Gerichtsbeschluss Ex-RAF-Terroristin Eva Haule kommt frei

Nach 21 Jahren wird die ehemalige RAF-Terroristin Eva Haule aus der Haft entlassen. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat den Rest ihrer Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Haule war im April 1994 wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden.


Frankfurt am Main - Die frühere RAF-Terroristin Eva Haule kommt nach 21 Jahren Gefängnis frei - das entschied das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main in einem heute veröffentlichten Beschluss. Die Richter gaben einem Antrag Haules statt, den Rest ihrer lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen.

Tatort Airbase: In Frankfurt starben zwei Menschen beim Anschlag auf das Hauptquartier der US-Streitkräfte
DPA

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"Danach ist der Senat in Übereinstimmung mit dem Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof und dem Ergebnis mehrerer Gutachten der psychologischen Sachverständigen zu der Überzeugung gelangt, dass von der Verurteilten derzeit keine Gefahr für die Allgemeinheit mehr ausgeht", hieß es in der Mitteilung. Als Termin für die Aussetzung der Reststrafe nannte das Gericht den kommenden Dienstag.

Maßgeblich sei auch, dass die 53-jährige Haule an der Auflösung der RAF 1998 aktiv mitgewirkt habe, erklärte das Gericht. Zudem habe sie klar gemacht, Gewalt in Form des "bewaffneten Kampfes" nicht mehr als geeignetes Mittel zur Erreichung politischer Ziele anzusehen.

Haule, die ihre Strafe zuletzt im offenen Vollzug in Berlin verbüßte, zählte zur sogenannten dritten Generation der RAF. Anfang 1984 hatte sie sich als Studentin der Terrorgruppe angeschlossen. 1986 wurde Haule festgenommen und zwei Jahre später unter anderem wegen Beteiligung an einem versuchten Sprengstoffanschlag auf die Nato-Schule in Oberammergau zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt.

Noch vor Ablauf der Strafe verhängte das Frankfurter OLG 1994 eine lebenslange Freiheitsstrafe gegen Haule. Grund war ihre Beteiligung am Bombenanschlag auf die Rhein-Main-Airbase der US-Streitkräfte im August 1984. Damals waren insgesamt drei Menschen getötet und elf weitere Personen schwer verletzt worden.

Festnahme in einem Rüsselsheimer Eiscafé

Die am 16. Juli 1954 in Baden-Württemberg geborene Eva Sybille Haule galt als eine der meistgesuchten Terroristen der RAF, als sie im August 1986 gefasst wurde. Damals wurde Haule mit zwei anderen Verdächtigen in einem Eiscafé in Rüsselsheim festgenommen, als sie laut Fahndern gerade eine Lageskizze des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit studierten.

Als Freigängerin machte Haule, die Sozialpädagogik studierte, eine Ausbildung zur Fotografin. Für Ärger sorgte im März 2005 eine Ausstellung einiger ihrer Porträts von mitinhaftierten Frauen im Berliner Abgeordnetenhaus - FDP und CDU empörten sich über die Ausstellung. Der Sprecher von Parlamentspräsident Walter Momper vertrat dagegen die Auffassung, es dürfe kein lebenslanges Verbot für die Teilnahme an Kunstausstellungen geben. Demnach müsse die Rückkehr in die Gesellschaft auch einstigen RAF-Terroristen ermöglicht werden. Haules Fotos wurden auch in einem Bildband veröffentlicht.

Neben Christian Klar und Birgit Hogefeld ist Haule derzeit das letzte ehemalige RAF-Mitglied, das sich noch im Gefängnis befindet. Ende März war die frühere Top-Terroristin Brigitte Mohnhaupt nach 24 Jahren Haft freigekommen. Auch sie hatte einen Antrag gestellt, den Rest ihrer Strafe zur Bewährung auszusetzen. Ein Gnadengesuch Christian Klars hatte Bundespräsident Horst Köhler im Mai abgelehnt.

flo/ddp/dpa/AP

Hinweis: SPIEGEL ONLINE darf aufgrund einer derzeit noch wirksamen Einstweiligen Verfügung des Landgerichts Berlin kein Bildnis von Eva Haule verbreiten.

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