"Würde ein gutes Abendessen verwetten" Schröder wirbt für Laschet als CDU-Kanzlerkandidat

Der frühere SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder dürfte kaum als Förderer von Frauen in die Geschichte eingehen. Und ist offenbar auch kein glühender Fan von CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer.
Gerhard Schröder (Archiv)

Gerhard Schröder (Archiv)

Foto: Federico Gambarini/DPA

Gerhard Schröder ist derzeit der einzige lebende Altkanzler - und mischt sich sehr gern mit Zwischenrufen in tagespolitische Debatten ein.

Im Juli ließ er verlauten, die Klimadebatte sei übertrieben, im August kritisierte er den VW-Aufsichtsrat für dessen Umgang mit dem verstorbenen Autoboss Ferdinand Piëch. Nun, im September, ist die CDU an der Reihe.

In einem Doppelinterview mit der "Rheinischen Post"  an der Seite des nordrhein-westfälischen CDU-Ministerpräsidenten Armin Laschet mischte sich Schröder in die Debatte über die nächste Kanzlerkandidatur der Unionsparteien ein - und empfahl Laschet: "Ich würde ein gutes Abendessen in diesem schönen Restaurant darauf verwetten, dass die CDU am Ende auf ihn zukommen wird", sagte der 75-jährige Sozialdemokrat.

"Ein potenzieller Kanzlerkandidat"

Zu den Chancen der seit Dezember 2018 amtierenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte Schröder: "Es gibt in der CDU eine Debatte, ob die Vorsitzende geeignet ist. Das will ich nicht beurteilen." Weiter sagte er: "Aber dass Armin Laschet hier als Ministerpräsident einen guten Job macht, ist offensichtlich, und natürlich ist der nordrhein-westfälische Regierungschef immer auch ein potenzieller Kanzlerkandidat."

Laschet selbst sagte dazu: "Ich bin sehr gerne Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, da gibt es auch noch viel zu tun. Und über die Kanzlerschaft werden wir entscheiden, wenn der Zeitpunkt da ist."

Auf die Frage, ob die Kanzlerkandidatur in der Union offen sei, antwortete Laschet: "Das ist eine Binsenweisheit. Die Parteivorsitzende wird diesen Prozess führen. Und es ist verabredet, dass wir uns rechtzeitig vor der Wahl 2021 über einen Kandidaten oder eine Kandidatin verständigen."

"Das ist eine Binsenweisheit": Armin Laschet (auf einer Tagung Ende August in Berlin)

"Das ist eine Binsenweisheit": Armin Laschet (auf einer Tagung Ende August in Berlin)

Foto: Paul Zinken/DPA

Auf die Frage, ob die SPD noch einen Kanzlerkandidaten brauche, antwortete Schröder: "Natürlich, sie darf den Anspruch nicht aufgeben, den Regierungschef in Deutschland wieder zu stellen."

Von der Idee, die Traditionspartei künftig von einer Doppelspitze führen zu lassen, hält er demzufolge aber wenig: "Ich glaube, da wird der Versuch gemacht, etwas zu kopieren, was andere Parteien schon nicht immer als Erfolg erlebt haben." Die SPD müsse sich auf ihre eigenen Stärken besinnen.

"Wir brauchen Russland für viele Fragen"

Laschet äußerte sich auch zu den schwierigen Beziehungen zu Russland. Mit Blick auf die Entspannungspolitik der Siebzigerjahre im Kalten Krieg sagte er: "Damals hat man in einer angespannten Lage mit einem totalitär kommunistischen System trotzdem Gesprächsfäden aufgebaut. Dann muss uns das doch auch heute möglich sein. Wir brauchen Russland für viele Fragen in der Welt."

So sei es ein wichtiger Schritt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin zugesagt habe, das Pariser Klimaschutzabkommen zu ratifizieren. "Es gibt viele Konflikte, wo wir vorankommen müssen, ohne dass wir unsere völkerrechtliche Position etwa zur Krim aufgeben. Da kann man Klartext reden und trotzdem auf anderen Feldern kooperieren und im Gespräch bleiben", sagte Laschet.

Schröder, ein langjähriger Freund Putins, sagte: "Herr Laschet hat recht, wenn es Positionen gibt, die unvereinbar sind, muss man an anderer Stelle weiterkommen."

mxw/dpa
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