Geprellte Zeche Mainzer Oberbürgermeister gibt Amt auf

Am Ende ging es um eine Rechnung für drei Gläser Wein: Der Mainzer Oberbürgermeister Beutel soll während einer offiziellen Afrika-Reise eine Rechnung nicht bezahlt haben. Nicht die erste Affäre während seiner Amtszeit - aber die letzte - der SPD-Politiker hat seinen Rücktritt angekündigt.

Ende der Amtszeit: Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel ist zurückgetreten
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Ende der Amtszeit: Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel ist zurückgetreten


Mainz - Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) ist zurückgetreten. Während eines Besuchs in Ruanda soll er seine Getränkerechnung an der Bar nicht bezahlt haben. Nachdem er für sein Verhalten harsch kritisiert worden war, verkündete der 65-Jährige, dass er zum 1. Januar 2012 in den vorgezogenen Ruhestand gehen werde: Beutel stand seit 14 Jahren an der Spitze der Stadt Mainz. Seine Amtszeit hätte regulär erst im Mai 2013 geendet.

In den vergangenen Jahren war der Mainzer Oberbürgermeister mehrfach in die Kritik geraten. Im Jahr 2004 reiste Beutel als Aufsichtsratsmitglied der Überlandwerke Groß-Gerau zusammen mit der Firmenspitze für vier Tage auf die italienische Insel Capri. Das Amtsgericht Mainz erließ deshalb vor etwa einem Jahr einen Strafbefehl wegen Untreue über 9600 Euro. Weitere Ermittlungen wegen Vorteilsnahme und Untreue wurden im vergangenen Jahr eingestellt.

Die jüngste Affäre hatte parteiübergreifend für Empörung gesorgt. Beutel war mit einer offiziellen Delegation aus Rheinland-Pfalz nach Ruanda gereist. Nach Angaben von Mitreisenden hatte er in einem Vier-Sterne-Hotel in der Hauptstadt Kigali mehrere Gläser Wein getrunken und anschließend die Hotelbar verlassen, ohne zu zahlen. Die Kosten hätte Innenminister Roger Lewentz (SPD) übernommen.

In der vergangenen Woche hatte Beutel sich schon für die nicht bezahlte Rechnung entschuldigt. Die Wogen glättete das jedoch nicht: "Der Ärger ist auch in der SPD riesengroß", sagte der Mainzer SPD-Vorsitzende Michael Ebling. Schon am Samstag hatte die Fraktion der Grünen Beutel ein Ultimatum gestellt. Er müsse bis zu einer Sitzung des Stadtrats am Mittwoch Konsequenzen ziehen, hieß es. Die CDU hatte zuvor ein Abwahlverfahren angekündigt.

Beutel reagierte: Ihm sei "durchaus bewusst, dass ich in diesen Tagen Kritik an meinem Verhalten geradezu herausgefordert habe", erklärte der Mainzer Oberbürgermeister. Mit Rücksicht auf seine Familie und die politische Gestaltungsfähigkeit in der Stadt sei er zum Schluss gekommen, dass ihm eine weitere Arbeit an der Spitze der Stadt nicht länger möglich sei, teilte Beutel nun in einer schriftlichen Erklärung mit.

In Mainz regiert eine Koalition aus SPD, Grünen und FDP. Diese muss sich nun nach einem neuen Kandidaten für Beutels Posten umsehen: Drei Monate nach seinem Ausscheiden wird ein neues Stadtoberhaupt gewählt.

usp/dapd/dpa

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