Gewerkschaften DGB-Chef Sommer gibt Rot-Grün keine Chance mehr

Der neue Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Michael Sommer glaubt nicht an einen Wahlsieg von SPD und Grünen bei der Bundestagswahl. Bisher hatte er stets für eine Fortsetzung der rot-grünen Bundesregierung plädiert.

Von


DGB-Chef Sommer: Angewidert von der FDP
REUTERS

DGB-Chef Sommer: Angewidert von der FDP

Berlin - "Ich glaube persönlich nicht daran, dass es für Rot-Grün reicht", sagte der frisch gewählte DGB-Chef am Mittwochabend vor etwa 200 unionsnahen Gewerkschaftern. Auch deshalb halte er Kontakt zur Arbeitnehmer-Vereinigung der CDU. Über den Ausgang der Bundestagswahl habe er vor kurzem auch mit dem Kanzlerkandidaten der Union, Edmund Stoiber, ein Gespräch geführt.

Wenn es für Rot-Grün nicht reiche, stelle sich die Frage, ob man die FDP an einer Bundesregierung beteiligen solle. Sommer sprach sich wegen der umstrittenen Äußerungen von FDP-Vize Jürgen Möllemann gegen jedwede Beteiligung "der Möllemänner" an einer Bundesregierung aus. "Ich bin angewidert davon, dass wir in Deutschland wieder Politiker haben, die mit Antisemitismus auf Wählerfang gehen", sagte Sommer. Eine Große Koalition von CDU und SPD dagegen wäre "vielleicht die große Chance, das machen zu müssen, was uns nach vorne bringt, ohne dass gebremst wird".

Intern trafen Sommers freimütige Aussagen aber offenbar auf Widerspruch. DGB-Pressesprecher Hans-Jürgen Arlt behauptete kurzerhand, Sommer habe sich zur Wahlaussicht von Rot-Grün gar nicht geäußert, sondern nur gesagt, niemand wisse, "wie die Wahl ausgeht, auch ich nicht". Auch habe Sommer nicht für eine große Koalition plädiert. Eine solche Interpretation stehe "völlig im Widerspruch zu den bisherigen Aussagen Michael Sommers vor und auf dem DGB-Bundeskongress".

Doch das Dementi ist unglaubwürdig. Der Vorsitzende der CDU-Arbeitnehmerorganisation CDA, Hermann-Josef Arentz, der ebenfalls an dem Parteiabend teilnahm, bestätigte gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa) die von SPIEGEL ONLINE zitierten Aussagen Sommers. Arentz sagte, Sommer habe "mit einem frappierenden Realismus und ohne jede Verzierung hart und brutal" gesagt, er glaube nicht, dass Rot-Grün eine Mehrheit erringe. Laut Arentz gab Sommer auch zu erkennen, dass er auf eine große Koalition setze.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.