Germanwings-Absturz De Maizière prüft Ausweispflicht auf Schengen-Flügen

Ein Ticket reicht, um an Bord eines Flugzeugs im Schengen-Raum zu gelangen - bisher. Denn Innenminister de Maizière spricht von einem "riesigen Sicherheitsproblem". Nach dem Germanwings-Unglück wussten die Behörden nicht, wer in der Maschine saß.
Lufthansa-Maschinen am Flughafen in Frankfurt am Main: Flüge im Schengen-Raum bald wieder nur mit Ausweis?

Lufthansa-Maschinen am Flughafen in Frankfurt am Main: Flüge im Schengen-Raum bald wieder nur mit Ausweis?

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Wer war an Bord der Germanwings-Maschine, die im Süden Frankreichs abstürzte? Eine Frage, die die Sicherheitsbehörden länger beschäftigte - und aus der Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nun Konsequenzen zieht. Er lässt eine Ausweispflicht auf allen Flügen im Schengen-Raum prüfen.

"Nach dem Anschlag haben wir bei allen Passagieren und der Crew überprüft, ob sie uns als Gefährder bekannt sind - weil wir wissen wollten, ob es sich um einen Terroranschlag handelt", sagte er der "Bild"-Zeitung . "Wir mussten aber feststellen, dass zunächst gar nicht klar war, wer überhaupt in dem Flugzeug saß."

Nach dem Wegfall der Grenzkontrollen nach dem Schengener Abkommen wird die Identität der Fluggäste nicht mehr systematisch kontrolliert. "Wenn ein Passagier sein Ticket an jemand anderen abtritt, wird nur der Name des ersten Passagiers erfasst", sagte der Minister. "Das ist ein riesiges Sicherheitsproblem, und wir müssen ernsthaft überlegen, ob das in Zukunft wirklich noch so bleiben kann." Zur Schengenzone gehören alle EU-Staaten - mit Ausnahme von Großbritannien, Irland und Zypern. Zudem sind Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein Schengener Staaten.

Zudem forderte de Maizière einen besseren Austausch von Fluggastdaten mit Nicht-EU-Staaten, um potenzielle Gefährder aufzuspüren und Terroranschläge verhindern zu können.

Wie die "Bild"-Zeitung weiter berichtet, prüfen deutsche und französische Experten in einer Arbeitsgruppe, ob der Türschutz-Mechanismus im Flugzeug-Cockpit wieder abgeschafft werden soll. Der Mechanismus kann für die Totalverriegelung der Cockpit-Tür sorgen. Das Blatt beruft sich auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Der Mechanismus wurde wegen der Anschläge vom 11. September 2001 eingeführt. Damals stürmten Terroristen in die Cockpits und übernahmen die Kontrolle über die Flugzeuge.

Beim Absturz des Airbus A320 in den französischen Alpen kamen in der vergangenen Woche 150 Menschen ums Leben. Den Ermittlungen zufolge sperrte der Co-Pilot den Flugkapitän aus dem Cockpit aus und führte die Katastrophe bewusst herbei. Das Motiv ist unklar. Der 27 Jahre alte Mann soll an Depressionen gelitten haben.

heb/dpa