Gesundheitsreform Struck kündigt harte Einsparungen an

SPD-Fraktionschef Struck will Ärzten, Apothekern, Arzneimittelhersteller an die Geldbörse: Die geplante Gesundheitsreform erfordere drastische Einsparungen - auch gegen den zu erwartenden Widerstand: "Der Speck im System muss konsequent abgebaut werden."


Berlin – Hamburg - "Die Koalition muss in dieser Frage Mut vor Fürstenthronen beweisen", sagte Struck der "Bild am Sonntag": "Ich rechne mit einem Proteststurm von Ärzten, Apothekern und Pharmaindustrie, weil wir gewachsene Besitzstände und Pfründe angreifen werden."

Zahnarzt: "Mut vor Fürstenthronen"
DPA

Zahnarzt: "Mut vor Fürstenthronen"

Einen "Gesundheits-Soli" oder eine "Gesundheits-Prämie", wie sie von Unions-Fraktionschef Volker Kauder ins Spiel gebracht worden war, lehnt Struck noch ab. "Wir wollen erst über Einsparungen reden, bevor wir über Handlungsbedarf bei den Einnahmen reden", sagte der SPD-Fraktionschef. "Erst einmal muss der Speck im System konsequent abgebaut werden." Langfristig werde der Krankenbeitrag trotz aller Sparanstrengungen ansteigen, sagte Struck voraus.

Der Koalitionspartner müsse bei den bevorstehenden Kürzungen mitzuziehen: Weil es in kaum einem Bereich so viele Lobbyisten gebe, "müssen SPD und Union sich unterhaken, standhaft sein und ihre Beschlüsse durchsetzen".

Besonders wandte sich Struck gegen die zuletzt drastisch gestiegenen Kosten für Arzneimittel. Sie seien im ersten Quartal um 500 Millionen Euro stärker angewachsen als geplant. "Dagegen muss die Koalition wirksame Beschlüsse fassen. Die Kosten für Arzneimittel müssen runter."

nach einer aktuellen Umfrage kauft heute schon jeder zweite Krankenversicherte regelmäßig Medikamente auf eigene Rechnung. Mehr als 50 Prozent der Menschen erwerben mindestens ein Mal pro Quartal Mittel gegen Erkältungskrankheiten oder Schmerzen, Vitamine, Mineralstoffe oder Stärkungsmittel zur Selbstmedikation, ergab die Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, die der dpa vorliegt.

Frauen greifen der Umfrage unter 3000 gesetzlich Versicherten zufolge mit rund 58 Prozent stärker zur Selbstmedikation als Männer (rund 41 Prozent). Preisvergleiche würden dabei in der Apotheke kaum angestellt, obwohl es für nicht rezeptpflichtige Arzneimittel keine Preisbindung gibt.

jul/ddp/dpa



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