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30. August 2017, 21:38 Uhr

Schröder zu Rosneft-Job

"Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich"

Altkanzler Schröder hat sein geplantes Engagement beim Kreml-nahen Ölkonzern Rosneft verteidigt. "Die Dämonisierung Russlands hilft keinem." Angst mache ihm vielmehr Donald Trump.

Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) will trotz harscher Kritik das Angebot annehmen, in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einzuziehen. "Ich werde das tun. Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich - und nicht die deutsche Presse", sagte Schröder bei einem Wahlkampfauftritt im niedersächsischen Rotenburg an der Wümme. Er wolle dabei mithelfen, die Energiesicherheit Deutschlands und Europas zu sichern.

Ob er bei Rosneft sogar den Vorsitz des Aufsichtsrates übernehmen soll, wie russische Medien berichten, ließ Schröder offen. Der Sozialdemokrat erklärte zu seinen Beweggründen, es sei aus ökonomischen und politischen Gründen nicht vernünftig, Russland zu isolieren. "Die Dämonisierung Russlands hilft keinem."

Rosneft sei keineswegs "der verlängerte Arm der russischen Regierung", sagte Schröder. So seien auch British Petroleum (BP), Katar oder Glencore an dem weltgrößten Ölkonzern beteiligt. Das neunköpfige Aufsichtsgremium (Board) sei nicht russisch dominiert.

Auf die Frage, ob er nicht fürchte, von Russlands Präsident Wladimir Putin als Aushängeschild bei Rosneft benutzt zu werden, antwortete Schröder: "Ich bin nicht benutzbar." Er habe auch nicht den Eindruck, dass Putin dies mit ihm vorhabe, sagte Schröder.

Gegen Rosneft waren wegen der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim EU-Sanktionen verhängt worden. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte sich von Schröders Plänen distanziert.

"Alte Liebe Rosneft nicht"

Kritik kam am Mittwochabend auch vom früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. "Ich wundere mich, wie wenig Widerstand aus seiner eigenen Partei kommt", sagte Guttenberg bei einem CSU-Wahlkampfauftritt in Kulmbach. Den SPD-Altkanzler bezeichnete er als "Gazprom-Gerd" - und witzelte: "Alte Liebe Rosneft nicht."

Kurz nach seiner Wahlniederlage 2005 war Schröder bereits beim Betreiber der Gas-Pipeline Nord Stream eingestiegen, er wurde Vorsitzender des Aktionärsausschusses eines Konsortiums, an dem der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält.

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hingegen verteidigte Schröder und warf der Union eine bewusste Skandalisierung der Rosneft-Ambitionen des Altkanzlers vor. "Ich glaube, dass in Wahrheit ein politisches Spiel stattgefunden hat. Dass Schröder, Klammer auf, SPD, Klammer zu, dazu benutzt wurde, um die Sozialdemokraten damit zu triezen", sagte der Vizekanzler bei der SPIEGEL-Veranstaltung "Live an der Ericusspitze" in Hamburg. "Es gibt kein Erkenntnisinteresse, es gibt ein Interesse, das zu skandalisieren."

Der Außenminister hielt der Union vor, in anderen Situationen die Russland-Kontakte Schröders genutzt zu haben. Er nannte Schröders Vermittlung bei einer Geiselnahme deutscher OSZE-Beobachter in der Ostukraine. "In der Situation, wo man ihn gebrauchen kann, um mit Putin mal über andere Probleme zu reden, da finden das alle super", sagte Gabriel.

Zu den Berichten, wonach Schröder sogar den Chefposten im Rosneft-Aufsichtsrat übernehmen soll, sagte Gabriel: "Wenn er Chef ist, umso besser, hat er ein bisschen was zu sagen." Soweit er wisse, sei Schröder auch nicht von der russischen Regierung, sondern vom britischen Energieriesen BP für den Aufsichtsratsposten vorgeschlagen worden.

Schröder warnt vor Trump

Schröder selbst äußerte sich bei seinem Auftritt auch zum aktuellen Wahlkampf - und zu US-Präsident Donald Trump. Dieser sei wegen seines leichtfertigen Umgangs mit der Außenpolitik ein Risiko für den Weltfrieden. "Außenpolitik über Twitter zu machen, ist hochgradig gefährlich. Verglichen mit Herrn Trump ist Wladimir Putin ein hochrationaler Mann", sagte Schröder.

Trumps Bemerkung über Wut und Feuer, mit denen er Nordkorea überziehen wolle, sei nicht hilfreich gewesen: "Das macht mir Angst."

Seiner eigenen Partei empfahl Schröder knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl, im Endspurt alle Kräfte zu mobilisieren. "Man muss Rampensau sein." Immer dann, wenn die Leute einen abgeschrieben hätten, müsse man losschlagen. "Mit dem Rücken zur Wand kämpft man eigentlich am besten", sagte Schröder.

wal/dpa

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