Gesche Joost Steinbrücks Netzexpertin wird Merkels Internetbotschafterin

Sie wurde als Netzexpertin in Peer Steinbrücks Wahlkampfteam bekannt, nun übernimmt sie eine Aufgabe in der Bundesregierung: Die 39-jährige Gesche Joost soll als Internetbotschafterin den digitalen Wandel auf europäischer Ebene vorantreiben.
Designforscherin Joost: "Rein national funktioniert das nicht"

Designforscherin Joost: "Rein national funktioniert das nicht"

Foto: MARCO-URBAN.DE

Berlin - Im Bundestagswahlkampf 2013 holte der damalige SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück die Berliner Designforscherin Gesche Joost in sein Kompetenzteam. Sie sollte der Partei ein junges, weibliches und netzaffines Image verleihen. Mit dem Wahlsieg Steinbrücks wurde es zwar nichts - doch jetzt, ein paar Monate später, hat Joost in der Großen Koalition eine neue Aufgabe.

Die 39-Jährige ist seit Dienstag Deutschlands Vertreterin im Club der sogenannten Digital Champions. Das Gremium wurde 2012 gegründet und beschäftigt sich unter der Federführung von EU-Kommissarin Neelie Kroes mit Fragen des digitalen Wandels auf europäischer Ebene . Die meisten EU-Staaten haben einen Internetbotschafter in die Gruppe entsandt. Nun hat auch Deutschland mit Joost erstmals ein Mitglied für die "Digital Champions" bestimmt.

Joost betrachtet ihre ehrenamtliche Rolle als die einer unabhängigen Beobachterin und Ratgeberin. "Ich möchte die Bundesregierung bei der Weiterentwicklung ihrer digitalen Agenda kritisch begleiten", sagte Joost SPIEGEL ONLINE am Dienstag. "Ich freue mich auf eine spannende Aufgabe und möchte dazu beitragen, dass sich sowohl Berlin und Brüssel als auch die EU-Staaten untereinander in Fragen des digitalen Wandels besser vernetzen", fügte sie hinzu.

Gabriel: "Freue mich sehr"

Die Berufung Joosts erfolgte auf Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). "Ich kann mir niemanden vorstellen, der als digitale Botschafterin Deutschlands besser geeignet wäre als Gesche Joost", sagte Gabriel SPIEGEL ONLINE am Dienstag. "Ich freue mich deshalb sehr, dass sie meiner Bitte gefolgt ist und in Zukunft der EU-Kommission als unabhängige Beraterin zur Verfügung steht", fügte Gabriel hinzu.

Das Gremium kommt das nächste Mal am Mittwoch und Donnerstag im Vorfeld des EU-Gipfels zusammen. Regulär trifft es sich zweimal im Jahr, "und darüber hinaus öfter virtuell", wie es auf der Website der Gruppe  heißt. Dabei tauschen sich die Mitglieder über die Internetstrategien ihrer Heimatländer aus und entwickeln Ideen für den digitalen Wandel auf EU-Ebene. "Wir müssen die Digitalisierung als Teil des europäischen Wertesystems denken, auf rein nationaler Ebene funktioniert das nicht", betonte Joost.

Die neue Personalie dürfte auch damit zusammenhängen, dass die Große Koalition Internetkompetenz demonstrieren möchte. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat für ihre laufende Regierungszeit eine digitale Offensive ausgerufen. So sollen etwa bis 2018 alle Haushalte bundesweit mit schnellem Internet versorgt sein. In Merkels Kabinett kümmern sich mit Thomas de Maizière, Alexander Dobrindt und Sigmar Gabriel gleich drei Bundesminister um die "Digitale Agenda", also den Breitbandausbau, die Datensicherheit und die Internetwirtschaft. Bislang fehlt es allerdings an einem gemeinsamen Konzept.

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