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Alexander Neubacher

Für Schülys, Lehrys, Professorys Leichter gendern mit Phettberg

Alexander Neubacher
Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Eine Kolumne von Alexander Neubacher
Sternchen, Doppelpunkt, Binnen-I? Ein Germanist der TU Braunschweig hat eine einfachere Lösung.
aus DER SPIEGEL 12/2021
Foto: Gregor Bauernfeind / picture alliance / dpa

Sie möchten gendergerecht sprechen, hadern aber noch mit Sternchen, Doppelpunkt und Binnen-I? Dann will ich Sie auf eine bislang wenig beachtete Alternative aufmerksam machen, auf eine Art barrierefreies Gendern in leichter Sprache. Die Methode stammt von Thomas Kronschläger, Germanist und Sprachdidaktiker an der Technischen Universität Braunschweig; sie funktioniert kurz gefasst so: Hängen Sie bei Personenbezeichnungen ein »y« an den Wortstamm, und setzen Sie ein neutrales »das« davor, schon fühlen sich alle (m/w/d) mitgemeint. Gendern, bis das Arzty kommt!

Kronschläger ist in der Pädagogenausbildung tätig, in seinen Aufsätzen und YouTube-Videos nennt er Beispiele aus dem Schulalltag. Aus »der/die Schüler*in« wird »das Schüly«, aus »der/die Lehrer:in« »das Lehry«, aus »der/die ProfessorIn« »das Professory«. Um den Plural zu bilden, kommt einfach noch ein »s« hinzu: »die Schülys«, »die Lehrys«, »die Professorys«.

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Ob auch innerhalb von Wörtern gegendert werden soll, stellt Kronschläger frei. Die Vorteile liegen allerdings auf der Hand. Ein Wortungeheuer wie »Bürger*innenmeister*innengehilf*innen« schnurrt auf »Bürgymeistygehilfys« zusammen. Man spart drei Kunstpausen beim Sprechen und beim Schreiben fast die Hälfte der Anschläge und hat womöglich sogar ein paar Lachys auf seiner Seite.

Kronschläger macht auf weitere Vorteile aufmerksam. Ein »Drucky« zum Beispiel sei jetzt ohne Zweifel eine Person, die in einer Druckerei arbeitet, »ein »Drucker« hingegen das dort verwendete Gerät.

Zudem lassen sich Personenbezeichnungen gendern, die auf »-ling« enden: das Liebly, das Lehrly, das Widerly, das Schädly. Das geht mit dem Genderstern nicht. »Entgendern nach Phettberg« nennt Kronschläger seine Methode, nach dem Wiener Künstler Hermes Phettberg. Der schrieb in seinen Kolumnen schon vor Jahren von »Lesys« und »Followys«, ohne dass sich jemand beklagt hat.

Montag war ich beim Bäcky, Dienstag beim Frisöry – »Entgendern nach Phettberg« ist wirklich idiotysicher.

Ich muss gestehen, dass ich die Sache sympathisch finde. Ich vermute, es liegt an der putzigen und zugleich genderfluiden Endung. Dass mit »Dummie« Mann wie Frau gemeint sein kann, stand schon im Duden, bevor dort die Debatte über Gendersprache überhaupt losging. Und ob »Wickie« nun ein Junge ist oder ein Mädchen, ist eine viel diskutierte Frage für jene, die mit dem Kinder-TV der Siebzigerjahre aufgewachsen sind. Also gerade auch für jene heute mittelalten weißen Männer, denen man unterstellt, sie nähmen das Thema gendersensible Sprache irgendwie nicht ernst genug.

Aktionskünstler Hermes Phettberg (1995)

Aktionskünstler Hermes Phettberg (1995)

Foto: RONALD ZAK/ ASSOCIATED PRESS

Der Vorwurf, gendergerechtes Deutsch klinge akademisch, bürokratisch und dünkelhaft, würde sich jedenfalls erledigen. Ich habe Kronschlägers Methode ausprobiert. Sie ist wirklich idiotysicher. Montag war ich beim Bäcky, Dienstag beim Friseury. Ich schrieb an Kollegys, telefonierte mit Informantys und traf ein altes Freundy. Nur das Ehepartny rede ich weiter im Femininum an.

Man müsse es nicht übertreiben, sagt auch Kronschläger.

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