Vertrauter von Putin Schröder empfing dubiosen Gast im Kanzleramt

Im letzten Jahr seiner Amtszeit hatte Gerhard Schröder nach SPIEGEL-Informationen einen Gast von zweifelhaftem Ruf im Kanzleramt: Dem russischen Oligarchen Oleg Deripaska wurden Verbindungen zur Organisierten Kriminalität nachgesagt.
Bundeskanzler Schröder im Jahr 2005: Zweifelhafter Besuch aus Russland

Bundeskanzler Schröder im Jahr 2005: Zweifelhafter Besuch aus Russland

Foto: A3390 Kay Nietfeld/ dpa/dpaweb

Berlin - Üblicherweise werden Wirtschaftsführer mit Verbindungen zur Unterwelt im Kanzleramt nicht vorgelassen. Doch am 14. Februar 2005 machte der damalige Regierungschef Gerhard Schröder (SPD) eine Ausnahme. An dem Tag empfing er nach Informationen des SPIEGEL den russischen Aluminium-Mogul Oleg Deripaska zu einem Abendessen in kleinem Kreise mit deutschen und russischen Unternehmern. (Lesen Sie mehr dazu zu dem Fall im aktuellen SPIEGEL).

Der Bundesnachrichtendienst (BND) war nicht begeistert. Ausdrücklich hatte er vor Deripaska gewarnt. Ein Beamter des Kanzleramts notierte: "Nach BND-Berichten gibt es Hinweise auf Verbindungen mit der Organisierten Kriminalität, die über das für Spitzenvertreter der russischen Wirtschaft 'normale Maß zweifelhafter Geschäftsmethoden' hinausgehen."

Deripaska ist inzwischen bei Wladimir Putin in Ungnade gefallen. Damals galt er jedoch als enger Vertrauter von Russlands Präsident und unterhielt Geschäftsbeziehungen zu Gazprom. 2005 leitete August Hanning den BND. Hanning ist inzwischen pensioniert und arbeitet als Anwalt. Im vergangenen Jahr sagte er zugunsten Deripaskas bei einem Prozess gegen einen russischen Magnaten in London aus. Auf Anfragen zu dem Verfahren berief sich Hanning auf seine anwaltliche Schweigepflicht. Deripaska unterlag in den vergangenen Jahren immer wieder einem Einreiseverbot in die USA wegen angeblicher Mafia-Verbindungen.

Schröders gute Beziehung zu Putin ist hinlänglich bekannt. Erst jüngst sorgte der deutsche Altkanzler für Kopfschütteln in der deutschen Politik, als er bei einem Empfang der Nord Stream AG zu seinem 70. Geburtstag den Kreml-Chef lachend umarmte. Schröder ist Vorsitzender des Aktionärsausschusses des Unternehmens, das die Ostsee-Gaspipeline betreibt, die russisches Gas nach Deutschland bringt.

Bei der Feier in St. Petersburg war auch Philipp Mißfelder anwesend, Außenpolitikexperte der Unionsfraktion. Er und Schröder stehen in der Kritik. Ihre Teilnahme an der Feier sei angesichts von Russlands Vorgehen in der Ukraine empörend, hieß es quasi unisono aus SPD- und Unionsfraktion. Mißfelder hat die Teilnahme an der Feier gerechtfertigt.

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