Getötete Bundeswehrsoldaten Merkel und Guttenberg trauern mit Angehörigen und Freunden

Regen trauert um seine drei in Afghanistan gefallenen Soldaten: In Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erwiesen am Freitag mehr als 600 Angehörige, Kameraden und Freunde den von einem afghanischen Soldaten Getöteten die letzte Ehre.

Minister Guttenberg, Kanzlerin Merkel in Regen: Tiefe Trauer um die drei toten Soldaten
REUTERS

Minister Guttenberg, Kanzlerin Merkel in Regen: Tiefe Trauer um die drei toten Soldaten


Berlin/Regen - Mit einer Trauerfeier im niederbayerischen Regen haben Bundeswehr, Bundesregierung und Angehörige am Freitag Abschied von den drei in Afghanistan getöteten Soldaten genommen. "Wir alle verneigen uns vor ihnen in Dankbarkeit und Anerkennung", sagte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) in der Stadtpfarrkirche von Regen. Die Soldaten gehörten zu dem dort stationierten Panzergrenadierbataillon 112. Guttenberg sagte im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel: "Sie wollten helfen, den Menschen in Afghanistan den Weg in eine bessere Zukunft zu bereiten."

Der Minister rief trotz des perfiden Attentats eines vermeintlich Verbündeten dazu auf, den Afghanen das Vertrauen nicht aufzukündigen. Damit würde man dem Angreifer nur "nachträglich zum grauenvollen Triumph" verhelfen. "Was er wollte, darf er nicht erreichen."

Der Anschlag in einem Bundeswehrstützpunkt in der Provinz Baghlan am vergangenen Freitag war der schlimmste Angriff auf deutsche Einheiten seit fast einem Jahr. Der Angreifer, der eigentlich das Lager schützen sollte, feuerte auf deutsche Soldaten und tötete einen 21 Jahre alten Hauptgefreiten, einen 22 Jahre alten Stabsgefreiten und einen 30 Jahre alten Hauptfeldwebel vom Panzergrenadierbataillon 112 in Regen. Sechs weitere deutsche Soldaten wurden verletzt.

Kanzlerin Merkel ergriff während der Zeremonie in der Pfarrkirche nicht das Wort. Zusammen mit Guttenberg verneigte sie sich vor den mit einer schwarz-rot-goldenen Flagge bedeckten Särgen.

Unter den mehr als 600 Teilnehmern waren auch die Ministerpräsidenten von Bayern und Baden-Württemberg, Horst Seehofer (CSU) und Stefan Mappus (CDU), sowie Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker und SPD-Chef Sigmar Gabriel. Auf dem Stadtplatz von Regen verfolgten mehrere hundert weitere Menschen die Zeremonie.

Guttenberg lobte die Tapferkeit der Soldaten und sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. "Bei allem Entsetzen: Seien sie fest von uns allen einfach umarmt." Einer der Soldaten hinterlässt eine einjährige Tochter.

Einen Kurswechsel in Afghanistan schloss Guttenberg trotzdem aus. Die Ausbildung afghanischer Soldaten auch an vorderster Front will er fortsetzen. "Wer im Einsatz in Afghanistan bestehen will, der muss Vertrauen haben, ... auch Vertrauen in die verbündeten Streitkräfte." Die Ausbildung der Afghanen soll den Abzug der deutschen Kampftruppen bis 2014 ermöglichen.

Der evangelische Militärdekan Alfred Gronbach sprach zum Auftakt von "lähmender Traurigkeit". Der katholische Militärdekan Reinhold Bartmann nannte den Angriff einen "bewussten Mordanschlag", der auch Zweifel an dem Einsatz hervorrufe. "Diese Fragen rühren uns nicht nur an, sondern sie rühren viele auch auf."

Es war die erste Trauerfeier in Deutschland für in Afghanistan gefallene Soldaten in diesem Jahr. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes 2001 kamen 48 deutsche Soldaten ums Leben. 30 davon starben im Gefecht oder bei Anschlägen. Die Bundeswehr ist im Rahmen des internationalen Einsatzes für den Norden des Landes zuständig. Ende dieses Jahres soll mit ihrem Abzug begonnen werden.

flo/dpa/AFP



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lensenpensen 25.02.2011
1. Von wegen "perfides Attentat"...
und "bewusster Mordanschlag". Das ist eben eine Form des Krieges, den die Bundesregierung und große Teile unserers Parlaments zu führen (immer noch) willens sind. Für die Familien und die Kameraden tut mir dieser Verlust sehr leid. Ich hoffe, dass es endlich zu einer ehrlichen Diskussion über unseren Afghanistan-einsatz kommt. DIESES sind wir den gefallenen Männern schuldig! Es ist doch beschähmend, dass ihr Opfer in der medialen Wahrnehmung hinter die Lügenaffäre des Ministers zurücktritt. Natürlich sind Gefallene "immer ein guter Aufhänger" für die Debatte, nur sie muss unabhängig davon, endlich geführt werden!
zauberer1, 25.02.2011
2. Erlogene Teilnahme...
......vom Blender, dem glaube ich nichts mehr. Er ist und bleibt ein Betrüger.
der gärtner 25.02.2011
3. ...
Zitat von sysopRegen trauert um seine drei*in Afghanistan gefallenen Soldaten: In Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erwiesen am Freitag mehr als 600 Angehörige, Kameraden und Freunde den von einem afghanischen Soldaten Getöteten*die letzte Ehre. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747808,00.html
Frau Merkel und ihr halbseidener Plagiator-Prinz sollten sich was schämen! Wenigstens taugt der ganze Tanz für die Medien und die Selbstdarstellung...
docsoc 25.02.2011
4. An Pietaetslosigkeit nicht zu ueberbieten !
Einen ueberfuehrten Titel-Betrueger und Luegner, der jetzt Betroffenheit heuchelt vor den Angehoerigen von drei gefallenen Soldaten und denkt, er koenne zur Tagesordnung uebergehen - unglaublich! Keine Regierung in der Geschichte der Bundesrepublik war moralisch so verkommen wie diese. Hoffen wir, dass das Wahlergebnis in HH der Anfang war, um diese "Politiker" auch bundesweit abzuwaehlen. Nicht nur Arabien braucht einen demokratischen Neuanfang, auch Italien, Frankreich und Deutschland.
Nimbus-4 25.02.2011
5. Schamlose Heuchelei !
Ein Mann ohne Ehre und eine Frau ohne Anstand und Respekt vor charakterlichen Grunderfordernissen für ein öffentliches Amt, kondulieren den Hinterblieben der Menschen, welche durch ihren Befehl an den Ort ihrer Ermordung entsandt wurden. Wäre ich einer dieser Angehörigen, hätte ich mir Beileidsbekundungen ausgerechnet dieser beiden Regierungsrepräsentanten mit allem Nachdruck verbeten. Nicht einmal Soldaten, deren Profession ich bei anderer Gelegenheit schon zur Genüge kritisierte, verdienen es, dass ihr letztes Geleit von solchen Menschen entwürdigt wird.
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