beschränkt werden, bei denen beim potenziellen Elternpaar eine schwerwiegende vererbbare Krankheit bekannt sei, betonten die Fortpflanzungsmediziner auf einem Kongress in Bonn. Nach einer künstlichen Befruchtung wird der Embryo bei der PID auf krankhaft veränderte Gene untersucht. Die PID ist in Deutschland verboten.

In einem Positionspapier plädieren die Unterzeichner, Vertreter von Gynäkologie- und Reproduktionsmedizinerverbänden, dafür, ungewollte Kinderlosigkeit als Krankheit zu definieren. Bezüglich der dadurch notwendig werdenden "Therapieformen" fordern die Fortpflanzungsmediziner mehr Freiheit als bisher. So sind sie dafür, dass neben der Samenspende auch die bisher verbotene Eizellenspende gesetzlich erlaubt sein soll. Eine "Instrumentalisierung und Kommerzialisierung des Körpers der Frau" solle allerdings ausgeschlossen werden.

Pro Option für therapeutisches Klonen

Eine einzige Gegenstimme innerhalb eines der vier Verbände gab es zur Frage des therapeutischen Klonens. Mit einer Mehrheit von sechs zu eins Stimmen innerhalb des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) fordern die Mediziner: "Optionen zum therapeutischen Klonen für embryonale Stammzellforschung und -therapie sollten offen gehalten werden".

Die Ärzte sprechen sich in ihrer Expertise gegen eine Anerkennung der Leihmutterschaft aus. Ausnahmen sollten jedoch möglich sein. So solle etwa eine Mutter ein Kind für ihre Tochter austragen dürfen, falls diese Fehlbildungen an den inneren Genitalien habe.

"Höchst fragwürdig" sei es, dass im Ausland Fortschritte in der Embryonenforschung erzielt würden, und sich Deutschland derer bediene ohne selbst zur Forschung beizutragen. In einem neuen Gesetzentwurf sollten daher Möglichkeiten zur Forschung am Präimplantationsembryo "offen gehalten" werden. Es bleibe abzuwarten, ob eine PI-Embryo-verbrauchende Forschung durch andere Methoden zu ersetzen sei, meinen die Unterzeichner.

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