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Gestiegene Sozialhilfekosten Ausgaben belegen höhere Altersarmut

Pro Einwohner acht Euro mehr als 2006: Die Kosten für Sozialhilfe in Deutschland sind im vergangenen Jahr kräftig angestiegen. Die neuen Zahlen des Bundesamts für Statistik machen vor allem auf eine wachsende Altersarmut und mehr Pflegebedürftige aufmerksam.

Wiesbaden/Berlin - Immer mehr Menschen haben offenbar Anspruch auf Sozialhilfe: Im vergangenen Jahr sind die Ausgaben für Sozialhilfe in Deutschland erneut gestiegen. Sie betrugen 2007 netto 18,8 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte - also 3,9 Prozent mehr als 2006.

Pro Einwohner wurden demnach im vergangenen Jahr rechnerisch 228 Euro Sozialhilfe bezahlt, 8 Euro mehr als 2006. In den alten Bundesländern waren es 237 Euro je Einwohner, in den neuen Ländern 152 Euro. Die mit Abstand höchsten Sozialhilfeausgaben meldeten erneut die drei Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin. Bei Flächenländern im Westen waren die Ausgaben pro Einwohner mit 168 Euro in Baden-Württemberg am niedrigsten, in Schleswig-Holstein mit 277 Euro am höchsten. In Ostdeutschland lag die Spanne zwischen 114 Euro in Sachsen und 194 Euro in Mecklenburg- Vorpommern je Bewohner.

Besonders stark, nämlich um 12,7 Prozent, nahmen die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung zu. Gründe dafür dürften nach Experteneinschätzung neben einer steigenden Zahl bedürftiger Senioren auch höhere Regelsätze sein: In Ostdeutschland wurde der Zahlbetrag für die Grundsicherung im Alter Anfang 2007 um gut vier Prozent auf 345 Euro angehoben. Zur Jahresmitte 2007 gab es dann noch einmal eine bundesweite Rentenerhöhung um rund 0,5 Prozent.

Doch die höheren Ausgaben dürften auch auf weitere Faktoren zurückzuführen sein: Mehr als die Hälfte der Sozialhilfeausgaben entfiel mit 10,6 Milliarden Euro auf die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Das entsprach einer Steigerung um 0,9 Prozent. Für die Hilfe zur Pflege gaben die Sozialversicherungsträger im vergangenen Jahr netto 2,7 Milliarden Euro aus. Dies deutet auf eine steigende Zahl von Hilfsbedürftigen hin.

Für die Hilfe zum Lebensunterhalt wurden 2007 rund 740 Millionen Euro gezahlt - 9,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. 2004 - also vor Inkrafttreten von Hartz IV - waren es noch 8,8 Milliarden Euro. Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten Menschen, die nicht erwerbsfähig sind und daher kein Arbeitslosengeld II beziehen.

Das Bundesarbeitsministerium wollte die unter den Vorjahreswerten liegende Zunahme nicht bewerten: Man warte zunächst die endgültigen Zahlen ab, sagte ein Sprecher in Berlin.

fat/dpa/AFP/AP