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06. Juli 2001, 07:07 Uhr

Gentechnik

Katholiken kritisieren "vollendete Tatsachen"

In der Gentechnik werden nach Einschätzung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken bereits Tatsachen geschaffen. Damit solle, so der Vorwurf, eine Erlaubnis für die Forschung an embryonalen Stammzellen erzwungen werden.

Der von Kanzler Gerhard Schröder einberufene Ethikrat soll Richtlinien zum Umgang mit der Gentechnik erarbeiten
AP

Der von Kanzler Gerhard Schröder einberufene Ethikrat soll Richtlinien zum Umgang mit der Gentechnik erarbeiten

Osnabrück - Mit diesem Vorgehen werde krass gegen die Entscheidung des Bundestags verstoßen, diese Fragen bis zum Herbst zurückzustellen, sagte ZdK-Vizepräsident Heinz-Wilhelm Brockmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Brockmann warf insbesondere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, er verstärke mit seinem Eintreten für die embryonale Stammzellenforschung gegenüber der Wissenschaft Erwartungen, die später nicht enttäuscht werden könnten. Eine ergebnisoffene Debatte werde geradezu ausgehebelt. Schon jetzt sei erkennbar, wie sich die Forschungslandschaft im Wettlauf um Zuschüsse zunehmend an der Meinung des Kanzlers ausrichte.

Diese einseitige Ermunterung durch die Politik setzt sich nach Meinung des ZdK-Vizepräsidenten fahrlässig über Erkenntnisse der internationalen Wissenschaft hinweg. Bei der medizinischen Nutzung embryonaler Stammzellen komme man um das therapeutische Klonen nicht herum. Hier werde ein neuer ethischer und gesellschaftspolitischer Dammbruch in Kauf genommen. Die Klontechnik setze voraus, dass Embryonen für wissenschaftlichen und kommerziellen Verbrauch erzeugt werden müssten.

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