Videoüberwachung Und plötzlich sah er sein Gesicht in der "Tagesschau"

Martin Baer nahm an dem umstrittenen Feldversuch des Innenministeriums zur Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz teil. Inzwischen bereut er das.
Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Aus seiner Sicht war Martin Baer ein Musterbürger. Ein Freiwilliger, der dem Innenminister dabei helfen wollte, Straßen und Bahnhöfe sicherer zu machen. Als einer von rund 300 Probanden hatte Baer sich 2017 für einen Feldversuch zur automatisierten Gesichts­erkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz gemeldet. Das Vorhaben war von Beginn an umstritten, so wie das Ermittlungs­instrument an sich. Behörden versprechen sich davon bessere Fahndungserfolge. Viele Kritiker sehen es als weiteren Schritt in eine totale Überwachung.

Auch Baer bereut sein Mitwirken inzwischen. "Die Behörden haben mir die Sicherheit und Löschung meiner Daten versprochen, ich fühle mich verschaukelt."

Der Berliner hat es vorige Woche in die "Tagesschau" geschafft, gegen seinen Willen. Zwei Porträtfotos von Baer flimmerten lange als Standbild auf dem Schirm, während die Moderatorin die Neuigkeiten zum Thema verlas: Innenminister Horst Seehofer hatte die Ermittlungsmethode aus einem aktuellen Gesetzesentwurf gestrichen. "Auf jeden normalen Zuschauer musste ich wie ein flüchtiger Verdächtiger wirken", sagt Baer. "Vollkommen absurd, dass es ausgerechnet mich traf."

Der 57-jährige Berliner beschäftigt sich als Kameramann und Dokumentarfilmer seit Jahren intensiv mit dem Recht am eigenen Bild und drehte darüber sogar eine Kinodokumentation. "Der illegale Film" ist eine collagenartige Kulturgeschichte der Fotografie, er zeigt, wie den Menschen zunehmend die Kontrolle über ihre eigenen Bilder entgleitet. Nun liefert Baer selbst den besten Beleg für ­seine These.

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