Genossen in der Krise Ypsilanti rechnet mit der SPD ab

Andrea Ypsilanti knöpft sich die SPD vor. Die ehemalige hessische Parteichefin wirft den Genossen Ideenlosigkeit vor. Auch die Auswahl des neuen Vorsitzenden Gabriel und des Fraktionschefs Steinmeier kritisiert die gescheiterte Spitzenkandidatin scharf.

Andrea Ypsilanti: "Es wurde zuviel abgenickt"
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Andrea Ypsilanti: "Es wurde zuviel abgenickt"


Hamburg - Andrea Ypsilanti rechnet mit der SPD ab: Die Partei habe sich in den letzten Jahren vorwiegend mit sich selbst beschäftigt, kritisierte die frühere hessische Landeschefin in der "Zeit": "Es hat keine Verständigung zwischen der Führung, der Parteibasis und der Wählerschaft gegeben." Die Partei habe im eigenen Saft geschmort: "Kein Wunder, dass dann die Ideen ausgegangen sind."

Die hessische SPD-Politikerin war vor gut einem Jahr mit dem Versuch gescheitert, sich zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Vier Abgeordnete aus der SPD-Landtagsfraktion verweigerten Ypsilanti die Gefolgschaft, weil diese sich auch auf die Stimmen der Linkspartei stützen wollte.

Ypsilanti kritisierte auch die Auswahl der neuen Bundesspitze mit Sigmar Gabriel als Parteivorsitzendem und Frank-Walter Steinmeier als Chef der Bundestagsfraktion: "Es war nicht unbedingt demokratisch, weil die neue Führung sich nicht den gewählten Gremien gestellt hat, sondern als Erstes in die Medien ging." Die SPD habe unter diesem Führungsstil in den letzten Jahren oft gelitten: "Es wurde zu viel abgenickt."

Skeptisch äußerte sich Ypsilanti vor allem über Steinmeier als einem der Architekten der Agenda 2010: "Ich gestehe jedem, der ein Amt übernimmt, Lernfähigkeit zu. Die muss dann aber auch sichtbar werden."

Ypsilanti räumte jetzt aber auch Fehler nach der Landtagswahl im Januar 2008 ein: "Wir hätten über das weitere Vorgehen einen Diskussionsprozess innerhalb der Partei gebraucht." Die SPD-Politikerin hatte im Landtagswahlkampf mehrfach ein Bündnis mit der Linkspartei ausgeschlossen, war wenige Wochen nach der Wahl aber doch auf ein Linksbündnis eingeschwenkt, was ihr als Wortbruch vorgehalten wurde. Den Vorwurf der Lüge wies sie zurück: "Ein nicht haltbares Versprechen ist keine Lüge. In der Geschichte der Parteien werden Sie viele Beispiele nicht gehaltener Versprechen finden."

als/AP



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Dietmar Stadler 07.11.2009
1.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Man kann sich doch immer wieder über die SPD auslassen. Ein Thread nach dem anderen, der hier auftaucht. Nun, es scheint wenigstens noch breites Interesse zu bestehen, über die SPD nachzudenken oder herzuziehen. Ihren Untergang wird das aber kaum verhindern.
SaT 07.11.2009
2.
Zitat von Dietmar StadlerMan kann sich doch immer wieder über die SPD auslassen. Ein Thread nach dem anderen, der hier auftaucht. Nun, es scheint wenigstens noch breites Interesse zu bestehen, über die SPD nachzudenken oder herzuziehen. Ihren Untergang wird das aber kaum verhindern.
Stimmt – macht irgendwie Spaß. Weiß auch nicht so recht warum.
profprom, 07.11.2009
3.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Wie bitte? Die SPD stellt sich neu auf? Mit dem altgedienten Kader?
Rainer Daeschler, 07.11.2009
4.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Gabriel ist Resteverwalter, nicht der Moses, der die SPD ins gelobte Land führt. Die SPD ist zur Zeit ein Chamäleon, das mal das Gesicht einer Arbeitnehmerpartei zeigt, dann wieder den Hort der Wirtschaftsversteher darzustellen versucht. Sie ist wie Gewerkschafter größerer Unternehmen, mit dem Aufsichtsratssitz und dem Co-Management ausgefüllt, aber immer noch ein kariertes Flanellhemd im Büroschrank griffbereit, wenn es dann doch mal in die Niederungen der Werkshallen gehen sollte. Die SPD muss entweder zwischen den beiden Extremen ihren Weg finden, oder sich für eines der beiden entscheiden. Der Wähler mag keine Überraschungseier wählen und Sigmar Gabriel mit ausgewiesenen Chamäleoneigenschaften ist nicht der Parteivorsitzende, der die entscheidende Wende verspricht.
Meerkönig 07.11.2009
5.
Zitat von sysopNach dem für die SPD desaströsen Ergebnis bei der Bundestagswahl stellte sich die Partei neu auf um schnell wieder Tritt zu fassen. Hat die neue SPD-Spitze um den designierten Vorsitzenden Sigmar Gabriel das Zeug, die Wende zu schaffen?
Die SPD braucht Visionäre, die sich voll und ausschließlich den Normalbürgern verschreiben. Das sind Kleinbeamte-Arbeitnehmer, /Beitragszahler mit Familien, Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger aber auch Geschäftstreibende, Mittelstandsbetriebe. Es gibt genug Möglichkeiten in Deutschland um alle mit Wohlstand ,Zukunftssicherheit( Vollbeschäftigung) und Gesundheit zufrieden zu stellen, ohne dem Rest eines staatlichen Gemeinwesens weh tun zu müssen. (Weh tun zu müssen im wahrsten Sinne des Wortes). Man braucht nur auf L. Erhards soziale Marktwirtschaft zurückzugreifen. (Heute tiefster Marxismus) Hauptaufgabe ist, Ungerechtigkeit, Kriminalität und Korruption erbarmungslos in Regierung ,Opposition und Wirtschaft ohne Rücksicht und Bevorzugung (ja, z. B. Kohl gehört ins Zuchthaus) zu bekämpfen. Die Bildung muss Priorität haben mit Schwerpunkt Bekämpfung der Raffgier, Gesund- und Alterssicherungslehre und natürlich all die anderen Schwerpunkte. Man kann das auf alle Felder ausdehnen, wie Verkehr, Verteidigung, Umwelt ,Ernährung, Geldkontrolle, Erbschaft usw. Dafür fehlen mir Sahra Wagenknechts in der SPD. Ich sehe jedenfalls keine.
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