Altkanzler aus dem Off Gerhard Schröder findet Klimadebatte übertrieben

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder fürchtet, dass durch Klimaschutzfragen andere wichtige Themen vernachlässigt werden. In einem Interview kritisierte er zudem die Nachhaltigkeitsstrategien der Autoindustrie.

Gerhard Schröder (Archiv)
Federico Gambarini/DPA

Gerhard Schröder (Archiv)


In den vergangenen Monaten ist das Thema Klimapolitik zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Nun hat sich der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder dazu geäußert. Der SPD-Politiker warnte davor, dem Klimaschutz alles andere unterzuordnen.

"Dass das ein wichtiger Aspekt ist, will ich gar nicht bestreiten. Aber dass jetzt fast die gesamte politische Debatte von der Klimafrage dominiert wird, geht mir zu weit", sagte der 75-Jährige dem "Handelsblatt".

Und weiter: "Die Volksparteien haben es immer geschafft, einen breiten Katalog gesellschaftlicher Fragen zu beantworten: Was ist mit unserer Wettbewerbsfähigkeit? Wie ist es um unser Bildungssystem bestellt? Wie können wir bei der Digitalisierung Schritt halten? Das sind wichtige Fragen. Derzeit wird aber alles von der Klimadebatte überdeckt."

Das erkläre auch den Höhenflug der Grünen in den Umfragen. "Meine Prognose ist jedoch: Auf Dauer wird das nicht reichen, um diese Republik aufrecht zu erhalten", sagte er.

Auch die Nachhaltigkeitsstrategien der deutschen Autoindustrie attackierte Schröder, der als niedersächsischer Ministerpräsident einst im VW-Aufsichtsrat saß: "Wo man früher zu wenig über Elektromobilität nachgedacht hat, wird es jetzt teils übertrieben."

Mit Blick auf den Hinweis, dass VW mittlerweile voll auf E-Autos setze, warnte Schröder: "Dabei wird vergessen, dass der Diesel noch viele, viele Jahre ein wichtiges Aggregat sein wird. Dass sich gestandene Automobilhersteller da in eine Ecke drängen lassen, kann ja wohl nicht wahr sein. Das Management sollte in der Lage sein zu sagen: Wir brauchen noch Zeit und sollten das eine wie das andere fördern."

asc/dpa



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