Ukrainekrieg Protest über Nähe zu Putin: Schröders Büroleiter tritt nach 20 Jahren zurück

Gerhard Schröder behält trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine seine Posten bei russischen Energiekonzernen. Das Büroteam des Ex-Kanzlers zieht nun Konsequenzen.
Gerhard Schröder: Forderungen nach Distanzierung verhallen bislang

Gerhard Schröder: Forderungen nach Distanzierung verhallen bislang

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

Albrecht Funk, langjähriger Büroleiter und Redenschreiber Gerhard Schröders, wird das Büro des Altkanzlers nach SPIEGEL-Informationen nicht weiterführen. Zunächst hatte das Nachrichtenportal »The Pioneer« darüber berichtet. Demnach geben auch drei weitere Mitarbeiter Schröders ihre Posten auf.

Funk hatte das Büro mehr als 20 Jahre geleitet. Dem Bericht zufolge entschied Funk sich in der vergangenen Woche, seinen Posten aufzugeben. Angeblich gibt es Differenzen wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine und Schröders Haltung dazu. Funk soll seinem Chef eine schnelle und klare Distanzierung von Wladimir Putin sowie einen Rücktritt von allen Aufsichtsmandaten in russischen Unternehmen empfohlen haben. Ähnlich äußerten sich demnach andere Berater Schröders.

Auf dem Portal LinkedIn hatte Schröder sich von dem Angriffskrieg zwar distanziert, aber bei der Frage der Verantwortung gesagt, auf beiden Seiten habe es viele Fehler gegeben. Dies wurde weithin so interpretiert, als wolle er Putins Schuld an dem Angriffskrieg relativieren. Der Forderung, seine Posten bei russischen Energieunternehmen aufzugeben, kommt Schröder bislang nicht nach. Daran gibt es massive Kritik, auch aus seiner eigenen Partei.

In den vergangenen Tagen und Wochen haben mehrere SPD-Spitzenpolitiker Gerhard Schröder dazu aufgefordert, seine beruflichen Beziehungen zu Russland zu beenden. SPD-Chef Lars Klingbeil schrieb auf Facebook: »Mit einem Aggressor, mit einem Kriegstreiber wie Putin macht man keine Geschäfte.« Als Bundeskanzler a.D. handle man nie komplett privat, schon gar nicht in einer Situation wie der jetzigen. »Es ist deswegen überfällig, die geschäftlichen Beziehungen zu Putin zu beenden. Das erwarte ich unmissverständlich.«

Funk hat nun ein Rückkehrrecht in das Bundeskanzleramt und könnte nun ausgerechnet bei SPD-Kanzler Olaf Scholz einen neuen Job finden. Ob das Kanzleramt Schröder neues Personal genehmigt, ist offen.

höh/vme