Todesopfer in Berlin Claus-Brunner hinterließ schriftliches Geständnis

Vor seinem Suizid hat der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner einen Abschiedsbrief verfasst. Darin gesteht er nach SPIEGEL-Informationen die gewaltsame Tötung des 29-jährigen Jan Mirko L.

Wahlkampfplakat von Gerwald Claus-Brunner
AP

Wahlkampfplakat von Gerwald Claus-Brunner

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Der verstorbene Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner hat die gewaltsame Tötung des 29-jährigen Jan Mirko L. schriftlich gestanden. Das erfuhr der SPIEGEL aus Ermittlerkreisen. Nach Informationen der "Welt" schickte Claus-Brunner das Geständnis vor seinem Selbstmord in Form eines Briefes an einen Fraktionskollegen.

Offiziell geben die Behörden im Fall Claus-Brunner aus Datenschutzgründen derzeit keine Details zu Personalien bekannt. Der SPIEGEL erfuhr jedoch aus Ermittlerkreisen, dass es sich bei dem Todesopfer um den 29-jährigen Jan Mirko L. aus Berlin-Gesundbrunnen handelt. Mehrere Bekannte aus dem Parteiumfeld bestätigten, dass es sich bei Jan Mirko L. um dieselbe Person handelt, die Claus-Brunner jahrelang in sozialen Netzwerken als "Wuschelkopf" bezeichnete.

So postete er schon zu Beginn seiner Tätigkeit im Berliner Abgeordnetenhaus über seinen Twitteraccount regelmäßig Sätze wie "Jetzt nach Hause zu meinem Wuschelkopf". Später änderte Claus-Brunner die Privatsphäre-Einstellungen seines Accounts, sodass die Nachrichten nur noch für ausgewählte Follower sichtbar waren.

Vor seinem eigenen Tod veröffentlichte Claus-Brunner ein Foto eines jüngeren Mannes auf dem Kurznachrichtendienst. Nach SPIEGEL-Informationen zeigt das Motiv Jan Mirko L. Der Eintrag stammt vom 16. September und ist unterschrieben mit den Worten: "Meine Liebe, mein Leben, für dich lieber Wuschelkopf, für immer und ewig!" Das war Claus-Brunners letzte Nachricht auf Twitter.

Wenige Stunden vorher hatte der Piraten-Politiker geschrieben: "Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten tage die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe das Wochenende machts besser."

Eine Beziehungstat?

Claus-Brunner hatte sich nach einem mutmaßlichen Tötungsdelikt selbst das Leben genommen. Eine Mordkommission untersucht den Fall. Zu Berichten von "Bild" und "B.Z.", wonach Claus-Brunner sein totes Opfer mit einer Sackkarre durch Berlin gefahren haben soll, äußerte sich die Staatsanwaltschaft bislang nicht detailliert.

Es steht aber fest, dass das jüngere Todesopfer in einer Wohnung im Stadtteil Gesundbrunnen durch stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper getötet und dann in Claus-Brunners Wohnung im Stadtteil Steglitz gebracht wurde. Der 44-jährige Claus-Brunner tötete sich dann einige Tage später selbst. Die beiden Leichen waren am Montag in Brunners Mietwohnung entdeckt worden. Sie lagen in verschiedenen Zimmern. Den Beamten habe sich "ein schauriges Bild" geboten, hieß es in einer Mitteilung der Behörden.

Ob Jan Mirko L. alias "Wuschelkopf" und Claus-Brunner tatsächlich, zumindest für eine Zeit lang, eine Beziehung führten oder nicht - darüber gibt es widersprüchliche Angaben. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte am Dienstag erklärt, das Todesopfer habe zuvor gegen Claus-Brunner Stalkingvorwürfe erhoben.

Politische Weggefährten erzählen, dass sie Claus-Brunner in den Jahren 2011 und 2012 mehrfach mit Jan Mirko L. im Abgeordnetenhaus gesehen haben wollen. Auch arbeitete der junge Mann offenbar für eine Weile im Wahlkreisbüro Claus-Brunners in Steglitz-Zehlendorf.

Der Piraten-Politiker hatte das Büro 2014 gegründet. Frühe Tweets des Bürgerbüros sind mit dem Kürzel "ml" gekennzeichnet. Andere Hinweise auf eine aktive Mitarbeit gibt es momentan nicht. Ein offizielles Verzeichnis der einzelnen Mitarbeiter liegt der scheidenden Piratenfraktion nicht vor.

Claus-Brunner trat als Politiker stets mit Latzhose und Kopftuch auf und war dadurch bekannt geworden. 2011 zog er als Mitglied der ersten Piratenfraktion ins Berliner Abgeordnetenhaus ein. Bei der Wahl am Sonntag verpassten die Piraten den Wiedereinzug ins Parlament.

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