Fall Jaber Albakr Gewerkschaft plädiert für Terroristen-Gefängnis

Als Reaktion auf den Selbstmord von Jaber Albakr in seiner Zelle fordert die Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten, Terroristen in ein zentrales Gefängnis zu sperren. Reguläre Anstalten seien nicht geeignet.

JVA Leipzig
DPA

JVA Leipzig


Terrorverdächtige wie der Syrer Jaber Albakr sollten nach Ansicht der Gewerkschaft der Strafvollzugsbediensteten in Niedersachsen zentral in Deutschland inhaftiert werden. "Es kann nicht sein, dass potenzielle Terroristen in regulären Gefängnissen untergebracht werden", sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Uwe Oelkers, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Anstalten seien im Zweifelsfall nicht dafür geeignet. "Eine zentrale Inhaftierung in der Nähe der zuständigen Bundesanwaltschaft ist die sinnvollste Lösung", betonte Oelkers.

Der mutmaßliche IS-Terrorist Albakr hatte sich am Mittwochabend zwei Tage nach seiner Festnahme in der Untersuchungshaft mit einem T-Shirt seiner Anstaltskleidung an einem Gitter in seiner Zelle erhängt. Die Verantwortlichen im Leipziger Gefängnis hatten zuvor keine akute Suizidgefahr gesehen. Laut Behördenangaben hatten sie keine Erfahrungen mit Terroristen.

Oelkers verteidigte allerdings die Arbeit seiner Kollegen in der JVA Leipzig. "Die Angestellten haben alles gemacht, was möglich war", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende. "Ihnen ist kein Vorwurf zu machen."

Anschlag in Berlin geplant

Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden hatte Albakr einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant, offenbar im Auftrag der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). In der Wohnung in Chemnitz, in der der 22-Jährige zuletzt lebte, hatten die Ermittler 1,5 Kilogramm hochexplosiven Sprengstoff gefunden.

Albakr soll Medienberichten zufolge sein mutmaßliches Anschlagsziel selbst ausgespäht haben. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg und die "Berliner Morgenpost" am Freitag unter Hinweis auf Kreise der Sicherheitsbehörden des Bundes berichteten, hielt sich der Syrer in der zweiten Septemberhälfte in der Hauptstadt auf und verbrachte eine Nacht in Berlin. Dabei soll er auch eine Kontaktperson getroffen haben.

Der Aufenthalt in Berlin soll für die Planung des Anschlages eine wichtige Rolle gespielt haben, hieß es. Die Sicherheitsbehörden hätten Albakr zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht im Visier gehabt, sondern entdeckten seine Verbindungen in die Hauptstadt erst im Zuge der Ermittlungen. Albakr soll durch Berliner Imame mit dem radikalen Islam in Verbindung gekommen sein. Der Bruder des Syrers beschuldigte die Polizei, für den Tod des 22-Jährigen verantwortlich zu sein. "Selbst wenn er IS-Mitglied war: Die begehen keinen Selbstmord", sagte Alaa Albakr.

Jaber Albakr - Die Suche nach den Schuldigen hat begonnen:

SPIEGEL ONLINE

kev/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.