Geschlagene Bayern-SPD Maget feiert den 18-Prozent-Triumph

Historische Schlappe, Projekt 18 verwirklicht: Die bayerische SPD scheint ganz unten angekommen. Doch Fraktionschef Maget ist unermüdlich - und hat Zahlen parat. Die sollen belegen, dass die Niederlage nicht wirklich eine Niederlage war.

Von , München


München - Es fängt schon am Wahlabend an. "Es gibt jetzt eine Mehrheit jenseits der CSU in Bayern", sagt SPD-Spitzenkandidat Franz Maget kurz nach 18 Uhr. Dann erhebt er die rechte Hand, spreizt Zeige- und Mittelfinger zum Victory-Zeichen.

Der kommissarische SPD-Chef Frank-Walter Steinmeier gratuliert am nächsten Tag im Berliner Willy-Brandt-Haus mit Blumenstrauß und allem drum und dran: "Das war ein schöner Wahlabend gestern, herzlichen Glückwunsch."

SPD-Fraktionschef Franz Maget mit Ehefrau am Wahlabend: "Die Kampagne war erfolgreich"
DPA

SPD-Fraktionschef Franz Maget mit Ehefrau am Wahlabend: "Die Kampagne war erfolgreich"

Wozu eigentlich? Die SPD hat in Bayern gerade mal 18,6 Prozent geholt, das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit. Den alten FDP-Traum vom Projekt 18 - die SPD hat ihn wahrgemacht.

"Natürlich ist das desaströs", sagt Johanna Werner-Muggendorfer, frisch gewählte SPD-Fraktionsvize im Landtag zwei Wochen danach: "Aber ich empfinde eben gewisse Schadenfreude über das CSU-Ergebnis." Die 43 Prozent der Schwarzen lassen die Roten jubilieren.

Doch es kommt noch besser für die geschlagenen Genossen. In der eigenen 18-Prozent-Niederlage liegt nämlich auch Gutes. Zahlen belegen das. "Jetzt kommt etwas, worauf ich fast schon stolz bin", sagt Maget und zieht die Wahlanalyse von Infratest dimap hervor: "Wir haben einen deutlichen Kompetenzzuwachs."

Zum Beispiel beim Punkt "Arbeitsplätze sichern und neue schaffen". Die CSU verlor in der Zuweisung der Bevölkerung neun Punkte, die SPD gewann neun. Allerdings liegen die Christsozialen immer noch mit 54 zu 21 Prozent vorn. In Sachen Familienpolitik aber haben die Sozialdemokraten (plus sechs) die CSU (minus 15) an der Spitze verdrängt.

Bei den Themen soziale Gerechtigkeit, Integration und Steuergerechtigkeit liegt die SPD ebenfalls vorn. Und während die bereits in die Geschichte eingegangenen CSU-Matadoren Erwin Huber und Günther Beckstein in der Zufriedenheitsbewertung zwölf beziehungsweise zehn Punkte verloren haben, verzeichnet Maget ein plus von gleich 20.

Der unermüdliche Bayern-Sozi schlussfolgert: "Die Kampagne der SPD war erfolgreich." Quasi noch erfolgreicher als 2003, als man schon auf 19,6 Prozent abgestürzt war.

Franz Maget ahnt natürlich hämische Nachfragen. "Warum hat das trotzdem nicht funktioniert?", fragt er sich also gleich selbst. Die SPD sei "Opfer ihres eigenen Erfolgs" geworden. Und das geht so: Unmittelbar vor der Wahl stieg den Infratest-Zahlen zufolge die Wechselstimmung. In dem Moment hätten sich die Leute überlegt, was eigentlich passiere, wenn die SPD tatsächlich in Regierungsverantwortung komme - und ihr diese nicht zugetraut. Zudem habe die SPD in Sachen Wirtschaftskompetenz schlechte Werte bekommen. Maget: "Da hat die Wähler der Mut wieder verlassen und sie sind zu den Freien Wählern gegangen."

Laut Infratest hat die SPD zwar 80.000 Wähler von der CSU gewonnen, aber insgesamt 120.000 verloren: 30.000 an die Grünen, 40.000 an die Freien Wähler, 50.000 an die Linke.

Konsequenz? "Wir müssen unsere Wirtschaftskompetenz stärken." Auch "regionale Entwicklungspläne" fordert Maget, um in jenen Regionen, in denen die SPD sogar die Zehn-Prozent-Marke verfehlt hatte, wieder Boden gutzumachen.

Klar aber sei: "Köpfe rollen" würden jetzt nicht in der SPD-Fraktion. "Ich verstehe, dass Sie auch bei uns Blut sehen wollen, aber ich muss Sie enttäuschen." Maget macht weiter als Fraktionschef. Erstmal bis 2010, "ob ich dann nochmal zur Verfügung stehe, weiß ich nicht."



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